Großer Andrang beim „Tag der offenen Tür“

Überwältigendes Interesse an der neuen Feuerbestattungsanlage

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Viele Gäste nahmen gestern die Räume der neuen Feuerbestattungsanlage an der Dieselstraße in Augenschein.

Diepholz - Genau gezählt hat es keiner, wie viele Besucher zum „Tag der offenen Tür“ am Sonntag ins neueröffnete Krematorium an der Dieselstraße in Diepholz gekommen waren, aber es waren beeindruckend viele.

Über sechs Stunden lang herrschte eine ständiges „Kommen und Gehen“. Hunderte Interessierte – geschätzt waren es in der Summe wohl über 1.000 – besuchten den Neubau an der Dieselstraße, verschafften sich ihr eigenes Bild von den Räumen und stellten viele Fragen.

Am Nachmittag reichte die Reihe der geparkten Besucher-Autos vom Schützenplatz bis hin zur Maschstraße. Das Interesse war offenkundig.

Nicht nur die beiden Geschäftsführer des Betriebes „Die Feuerbestattungen Diepholz“, Lars und Olaf Kaesemeier, sondern die ganze fünfköpfige Belegschaft stand den Besuchern Rede und Antwort. Die Gäste konnten Trauerraum, Cafeteria, Ofen und die Filtertechnik in Augenschein nehmen.

Besucher hatten Fragen praktischer Natur

„Überwältigend“, so bezeichneten die beiden Brüder den Besucherandrang auf ihrem Gelände. Um 11 Uhr sollte der „Tag der offenen Tür“ beginnen, um 10.30 Uhr standen die ersten Besucher vor der Tür, seitdem sei er „aus dem Reden nicht mehr herausgekommen“, berichtete Lars Kaesemeier am Nachmittag etwas erschöpft aber doch zufrieden. „Aber so sollte es ja auch sein. Wir wollten den Menschen zeigen, was wir hier machen.“

Die Fragen, die ihm gestellt wurden, waren oft praktischer Natur: Wie wird vermieden, dass die Asche verwechselt wird? Was geschieht mit Zahngold und Protesen? Wie wird der Prozess überwacht? Wie hoch sind die Kosten?

Lars und Olaf Kaesemeier hatten sich zu Kremationstechnikern ausbilden lassen und sich mit dem Krematorium selbstständig gemacht. Die Feuerbestattungsanlage, die nach Angaben der Betreiber mehr als 2,5 Millionen Euro gekostet hat, war am Samstag mit geladenen Gästen offiziell eröffnet worden.

Es sei ein langer Weg gewesen, blickten Olaf und Lars Kaesemeier in ihren Eröffnungsworten auf den rund dreijährigen Prozess von der Idee bis zur Realisierung des Neubaus zurück. Sie dankten den Unterstützern, den Bau- und Planungsfirmen, der Stadt Diepholz, den Geldgebern und der Politik („CDU und FDP haben Wort gehalten“).

Ein Dank ging auch an die Bestatter „der ersten Stunde“, also an diejenigen, die bereits in den ersten Wochen mit dem jungen Unternehmen zusammengearbeitet haben. Aufgezählt wurden mehr als ein Dutzend Betriebe aus dem Landkreis Diepholz, aber auch aus dem Südoldenburger Münsterland bis hin nach Haselünne.

Bestattungskultur ändert sich

„Der Tod gehört zum Leben“, sagte Bürgermeister Dr. Thomas Schulze in seinem Grußwort, gleichwohl rufe die Auseinandersetzung damit auch gemischte Gefühle hervor. Es habe im Rat Diskussionen gegeben, „die wir bis dahin noch nicht hatten“. Dass es Meinungsverschiedenheiten gebe, das sei auch ganz normal, aber bei allen unterschiedlichen Standpunkten sei es wichtig, schließlich eine Position zu finden, und diese dann verbindlich beizubehalten – auch mit Blick auf die Investoren.

Die Kultur der Bestattung habe sich geändert, stellte Schulze fest, darauf gelte es zu reagieren. Die Stadt habe diese mit dem Angebot für neue Bestattungsformen auf dem Friedhof getan.

„Sie haben hier ein gutes Projekt realisiert“, bescheinigte Prof. Dr. Klaus Püschel, Facharzt für Rechtsmedizin und Institutsdirektor am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, als Festredner am Samstag und lobte die „positiven Betreiber“ der Anlage. Sie sei „eines der schönsten Krematorien im norddeutschen Raum“.

In seinem Vortrag zu allgemeinen Fragen der Rechtsmedizin hielt er unter anderen einen eindrucksvolles Plädoyer für eine gründliche Leichenschau. Man gebe in der Medizin große Summen für verschiedenste Checks aus, sagte der Gast aus Hamburg. Eine normale Leichenschau koste 70 bis 80 Euro, da könne man nicht allzu viel erwarten.

Dabei könnten Erkenntnissen aus diesen Untersuchungen wertvolle Hinweis auch für die Lebenden ergeben, beispielsweise, was Berufskrankheiten und den Pflegebereich betrifft. Püschel: „Es gehört zur Würde dazu, Tote gründlich zu untersuchen.“

sr

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