Ungewöhnlich hoher Wasserverbrauch

„Trinkt das Wasser lieber, als damit den Rasen zu sprengen“

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Das Wasserwerk in Ristedt ist an heißen Tagen wie Ende Mai zu 80 Prozent ausgelastet.

Landkreis - Von Michael Walter. Stell dir vor, du stehst unter der Dusche und bleibst trocken. Vor dieser Situation standen am vergangenen Wochenende zahlreiche Bewohner im Landkreis Stade.

Wie der NDR berichtet, sei dort in Teilen der Samtgemeinde Harsefeld kein Wasser mehr aus dem Hahn gekommen. Sind angesichts der anhaltenden Trockenheit und hochsommerlicher Temperaturen solche Wasser-Engpässe auch bei uns möglich?

Möglich ja – wahrscheinlich nicht, lautet verkürzt die Antwort der örtlichen Wasserversorger. Es gibt keinen grundsätzlichen Mangel an Trinkwasser, es wird nur ungewöhnlich viel verbraucht. Irgendwann ist dann der Punkt erreicht, an dem mehr verbraucht wird, als die Wasserwerke fördern können.

Pumpen laufen unter Voll-Last

Anders ausgedrückt: Es ist zwar genug Wasser da, es kommt nur nicht schnell genug nach. Ein technisches Problem. „Mehr als 100 Prozent kann eine Pumpe nicht fördern“, sagt Bianca Lekon, die Pressesprecherin des Wasserversorgers EVB Huntetal aus Diepholz. Deren Wasserwerke in St. Hülfe und Wagenfeld beliefern insgesamt etwa 16.000 Kunden mit Trinkwasser. Und beide laufen aktuell unter Voll-Last.

In Syke, Weyhe und Stuhr versorgt der Wasserbeschaffungsverband Syker Vorgeest etwa 35.000 Haushalte. „Wir merken noch so gut wie nichts von einem Engpass“, sagt der technische Leiter Sascha Seekamp. Lediglich zwei Anrufer hätten berichtet, bei ihnen sei am Wochenende für eine halbe Stunde nur sehr wenig Wasser aus der Leitung gekommen. „Das kann aber viele Ursachen haben“, sagt Seekamp. „Netzhydraulik ist kompliziert.“

Trinkwasser gibt’s im Landkreis Diepholz genug – auch auf lange Sicht. Es kann aber passieren, dass in Spitzenzeiten mehr verbraucht wird, als nachkommt. Das ist laut der Wasserversorger aber kein Problem knapper Ressourcen, sondern begrenzter technischer Kapazitäten.

Der Verband Syker Vorgeest bezieht sein Trinkwasser von den Harzwasserwerken. Ein Teil kommt aus dem Wasserwerk in Ristedt, der andere Teil aus Liebenau. „Liebenau läuft im Moment unter Voll-Last, Ristedt liegt bei 80 Prozent“, sagt Pressesprecherin Marie Kleine. In Mengen ausgedrückt, sind das etwa 700 Liter pro Sekunde.

Speicher laufen nachts wieder voll

Das fertig aufbereitete Trinkwasser wird in Speicherbehälter gepumpt und von dort ins Netz abgegeben. Tagsüber, wenn der Verbrauch hoch ist, leeren sich diese Speicher. Nachts laufen sie wieder voll. Ist der Verbrauch ungewöhnlich hoch, wie in den letzten Tagen und Wochen auf Grund der Hitze, kann es passieren, dass die Speicher über Nacht nicht mehr ausreichend gefüllt werden.

„Wenn die Speicher leer sind, wird das Wasser direkt aus der Aufbereitung ins Netz eingespeist“, erklärt Gunnar Meister, der Pressesprecher des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV). „Dann sind Druckschwankungen möglich.“

Wassermangel werde es nicht geben

Der OOWV versorgt im Landkreis Diepholz etwa 16.000 Hausanschlüsse in Bassum, Twistringen, Stuhr und in Teilbereichen von Syke. Er betreibt 15 Wasserwerke und beliefert insgesamt etwa 1,1 Millionen Kunden (und damit etwa halb so viele wie die Harzwasserwerke). Auch er registriert derzeit einen deutlich gestiegenen Wasserverbrauch. „Letzten Samstag gaben unsere Pumpwerke insgesamt als 301.153 Kubikmeter ab. „Rund 80.000 mehr als an durchschnittlichen Tagen“, so Meister. „Das merken wir natürlich.“

Meister betont: „Das Wasser geht nicht aus!“ Er empfiehlt aber, sorgsam damit umzugehen und rät: „Trinkt das Wasser lieber, als damit den Rasen zu sprengen.“

Nachhaltigkeit

Vom 30. Mai bis 5. Juni wurde die Europäische Nachhaltigkeitswoche (ESDW) begangen. Diese europaweite Initiative hat zum Ziel, Aktivitäten, Projekte und Veranstaltungen, die zur nachhaltigen Entwicklung beitragen, sichtbarer zu machen. Daher stellen wir einige Aktivitäten von Kommunen und Bürgern im Landkreis Diepholz vor, die Nachhaltigkeit im Alltag umsetzen – oder eben nicht. Nachhaltig leben ist eine Herausforderung. Hier geht es zur Übersicht

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