Tumore im Gesicht sind häufig an der Tagesordnung

Medizinstudent Marcel Malan berichtet von seinem Praktikum in Indien

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Sammelten wertvolle Erfahrungen in Indien: Der Diepholzer Medizinstudent Marcel Malan (links) mit seinem Studienfreund Marius Hagen (rechts) und einem indischen Chirurgen. 

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Tumore im Gesicht – in Europa sehr selten – sind in Indien häufig. Aber nicht nur mit anderen Krankheitsbildern sowie anderen medizinischen und hygienischen Bedingungen machte Marcel Malan seine Erfahrungen. Der Medizinstudent aus Diepholz absolvierte seine Famulatur – ein vorgeschriebenes vierwöchiges Praktikum – im Padhar Hospital in Padhar im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh.

„Die Idee kam durch meinen Professor Thomas Kreusch, der jährlich ehrenamtlich für eine Woche in diesem Krankenhaus Kinder mit Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten operiert“, berichtet Marcel Malan. Der Diepholzer, der 2012 an der Graf-Friedrich-Schule sein Abitur machte, reiste mit seinem Studienfreund Marius Hagen nach Indien.

In dem kleinen Krankenhaus in einem Dorf durften die deutschen Studenten am OP-Tisch assistieren und waren in Behandlungen von Patienten involviert. Ein großer Unterschied zu Deutschland waren die hygienischen Zustände. Im Operationsbereich standen zwei OP-Tische in einem Raum, an denen häufig parallel operiert wurde – mit dazwischen stehenden Ventilatoren.

„Geschlafen haben wir in einem Bungalow in der Nähe des Krankenhauses“, erzählt Marcel Malan, „die Einwohner des Dorfes haben uns sehr herzlich empfangen und häufig zu sich nach Hause eingeladen.“

Spenden für Patienten

Der 23-jährige Diepholzer studierte zunächst in Budapest an der Semmelweis-Universität, wechselte dann an den Asklepios Campus Hamburg, eine Niederlassung der Medizinischen Fakultät der ungarischen Semmelweis Uni. Zwei seiner Hamburger Kommilitoninnen waren einen Monat vor Malas Aufenthalt in Indien in Padhar gewesen. Zu viert sammelten sie danach ein Semester lang in Hamburg Spenden, indem sie Süßigkeiten in der Uni verkauften und Pfandflaschen zusammentrugen. Der Erlös wurde vom Uni-Geschäftsführer verdoppelt.

„So kamen wir am Ende auf eine Summe von 49 000 Rupien, dies entspricht etwa 680 Euro. Diese Summe ging in den Good Samaritan Fund. In diesen Spendentopf zahlen alle Angestellten des indischen Hospitals einen kleinen Prozentsatz ihres Gehalts ein. Ärzte können dort direkt Geld beantragen für den Fall, dass einer ihrer Patienten aufgrund seiner Armut eine Operation nicht bezahlen kann“, erklärt der angehende Arzt. Die von Marcel Malan und seinen drei Mitstudierenden gesammelte Summe entspricht etwa den Kosten für eine große Operation dort.

Zwischen Ayurveda und Schulmedizin

Operiert werden häufig Tumore im Gesicht- und Halsbereich. Manche waren nach außen durchgewachsen, berichtet der Student: „Es gab eine 24-jährige Frau, der man daraufhin das halbe Gesicht neu gestalten musste.“

Die Mundbodentumore häuften sich in Indien so extrem, weil die Menschen viel Tabak kauen würden, erklärt Marcel Malan.

Eine Gesundheitsversicherung sei in Indien im Prinzip nicht vorhanden – nur für Leute mit Geld. Malan: „Es gibt zwei Arten von Medizinern dort, einmal den Ayurveda-Mediziner und den normalen Arzt. Die Menschen gehen meist erst zum Ayurveda-Mediziner und lassen dort schon viel Geld liegen. Vor allem in der Tumorbehandlung bringt das recht wenig, sodass der Tumor fortschreitet. Wenn die Menschen dann in der Klinik landen, haben sie oft schon kein Geld mehr für die Operation.“

Marcel Malan will sich in seiner Ausbildung als Arzt auf die Chirurgie spezialisieren, möglicherweise auf Rekonstruktions-Chirurgie. Die Fachrichtung seines Vater Dr. Dariusz Malan möchte er nicht einschlagen: Dieser ist Gynäkologe in Diepholz.

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