Gerangel auf dem Brockumer Markt

Tritt gegen Polizeibeamten: 750 Euro Schmerzensgeld

Diepholz/Brockum - Eine Gerichtsverhandlung, die ihren Ausgangspunkt im November 2014 hatte, fand jetzt vor dem Diepholzer Amtsgericht ein Ende.

Seinerzeit kam es auf dem Brockumer Markt zu einem Gerangel, in deren Verlauf zwei Polizeibeamte Verletzungen im Gesicht und am Oberkörper davontrugen. 2017 wurden zwei Frauen und ein Mann aus der Samtgemeinde Altes Amt Lemförde deswegen zu Geldstrafen und Zahlung von Schmerzensgeld verurteilt.

Davor war am 14. November 2016 der Prozess geplatzt, weil ein wichtiger Zeuge nicht erschienen war. Und um diesen Termin ging es in der jetzigen Verhandlung vor dem Amtsgericht Diepholz, denn beim Rausgehen aus dem Gerichtssaal soll eine der verurteilten Frauen aus der Samtgemeinde Altes Amt Lemförde einem Polizeibeamten durch einen Fußtritt Verletzungen am Oberschenkel zugefügt haben.

Der 54-jährige Beamte berichtete, dass er völlig überrascht worden sei, weil die Attacke von hinten gekommen sei. „Ich befürchtete einen weiteren Angriff, mit so was hätte ich nie gerechnet. Als ich mich umdrehte, sah ich die Frau, hob meine Hände und wehrte sie ab.“ Der Beamte begab sich in ärztliche Behandlung. Dabei wurden Hautabschürfungen und ein Hämatom diagnostiziert und seine Arbeitsunfähigkeit festgestellt: „Ich hatte noch eine Woche Schmerzen.“ Die 49-jährige Angeklagte bestritt den Fußtritt: „Ich war damals sehr aufgeregt. Ich bin gestolpert, da drehte er sich um und schubste mich an der Schulter.“

Mehrfach wurden Fotos aus der Ermittlungsakte am Diepholzer Richtertisch besichtigt. Weiterhin wurden die Schuhe der Angeklagten, die sie auch am Tattag getragen haben will, von den Beteiligten betrachtet und begutachtet. Es fand sogar ein kurzer „Lokaltermin“ statt. Das war problemlos, weil sich der Tatort auf dem Flur unmittelbar hinter der Tür des Gerichtssaals befand.

Die Beweisaufnahme wurde verkürzt, weil die Staatsanwältin im Sinne der „Herstellung des Rechtsfriedens“ eine Lösung vorschlug, die darin bestehen könnte, dass die Angeklagte ein Schmerzensgeld an den verletzten Polizeibeamten zahlt, der als Nebenkläger aufgetreten war. Daran schlossen sich Beratungen des Nebenklägers mit seiner Anwältin Susanne Tölke und dem Verteidiger der Angeklagten, Rechtsanwalt Thomas Rehme, an.

Überraschend kam zu einem Übereinkommen, denn man einigte sich auf 750 Euro Schmerzensgeld, das die Angeklagte an den Polizeibeamten zu zahlen bereit war. Nachdem die Modalitäten geklärt worden waren, stellte die Richterin Sabine Fuhrmann-Klamt das Verfahren vorläufig ein. Nach Zahlung der ausgehandelten Summe zur „Schadenswiedergutmachung“ und der Übernahme der Kosten für die Nebenklage werde das Verfahren endgültig eingestellt.

Geht man von den eisigen Minen und der Körpersprache der Kontrahenten nach dem Urteilsspruch aus, kamen beim Prozessbeobachter Zweifel auf, ob man tatsächlich von „Rechtsfrieden“, den die Staatsanwaltschaft anstrebte, sprechen kann. Sicher dürfte sein, dass jetzt Ruhe einkehrt. - pz

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa-avis

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