Tanja Schwarze moderiert spontan das Festival / Verärgerung über Cohrs

Interviews in alter Heimat

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Die gebürtige Barnstorferin Tanja Schwarze, hier im Interview mit den Strickeschlägern Werner Kröger (l.) und Willi Fangmann, moderierte das Ballon-Fahrer-Festival.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Einige Barnstorfer dürften ins Grübeln geraten sein: „Diese Stimme? Das Gesicht? Irgendwie kommt mir die Frau bekannt vor.“ Ja, mit ihrer Vermutung lagen die Besucher richtig: Es war Tanja Schwarze, die als Moderatorin beim 13. Barnstorfer Ballon-Fahrer-Festival (BBFF) im Einsatz war. Die gebürtige Barnstorferin sprang am Samstagnachmittag spontan für den bekannten Radiomoderator Lars Cohrs ein, der wenige Stunden vor Veranstaltungsbeginn abgesagt hatte und damit bei den Organisatoren in Ungnade fiel.

Tanja Schwarze, die es beruflich zu einem Radiosender in den Ruhrpott verschlagen hat, war eigentlich nur in ihre alte Heimat zurückgekehrt, um sich den Massenstart der Heißluftballone anzuschauen. Das tat sie am Sonnabendmorgen im Sundering. Nachdem die Himmelsstürmer um kurz nach sechs abgehoben hatten, ging die gelernte Journalistin auf Organisator Peter Luther zu und verriet ihm, dass sie durchaus Interesse hätte, eines Tages das Festival zu moderieren: „Das könnte ich auch machen, das wäre sogar ein Heimspiel.“

Dass es schon am Sonnabend klappen sollte, hatte Schwarze zu diesem Zeitpunkt nicht geahnt. Doch am späten Vormittag klingelte plötzlich bei ihrer Familie, die das Spielwarengeschäft an der Langen Straße betreibt, das Telefon. Der Anrufer: Luther. Er hatte gerade eine Absage von Cohrs erhalten, um den er sich schon Monate zuvor bemüht hatte, und brauchte nun dringend Ersatz. Schwarze war sichtlich überrascht, fackelte aber nicht lange: „Gut, dann kann es losgehen.“

In einem kurzen Treffen stellte der BBFF-Vorsitzende den Programmablauf vor, den die gebürtige Barnstorferin bisher nur in groben Zügen aus dem Internet kannte. Details waren ihr natürlich nicht vertraut. Bauernmarkt, Modellballone, Fallschirmspringen, Trialbike, Bobbycar-Rennen, Kaspertheater und weitere Aktionen: Da stand schon einiges auf dem Zettel, das den tausenden Besuchern am Nachmittag vermittelt werden sollte.

Doch Schwarze hatte zwei Asse im Ärmel: Erstens ist sie nicht auf den Mund gefallen und kann auf Menschen zugehen. Zweitens verfügt sie über journalistische Erfahrung und weiß, wie man Themen aufgreift und Interviews führt. Die heute 40-Jährige hat nach ihrem Germanistik-Studium in Oldenburg ein Volontariat bei Antenne Münster absolviert, wo sie dann auch einige Jahre als Redakteurin tätig war. 2011 zog es sie ins Ruhrgebiet, genau gesagt nach Mülheim, wo sie als Nachrichtenchefin beim Lokalradio arbeitet.

„Ich habe schon im Ruhrgebiet einige Veranstaltungen moderiert“, so Schwarze. Der Umgang mit dem Mikrophon war ihr also nicht fremd. Am frühen Nachmittag erklang dann ihre Stimme über die großen Lautsprecher im Sundering. Die Nachrichtenlage war gut, Interviewpartner gab es reichlich. Vor allem auf dem Bauernmarkt taten sich viele Anlaufstellen auf. Zum Beispiel die Strickeschläger aus Tonnenheide, die über ihr altes Handwerk berichteten und die gut gelaunte Moderatorin sicher gerne noch weiter an ihrer Seite gehabt hätten. Aber Schwarze musste weiter, zum nächsten Stand. Denn da warteten noch so viele Informationen, die sie für das Publikum einholen wollte.

Zwischendurch immer wieder Begegnungen privater Natur. „Da gab es viele Leute, die mich noch kannten“, freute sich die 40-Jährige, die ihren Lebensmittelpunkt schon vor Jahren verlagert hat und nur noch selten in ihrer alten Heimat ist. Doch das Wiedersehen mit alten Bekannten bereitete ihr große Freude, ebenso wie der Job als Moderatorin. „Hammer gut“, lautete ihre Bilanz.

Den Ballonstart am Abend kommentierte dann Peter Luther. Er hatte diese Aufgabe schon bei vorherigen Festivals wahrgenommen, wollte sich in diesem Jahr aber voll und ganz auf die Organisation konzentrieren und hatte daher Cohrs engagiert, der durch seine frühere Tätigkeit beim Norddeutschen Rundfunk und seine Moderationen beim „Drebber Lauf“ und anderen Veranstaltungen in der Region bestens bekannt ist.

Doch Cohrs teilte am Sonnabend gegen 10.45 Uhr mit, dass er aus dienstlichen Gründen verhindert sei und nicht nach Barnstorf kommen könne. Die Gründe konnte Luther noch nachvollziehen, nicht aber den Stil, denn der Moderator hatte seine Absage per Mail gesendet, ohne das Gespräch zu suchen. „Durch Zufall habe ich die Mail noch rechtzeitig gesehen“, sagte der Organisator. Mit der Ersatzlösung war er „mehr als sehr zufrieden“. Er könne sich gut vorstellen, dass Schwarze in zwei Jahren wieder dabei ist. Und auch sie selbst hätte nichts dagegen: „Ich würde gerne wiederkommen.“

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