Fachdienstleiter legt aktuelle Zahlen vor

Blitzer-Einnahmen im Kreis summieren sich 2018 auf mehr als zwei Millionen Euro

Rund 2,235 Millionen Euro hat der Landkreis Diepholz im Jahr 2018 eingenommen. Und dass, obwohl eine der fünf stationären Anlagen kein Geld einbrachte, eine weitere nur einen Ertrag on Höhe von 800 Euro auswies und eine dritte das ganze Jahr über defekt war.

Landkreis Diepholz - Rund 2,235 Millionen Euro. So viel hat der Landkreis Diepholz im vergangenen Jahr an Einnahmen durch Verkehrssünder erzielt. Genauer: durch Temposünder. Was erst einmal nach einem großen Betrag klingt, ist im Vergleich zu den Nachbarkreisen jedoch noch human, wie Wolfgang Nogga betont.

Er ist beim Landkreis Fachdienstleiter für den Bereich Straßenverkehrswesen. In rund 38.000 Fällen haben er und seine Kollegen 2018 Verwarn- und Bußgelder eingezogen.

Erfasst werden die Geschwindigkeitsüberschreitungen über drei verschiedene Wege. Neben den neun stationären Anlagen im Landkreis werden auch über drei mobile Blitzvorrichtungen und die Polizei Temposünder erfasst. Letztere trug über seine Streifendienste rund 800.000 Euro zu den Bußgeldeinnahmen bei. Doch auch die stationären Anlagen weisen hohe Beträge und vor allem große Unterschiede auf.

Während die fest montierte Blitzeranlage in Wetschen mit 480.000 Euro an Strafgeldern klar führt, folgen die Messstelle an der B 6 in Bruchhausen-Vilsen mit 330.000 Euro und der Blitzer in Barver mit lediglich 26.000 Euro. Schlusslicht ist die Anlage in Maasen mit 800 Euro. Der überwiegende Teil der neun Messstellen befindet sich an Ortsein- oder ausgängen.

Defekte kommen öfters vor

Für die stationären Stellen in Ehrenburg und Kirchweyhe sind in Noggas Statistik jeweils null Euro ausgewiesen. Während die Weyher Anlage defekt war, wurde in Ehrenburg nur selten eine Kamera installiert. Das komme immer mal wieder vor, so der Fachdienstleiter. Während ein nicht scharf gestellter Blitzer ebenfalls oft seine Wirkung entfaltet, sind auch Defekte keine Seltenheit. Über drei sogenannte Induktionsschleifen im Asphalt werden die Überfahrzeiten der Reifen erfasst und anschließend miteinander verrechnet. Diese Induktionsschleifen müssen regelmäßig geeicht werden. Immer mal wieder komme es dann vor, wie kürzlich passiert, dass das Eichamt eine Induktionsschleife nicht mehr korrekt einstellen kann. Dann muss die Straße aufgerissen werden und die Induktionsschleifen erneuert werden, so Nogga. Ein Prozess, der Geld und Zeit kostet - also einer gewissen Vorbereitung bedarf.

Trotz einiger Ausfälle kam im Landkreis Diepholz eine stattliche Summe zusammen. Mit den knapp über zwei Millionen Euro stehe man jedoch im Vergleich zu den Nachbarkreisen gut da, so Nogga. Andere Kreisen hätten deutlich mehr Blitzer, so Nogga. Auch sei die Anzahl der Fälle im Vergleich zu den Vorjahren „relativ konstant“, einige festinstallierte Blitzer würden sogar jedes Jahr fast exakt die gleiche Summe an Bußgeldern einbringen.

„Wir fühlen uns nicht als Raubritter“

Wenn so viele Menschen regelmäßig in die Blitzanlagen rasseln: Sind sie dann vielleicht einfach ziemlich unfair platziert? „Wir fühlen uns nicht als Raubritter“, stellt Wolfgang Nogga klar. Er und seine Kollegen würden die stationären Blitzer und auch die mobilen Einheiten nur an Unfallschwerpunkten aufstellen. Neben Hinweisen von der Polizei werden auch Wünsche aus der Bevölkerung für Messstellen angenommen.

Zusätzlich zu den neun festen Plätzen überwacht der Landkreis an rund 350 Stellen stichprobenartig den Verkehr. Darunter Straßen an Schulen, Krankenhäusern oder anderen sensiblen Verkehrsbereichen. Neben zwei Autos mit lasergestützten Blitzern ist auch eine moderne, neue Blitzanlage im Einsatz, die deutlich einfacher zu installieren ist, erklärt der Fachdienstleiter.

Überschuss von gut einer Million Euro

Wer jetzt denkt, dass der Landkreis mit den Blitzern zwei Millionen Euro Gewinn gemacht hat, der liegt falsch. Den Einnahmen müsse man auch immer die Ausgaben gegenüberstellen, erklärt er. Am Ende stehe immer ein Überschuss von gut einer Million Euro, der in Projekte der Verkehrssicherung, wie Fahrsicherheitstrainings für Junge und Senioren und die Radfahrausbildung an Grundschulen fließe.

Dennoch: Was am Ende bleibt, ist die Wut vieler Autofahrer, wenn es ihnen auf einmal rot entgegenblitzt. Muss die Kontrolle wirklich sein? „Sonst hätten wir Wildwest“, ist sich Nogga sicher. Knapp 4800 Unfälle, von denen eine auffällig hohe Anzahl auf Geschwindigkeitsübertretungen zurückzuführen sind, gebe es etwa pro Jahr im Landkreis Diepholz, rechnet Nogga vor. Darunter auch viele mit Todesfolgen.

Im nächsten Monat stellt die Polizei wieder ihre jährliche Unfallstatistik vor. Dann wird sich zeigen, ob die Blitzanlagen und die Bußgelder etwas gegen die Bleifüße der heimischen Autofahrer ausrichten konnten.

Rubriklistenbild: © Guido Menker

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