Ein Jahr und acht Monate

Untreue: Bewährungsstrafe für Ex-Landvolk-Chef Diepholz

Verden/Diepholz - Von Wiebke Bruns. Unmittelbar nach dem Plädoyer zeigte sich Lothar Lampe noch emotional. Mit tränenerstickter Stimme dankte er seiner Familie für deren Unterstützung und klagte einmal mehr über Anfeindungen und falsche Berichterstattungen.

Der 7. Großen Strafkammer am Landgericht Verden hatte der ehemalige Vorsitzende des Landvolk-Kreisverbands Grafschaft Diepholz schon an vorherigen Verhandlungstagen gedankt. Doch mit der Verkündung des Urteils am Dienstagnachmittag würdigte der trotzig wirkende 72-Jährige die Richter keines Blickes mehr. Zu einer 20-monatigen Bewährungsstrafe verurteilte das Gericht Lampe. 

Der ebenfalls angeklagte ehemalige Verbandsgeschäftsführer Wilhelm Bergmann hat sich nach Überzeugung der Kammer der Beihilfe in einem Fall schuldig gemacht. In dem anderen Fall wurde er freigesprochen. Gegen ihn wurde eine sechsmonatige Bewährungsstrafe verhängt.

Zwei Großspenden im Mittelpunkt

Am Ende des im Oktober vergangenen Jahres gestarteten Strafprozesses ging es nur noch um zwei Anklagepunkte. Zwei Spenden aus dem Jahr 2009. Eine Million Euro aus dem Landvolk-Vermögen hatte Lampe eigenmächtig der Deutschen Stiftung Kulturlandschaft und 100.000 Euro der Edmund-Rehwinkel-Stiftung zukommen lassen. Alle weiteren Fälle waren im Laufe des Prozesses eingestellt worden. 

Für zwei weitere Angeklagte hatte das Verfahren damit ein vorzeitiges Ende gefunden. Am Dienstagvormittag hatten zunächst Oberstaatsanwältin Dr. Dagmar Schubert und die insgesamt vier Verteidiger der beiden Angeklagten das Wort. Die Oberstaatsanwältin hielt an dem Vorwurf der Untreue in besonders schwerem Fall bei Lampe und der Beihilfe durch Bergmann in zwei Fällen fest.

Staatsanwaltschaft: „Lampe zweifellos Täter“

„Lampe ist zweifellos Täter. Er hat die Zahlungen veranlasst“, betonte Schubert. Verteidigung geschickt, aber erfolglos Geschickt, aber im Ergebnis erfolglos, argumentierten danach die Verteidiger. Die Angeklagten hätten keine persönlichen Vorteile aus den Spenden gehabt und sich nicht strafbar gemacht.

Der Verein habe mit der Dienstleistungs-GmbH als Tochterunternehmen auf einem Vermögen gesessen, das er gar nicht hätte haben dürfen. Die Erzielung von Gewinnen sei nicht Zweck des Vereins. Das Geld sei nicht verschenkt, „sondern mit großem Bedacht unter Abwägung verschiedener Kriterien ausgegeben worden“, argumentierte Verteidigerin Lea Voigt.

Richter von Pflichtverletzung überzeugt

Das Geld werde über die Stiftungen für die Zwecke des Landvolks eingesetzt. „Wir haben keinen Zweifel, dass Herr Lampe mit den Spenden gegen seine Pflicht zur Vermögensbetreuung verstoßen hat“, betonte dagegen der Vorsitzende Richter Markus Tittel. Bei Geschäften über 5.000 Euro hätte es der Zustimmung der Gesellschafterversammlung bedurft.

„Das gilt auch für Spenden“, argumentierte Tittel. Auf besonders schwere Fälle erkannte das Gericht jedoch nicht. Die Beweisaufnahme habe nur ergeben, dass Bergmann von der Millionenspende im Vorfeld gewusst habe. Deshalb wurde er auch nur bei dieser wegen Beihilfe verurteilt. Er hatte die Gesellschafter nicht über Lampes Absichten informiert.

Bergmann will Rechtsmittel einlegen

Berücksichtigt wurde beim Strafmaß unter anderem, dass Lampe die 1,1 Millionen Euro aus seinem Vermögen erstattet hatte und dass die Taten mittlerweile fast neun Jahre zurückliegen. Während Wilhelm Bergmann außerhalb der Sitzung bereits ankündigte, dass er Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen werde, untersagte Lothar Lampe seinen Anwälten, sich gegenüber der Presse zu äußern.

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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