Generalprobe für die Abtanzbälle in der Tanzbar: Jugendliche üben moderne Tischsitten

Ob Tisch oder Parkett: Gelernt ist gelernt

Nützliche Tipps um Etikette und Tischsitten: Eine Generalprobe für die Abtanzbälle im Dezember feierten die Jugendlichen in der Tanzbar. Foto: Reckmann

Diepholz - Von Sven Reckmann. Ein Familienfest oder ein offizieller Empfang – die Situation ist festlich aber auch die protokollarischen Fettnäpfchen für den Gast lauern überall: Wann darf ich den ersten Schluck aus dem Glas nehmen, das mir am Eingang gereicht wurde? Welches Besteck nehme ich als erstes am Tisch? Und wo lasse ich eigentlich die Serviette, die auf dem Teller liegt? Fragen über Fragen, die wohl schon Generationen bei festlichen Anlässen, bei Bällen oder Empfängen bewegt haben.

Vermittler für solche „Benimmregeln“ sind seit jeher auch die Tanzschulen.

Bevor demnächst bei der heimischen Tanzschule Hoppenburg die Abtanzbälle über die Bühne gehen – drei davon in Diepholz – kamen jetzt die jungen „Kandidaten“ aus der Kreisstadt zum Zwischenball in der „Tanzbar“ zusammen. Er stand unter dem Motto „Tanzrausch statt Vollrausch“ und versprach ein alkoholfreies Fest mit modernen Tischsitten und Ballvorbereitung für den wertschätzenden Umgang miteinander.

Die etwa 70 Jugendlichen im Alter von 14 und 15 Jahren sind festlicher gekleidet als gewöhnlich, um an diesem Abend das Tanzen mit ungewohnten hohen Absätzen oder Ledersole zu üben, das „volle Programm“ beim Outfit mit Anzug und Ballkleid kommt dann erst zum Abtanzball, erklärt Tanzschul-Inhaber und „Coach“ des Abends, Marc Hoppenburg.

Nach Empfangssituation und erstem Tanz geht es zu Tisch und zu einem scheinbaren Wirrwarr von Tellern, Gläsern und Besteck:

„Bei mehreren Gängen die Bestecke von außen nach innen verwenden“, erklärt Hoppenburg den Fahrplan. Die Serviette gehört nicht in den Hemdkragen und sollte benutzt werden, bevor man das frischpolierte Glas in die Hand nehmen um unansehnliche Abdrücke zu vermeiden.

Sektflaschen öffnen, „das ist nicht wie bei der Formel 1“, erklärt Hoppenburg und erntet allgemeines Schmunzeln. Nein, es geht auch mit einer sanften Drehung und ohne „Dusche“.

Hürden auch beim Einschenken: Mit welcher Hand halte ich die Flasche, damit nichts über den Teller kleckert, und wo lasse ich den anderen Arm? Hoppenburg zeigt es beispielhaft. Beim Einschenken die Flasche nicht am Glas abstützen, das größte Glas ist das Rotweinglas.

Ganz schön viel zu beachten. Die Stimmung ist locker ab er auch konzentriert. Zur Ruhe ermahnen muss Hoppenburg an diesem Abend überhaupt nicht. „Ich habe nicht das Gefühl, dass sie sich langweilen.“

An diesem Abend läuft es ohne Alkohol. Beim Abtanzball kommt dann Alkohol in eingeschränkter Auswahl, also ohne harte Spirituosen dazu. „Jeder ist gefordert, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, die Jugendlichen und die Eltern“, sagt Hoppenburg. So gehe es am besten, den maßvollen Umgang zu üben.

Dann sind die Jugendlichen selbst dran, natürlich nicht mit Sekt, sondern mit Colaflachen. Es wird gedreht, korrigiert und gegossen, vermutlich haben sie sich noch nie so kompliziert Cola eingeschenkt wie heute. Aber es geht zu aller Erleichterung unfallfrei über die Bühne.

Auch wird an diesem Abend nicht nur „Luft“ gegessen: Es gibt Pizza, die diesmal nicht nur den Magen füllt, sondern auch Übungsobjekt dafür ist, wie viel (Arm-)Platz jedern beim Schneiden braucht (oder vielmehr: nicht braucht). Messer und Gabel sind nicht Degen oder Forke – wenn kein Platz zu den Tischnachbarn da ist, bleiben die Ellenbogen am Körper.

Die gute Botschaft des Abends für die „älteren Semester“: die Regeln, die sie zu ihrer Jugendzeit gelernt haben, sind offenbar zeitlos und haben immer noch ihre Gültigkeit. „Wer vor 20 Jahren gelernt hat, der ist heute nicht außen vor“, verspricht Hoppenburg.

Ausnahme: Blieb die Frau früher bei der Begrüßung am Tisch sitzen, so hat es sich mittlerweile durchgesetzt, dass sie aufsteht: „Die Geschlechter sehen sich in Augenhöhe. Da hat sich der Wertewandel durchgesetzt.“

Viele jungen Leute würden im Elternhaus nur noch selten mit Dingen wie Tischsitten konfrontiert, erklärt Hoppenburg. Aber irgendwann – sei es im Privaten oder im Beruf – ist es soweit, das erste Geschäftsessen oder das erste Familienfest steht ins Haus.

Bevor es soweit ist, steht nun nach der Generalprobe für die Diepholzer Tanzschüler der Debütantenball ins Haus: An insgesamt drei Abenden feiern Jugendliche zwischen 14 und 16 mit ihren Eltern und weiteren Gästen den Übergang in die Welt der Erwachsenen. „In festlicher Garderobe, mit Selbstvorstellung und Vorstellung des Partners, Small Talk und Sensibilisierung für das Jugendschutzgesetz in Bezug auf Alkohol“, wie es in der Ankündigung heißt.

Nachdem die Pizza regelgerecht zerteilt und verspeist ist, ist auch beim Zwischenball wieder etwas Bewegung angesagt: „Ein Walzer eröffnet den Abend tänzerisch“. Und schon drehen sich die Paare im Takt. Marc Hoppenburg ist zufrieden und er weiß aus Erfahrung: „Wenn Ihr das so schön macht, dann kommen der Mutti die Tränen.“

„Total gefallen“ hat es Samantha und Michelle. „Wenn man auf Hochzeiten ist oder Essen mit dem Geschäftspartner hat, muss man das ja auch können“, erklärt Michelle. „Das mit den Weingläsern – ich wüsste nicht, ob meine Eltern das auch wüssten“, meint Samantha lachend.

Tanzrausch statt Vollrausch:

Die Aktion „Tanzrausch statt Vollrausch“ hat der Allgemeine Deutsche Tanzlehrerverband vor Jahren auf den Weg gebracht, um jungen Menschen eine Alternative zum Rauschmittelkonsum zu bieten. Dazu schreibt er: Tanzen macht glücklich - manche sagen auch „high“ dazu. Dazu braucht es weder Alkohol noch Drogen, Tanzen selbst kann einen Rausch erzeugen. Und das erzeugt weder einen Kater noch andere Beschwerden. Teilnehmende ADTV-Aktionstanzschulen binden sich selbst an die Verpflichtung, zum Beispiel alkoholfreie Schülerkurse oder Jugendpartys anzubieten, bei denen auch die Tanzschul-Mitarbeitenden selbst keinen Alkohol trinken. Die Aktion steht unter der Schirmherrschaft der Drogenbeauftragten der Bundesregierung.

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