Bei rund 12.000 Impfungen

„Unter fünf“ vernichtete Impfdosen

Hier geht es lang: In der Bassumer Klinik ist das Impfzentrum des Landkreises Diepholz eingerichtet.
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Hier geht es lang: In der Bassumer Klinik ist das Impfzentrum des Landkreises Diepholz eingerichtet.

Die Liberalen hatten um schnelle Antworten gebeten – und die bekamen sie. Innerhalb weniger Stunden hat Landrat Cord Bockhop eine Anfrage der FDP-Kreistagsfraktion zum Thema Corona-Impfungen beantwortet. „Wir nehmen wahr, dass auch im Landkreis Diepholz viele Menschen über die Organisation der Impfungen sehr verärgert und damit stark verunsichert sind“, begründet Fraktionschef Rolf Husmann den Fragenkatalog.

Nachfolgend der Dialog zwischen den Liberalen und dem Landrat.

Welche Impfstoffe werden im Landkreis Diepholz verimpft?

Cord Bockhop: Im Landkreis Diepholz werden alle vom Land Niedersachsen zur Verfügung gestellten Impfstoffe verimpft. Zurzeit sind dies die Impfstoffe der Hersteller BioNTech und AstraZeneca und in sehr kleinen Mengen der Impfstoff von Moderna. Sobald weitere Impfstoffe zugelassen werden und geliefert wurden, werden diese ebenfalls verimpft.

Wie viel vergebene Impftermine werden von den betroffenen Personen nicht wahrgenommen?

Bei täglich mehreren hundert Impfungen werden nur wenige Einzeltermine nicht wahrgenommen. Lediglich an dem Tag, an dem die Verkehrsverhältnisse aufgrund von Schnee und Eis sehr schwerwiegend beeinträchtigt waren, kam es zu einer nennenswerten Zahl von geschätzt 30 bis 50 Personen, die den Impftermin nicht oder völlig verspätet wahrgenommen haben.

Aufgrund der geringen Anzahl von Personen, die zumeist auch einen Kontakt zur Absage des Termins suchen, weil zum Beispiel Erkrankungen oder dergleichen als Hinderungsgrund vorliegen, lässt sich eine individuelle Lösung finden. Leider kommt bei diesem Personenkreis auch der Todesfall als Ursache für eine Nichtwahrnehmung des Impftermins in Einzelfällen in Betracht.

Gibt es einen Unterschied in der Anzahl der nicht wahrgenommen Impftermine in Abhängigkeit vom angebotenen Impfstoff? (Biontec oder Astrazeneca)

Ein relevanter Unterschied in der Anzahl der nicht wahrgenommenen Impftermine in Abhängigkeit vom angebotenen Impfstoff ist mir nicht bekannt. Hierbei ist zu beachten, dass es sich bei den zentral vergebenen Impfterminen um Personen handelt, die sich um einen Impftermin selbst bemüht haben, und dass die meisten Pflegeeinrichtungen, Arztpraxen usw. vermutlich auch nur impfwillige Beschäftigte benennen.

Inwieweit am Ende der Impfkampagne Personen sich nicht um einen Impftermin bemüht haben, weil sie gar nicht geimpft werden wollen oder nicht mit einem bestimmten Impfstoff geimpft werden wollen, kann noch nicht eingeschätzt werden.

Wird festgehalten, welche Personen eine Impfung mit dem Astrazeneca Impfstoff abgelehnt haben und bekommen diese Personen ein zweites Impfangebot, ggf. mit einem mRNA Impfstoff?

Eine weitere Listung mit Personen, die einen bestimmten Impfstoff abgelehnt haben existiert nach meiner Kenntnis nicht. Solange die Impfstoffe so knapp sind, besteht nicht die Möglichkeit, einen anderen Impfstoff zu wählen.

Wie wird mit Impfdosen umgegangen, die am Ende des Tages nicht vergeben werden konnten? Gibt es beispielsweise eine Liste von Personen der nächsten Impfgruppen, die dann kurzfristig kontaktiert werden können?

Für Restimpfdosen am Ende eines Impftages bestehen Listen. Wenn in der Vergangenheit zunächst bei Feststellung solcher restlichen Impfdosen am Ende des Impftages begonnen wurde diese Personen zu mobilisieren, besteht nunmehr eine kurze Nachrückerliste, da es sich ja bei den Restimpfdosen lediglich um ein bis fünf Restimpfdosen handeln kann. Diese Personen werden bereits im Laufe des Tages angerufen und darauf vorbereitet, dass es zu einer kurzfristigen Kontaktierung kommen könnte.

