Vor 160 Jahren wurde Margarethe Steiff geboren

Vom „Teddy“ bis zu Krokodil: Diepholzerin Hertha Fengler hat 178 Steifftiere

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178 Steifftiere hat Hertha Fengler auf dem Sofa um sich geschart, sie hütet den Tierschatz ihrer Familie. 

Diepholz - Von Helge Bredemeyer. Diese Sammlung ist in Diepholz wohl einmalig: Hertha Fengler hat 178 Steifftiere auf ihrem Sofa versammelt. Vier kleine Elefanten gehören dazu. Diese waren ihre ersten Filztiere. Mit der Zeit stellte sich eine „Arche Noah“ da, denn in Fenglers „Arche“ fehlt kaum ein Tier. Selbst Krokodile, Schlangen und klitzekleine Marienkäfer gehören zu der Steifftier-Sammlung.

Seit Jahren hütet die 86-Jährige diese plüschigen Figuren. Ihre Schwester Edeltraut Fengler hat sie von 1958 bis 1978 gesammelt.

Die Tiere sind teilweise bespielt, aber auch teils wie neu, denn die Schwester hat sie sorgsam gehütet. Zu allen Ehrentagen hatte die querschnittsgelähmte Frau seinerzeit Tiere von Steiff mit dem bekannten Knopf im Ohr geschenkt bekommen.

Natürlich gehören auch Teddys dazu, große und kleine. Ohne seinen Teddy, der Seelentröster, geheimer Mitwisser und Vertrauter ist, geht so manches Kind nicht ins Bett. Er ist heiß geliebt und oft genug abgeknubbelt, aber unersetzbar.

Das zeigt der Teddy von 1935 in der Familie Bredemeyer in Diepholz. Der Teddy „Knopfauge“ ging mit seinem Besitzer Hans aus Hannover während des Krieges in die Harz-Heimschule. Er schenkte seinen gut behüteten Teddy dann seiner kleinen Schwester. Selbst der Knopf anstelle des rechten Auges tat der Liebe keinen Abbruch, und das Markenzeichen – der Knopf im Ohr“ – ist auch herausgebohrt. Den Körper hält ein Anzug warm und zusammen. Bis heute hat er einen Ehrenplatz bei Bredemeyers.

Die Erfinderin der Steifftiere, Margarethe Steiff, wurde vor 160 Jahren geboren. Der Bär geht auf Margarethe Steiffs Neffe, Richard, zurück. Sie war es aber, die 1880 die Margarethe Steiff GmbH gründete und mit einem „Elefäntle“ einen Kassenschlager entwarf. Richard Steiff, der kreative Lieblingsneffe, trat 1897 ins Unternehmen ein. Er hat die Kunstgewerbeschule in Stuttgart besucht und in England studiert.

1902 wird der Teddybär geboren. Richard entwirft einen Bären mit beweglichen Armen und Beinen.

Ein Teddy von 1935 (rechts), dazu einer der Nachkriegsgeneration von 1951 und ein kleiner von 1970. - Foto: Bredemeyer

Auf der Spielwarenmesse in Leipzig zeigte er seinen Bären. Beinahe in letzter Minute wurde er 3000 mal für Amerika bestellt und so begann die Eroberung der Welt. Das „goldene Bärenzeitalter“ begann.

Das war der Durchbruch des „Teddys“. Sein Name geht zurück auf dem amerikanischen Präsidenten Theodore „Teddy“ Roosevelt, der Bären liebte. Der Knopf als Erkennungszeichen wanderte um 1904 in das linke Ohr.

Margarethe Steiff stammt aus Giengen an der Brenz. Sie erkrankte mit 18 Monaten an Kinderlähmung. Was konnte die Kleine als Mädchen und als Gelähmte an den Beinen und mit einem behinderten rechten Arm von Leben erwarten?

Das trotz der Behinderungen lebenslustige Mädchen fuhr im Leiterwagen den Kindern hinterher, war draußen bei den Spielen dabei und erfand immer neue. Sie erlernte die Schneiderei und drehte kurzerhand die Nähmaschine um. So konnte sie die Maschine bedienen und stellte ab 1904 in der Manufaktur Steiff mit dem „Knopf im Ohr“ Spielartikel her.

Zu der damaligen Zeit ist die Lebensgeschichte von Margarethe Steiff sensationell: Eine Frau, die sich ehrgeizig und selbstständig entwickelt, gegen Nachahmer durchsetzt und auf der Weltausstellung in St. Louis den Grand Prix erhält und 1906 die Margarethe Steiff GmbH gründet. 1907 hatte sie 400 Mitarbeiter und 1 800 Heimarbeiter. 1909 wurden 973 999 Teddybären verkauft und 1 700 000 Spielartikel gehörten zum Angebot.

1909 stirbt Margarethe Steiff. Ihr Ruf bleibt bewahrt – und der Knopf im Ohr ist immer noch das Markenzeichen ihrer Stofftiere, von den sicherlich auch viele unter Diepholzer Weihnachtsbäumen liegen werden.

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