„Traurig und unsensibel“

Sankt Hülfe: Anwohner wehren sich gegen Baumfällung

+
Mit ihrem Protest haben Anwohner vom Rabbenweg in Sankt Hülfe eine Baumfäll-Aktion gestoppt.

Diepholz – Dienstagmorgen, 7.30 Uhr: Die Motorsäge heult, die schweren Arbeitsgeräte stehen im ersten Morgenlicht bereit und wenn alles plangemäß verläuft, dann haben die Arbeiter vermutlich im Laufe des Tages ihr Werk erledigt.

Aber die Anwohner des Rabbenweges und angrenzender Straßen in Sankt Hülfe haben etwas dagegen, dass eine Reihe von etwa 30 stattlichen Eichen – alle schätzungsweise 80 bis 100 Jahre alt – gefällt werden sollen, die dort am Rande einer privaten Wiese auf einer Strecke von etwa 100 Metern stehen. Trotz andauernden Regens protestieren sie gegen das Baumfällen und sprechen von einer „traurigen und unsensiblen Aktion“.

Die Wiese solle mittelfristig zu Bauland werden, da stünden die Bäume wohl „im Weg“, mutmaßen die Anwohner.

Etwa ein halbes Dutzend Bäume fällt krachend zu Boden, zum Teil ironisch-hönisch beklatscht von den Umstehenden. „Das ist Sachbeschädigung!“, ruft einer.

Wenige Minuten nach Beginn der Fällung trifft ein Vertreter der Stadt Diepholz ein, kurz danach eine Streifenwagenbesatzung der Polizei – die Aktion schlägt Wellen und die Säge hat fortan erst einmal Pause.

Für den Landkreis Diepholz als Untere Naturschutzbehörde kommt wenig später Detlef Tänzer, Fachdienstleiter Kreisentwicklung, hinzu und erklärt, dass es vor der Fällung eine artenschutzrechtliche Prüfung geben müsse. „Ein Biologe muss sich die Sache ansehen“.

Damit ist die Fällaktion für diesen Tag beendet, die Arbeiter können ihre Geräte vorerst einpacken, „Es gibt Schlimmeres“, sagt einer von ihnen schulterzuckend. „Wir wollen ja auch nichts Ungesetzliches tun.“

Die Besitzerin des Grundstücks, die nicht in Diepholz wohnt, habe sich um die Standfestigkeit der Bäume Sorgen gemacht, nachdem ein großer Ast abgebrochen sei, berichtet ein Anwohner. Doch dass die Eichen altersschwach oder morsch sind, das will von den Protestierern keiner so recht glauben. „Die Vitalität der Eichen ist ganz in Ordnung“, befand auch Detlef Tänzer. Selbst nach dem trockenen Sommer seien die Bäume bis in die feinsten Verästelungen in gutem Zustand.

Ob man es letztlich ganz verhindern kann, dass die Bäume auf privatem Grund gefällt werden, das darf bezweifelt werden. Aber die, die am Dienstag gegen die Aktion protestierten, hatten nicht nur die Eichen vom Rabbenweg im Sinn: „Wie immer die Rechtslage sein mag, stellt sich die Frage, warum es angesichts aller Klimaschutzbemühungen des Stadtrates in Diepholz immer noch keine Baumschutzsatzung gibt“, so Anwohner Sasa Krec. „Dies wäre doch endlich mal eine konkrete Maßnahme zum Klimaschutzkonzept der Stadt Diepholz.“ „Es wird Zeit, dass man sich in Diepholz darüber Gedanken macht“, meinte auch Nachbar Manfred Redetzky.

Ähnlich sah es SPD-Ratsherr Ingo Estermann, der sich am Morgen ebenfalls am Rabbenweg über den Sachverhalt informierte. Der Rat werde noch in diesem Jahr über das Thema Baumschutzsatzung beziehungsweise -kataster sprechen, kündigte er an.

Die Anwohner hatten erst per Zufall am Vorabend erfahren, dass die Bäume am nächsten Morgen fallen sollten. Dazu ist es jetzt erst einmal nicht gekommen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Trump: Türkei verkündet dauerhafte Waffenruhe in Nordsyrien

Trump: Türkei verkündet dauerhafte Waffenruhe in Nordsyrien

Schnuffi - verzweifelt gesucht

Schnuffi - verzweifelt gesucht

Tui setzt auf eigene Hotels und Ausflüge

Tui setzt auf eigene Hotels und Ausflüge

Der Fassmacher vom Burgenlandkreis

Der Fassmacher vom Burgenlandkreis

Meistgelesene Artikel

19-Jährige will Klimaschutz-Bewegung in Barnstorf gründen

19-Jährige will Klimaschutz-Bewegung in Barnstorf gründen

Geballte gute Laune der Majestäten und Gefolge

Geballte gute Laune der Majestäten und Gefolge

Hunderte Landwirte aus dem Kreis Diepholz auf den Straßen: „Die haben uns unterschätzt“

Hunderte Landwirte aus dem Kreis Diepholz auf den Straßen: „Die haben uns unterschätzt“

Wahl-Diskussion in Weyhe: Vier Bewerber wollen Nachfolger von Bovenschulte werden

Wahl-Diskussion in Weyhe: Vier Bewerber wollen Nachfolger von Bovenschulte werden

Kommentare