Diese Vorgehensweise soll die Effizienz noch einmal erhöhen. Trotzdem kann es im Einzelfall immer wieder auch zu einer notwendigen Improvisation kommen, die dazu führt, dass auch noch einmal kurzfristig eine einzelne Person kontaktiert werden muss.

Gibt es im Landkreis Fälle, wo Impfstoffe vernichtet werden mussten?

Fälle, in denen Impfstoffe vernichtet werden mussten, sind zu vermeiden, aber nie ganz auszuschließen. Ob eine einzelne Impfstoffdose bei den mittlerweile etwa 12 000 Impfungen doch „zu Boden gefallen ist“ oder aufgrund eines Missverständnisses oder zum Beispiel menschlichen Versagens bei der Nachrückerterminorganisation liegen geblieben ist und deshalb aufgrund eventuell. nicht ordnungsgemäßer Handhabung vernichtet werden musste, kann niemand ausschließen. Die Anzahl dürfte aber deutlich unter fünf Impfdosen liegen. Inzwischen ist jedoch auch eine Routine des Ablaufes entstanden, die solche anfänglichen, theoretischen Fehlerquellen verringert.

Vor dem Hintergrund der verschiedenen Alterszulassungen: Werden die mRNA Impfstoffe ausschließlich an Personen vergeben, die bereits über 80 Jahre alt sind oder auch an berechtigte Berufsgruppen?

Der sogenannte mRNA Impfstoff wird auch an berechtigte Berufsgruppen ausgegeben. So wurde zum Beispiel in Senioreneinrichtungen neben den über 80-jährigen Bewohnern auch das entsprechende Pflegepersonal mit dem gleichen Impfstoff durch die mobilen Impfteams geimpft.

Dies liegt nicht zuletzt auch daran, dass zu Beginn der Impfkampagne nur ein Impfstoff zur Verfügung stand. Mittlerweile wird der Impfstoff von BioNTech und Moderna grundsätzlich für die Gruppe der über 80-Jährigen eingesetzt. Der Impfstoff von AstraZeneca wird für Beschäftigte eingesetzt, da diese regelmäßig ein Alter von unter 65 Jahren aufweisen.

Wie erreicht der Landkreis die in der Impfgruppe 2 genannten Berufsgruppen?

Das Land Niedersachsen hat den Übergang auf die Impfberechtigen mit hoher Priorität (2. Priorität) bisher ausschließlich für den Impfstoff von AstraZeneca und ausschließlich für Menschen, die in Kindertagesstätten in der Kindertagespflege, in Grund- und in Förderschulen tätig sind, freigegeben. Die in der Impfgruppe 2 genannten Berufsgruppen werden direkt angesprochen und zwar innerhalb ihrer beruflichen Lokalität. Beispielsweise werden uns Arztpraxen von den Kassenärztlichen Vereinigungen mit Anschriften und Kontaktmöglichkeiten benannt.

Wie erreicht der Landkreis die impfberechtigten chronisch kranken Menschen?

Der Landkreis Diepholz erreicht einzelne Personen, die nicht einer bestimmten Altersgruppe oder Berufsgruppe angehören nicht. Hierzu liegen auch keine Daten vor. Es erscheint auch unzulässig, entsprechende Daten seitens des Landkreises zu sammeln. Vielmehr bedarf es einer Terminkoordination über die Hotline in Hannover, soweit es sich um Einzelpersonen ab 80 Jahre handelt.

In einer Mitteilung vom 2. März (abends) an die Landkreise hat das Land geregelt, dass „insbesondere auch Menschen mit chronischen Erkrankungen zurzeit noch kein Impfangebot gemacht werden kann“. Letztlich wird nur eine größere Impfmenge ab April beziehungsweise Mai helfen, wenn dann endlich die Haus- und Betriebsärzte einbezogen werden und innerhalb kürzester Zeit ähnlich dem System der Grippeschutzimpfung eine dezentrale Koordination durch die jeweilige Hausarztpraxis und durch Betriebsärzte stattfindet. Dies wird insbesondere auch den sich anschließenden Kreis von zu impfenden Personen der 3. und 4. Priorität betreffen.

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