Tanja Ercan lebt seit über 30 Jahren in dem früheren Diepholzer Problemviertel

„Die Moorstraße ist besser geworden“

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Sie lebt seit mehr als 30 Jahren an der Moorstraße: Tanja Ercan kennt die guten und schlechten Seiten des Quartiers und engagiert sich im Stadtteilladen.

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Tanja Ercan war elf Jahre alt, als sie mit ihren Eltern in die Moorstraße zog. Das war Anfang der 1980er Jahre. Aus dem seinerzeit soliden Wohngebiet wurde in den 90er Jahren ein Diepholzer Problemviertel. Seit einigen Jahren wandelt sich das Image des Quartiers wieder. Tanja Ercan hat die Veränderungen miterlebt – als Bewohnerin und als Mitarbeiterin des Stadtteilladens.

In den 1950er und 60er Jahren entstanden die Mehrfamilienhäusern im Gebiet rund um die Moorstraße. Mieter waren vorwiegend Bundeswehrangehörige vom Diepholzer Fliegerhorst. Doch diese zogen nach und nach aus.

Die neuen Mieter waren nicht immer unproblematisch, manche sorgten für dauerhaften Ärger. „Es gab manchmal zehn bis 15 Polizeieinsätze am Tag“ erinnert sich Tanja Ercan an die 1990er Jahre. Damals zogen viele Aussiedler aus Russland in das Gebiet. Viele der damals Jugendlichen unter ihnen hatten Probleme, in ihrer neuen Heimat Fuß zu fassen, und kompensierten das auf ihre Weise. Vor den Gruppen, die auch nachts die Moorstraße unsicher machten, hatte viele Bewohner Angst. „Man musste ihnen fünf Mark bezahlen, wenn man dort durchgehen wollte, dann ließen sie uns in Ruhe“, erinnerte sich die heute 43-jährige Tanja Ercan. Auf dem Weg aus der Disco nahm die deshalb oft Umwege in Kauf.

Hinzu kam ein Eigentümerwechsel bei vielen der Wohnblocks. Ein privates Unternehmen kaufte die Immobilien von der Wohnungsbaugesellschaft. Dessen berüchtigter Hausmeister scheute auch vor rabiaten Methoden nicht zurück, wenn ihm Mieter unliebsam waren oder ihre Miete nicht rechtzeitig bezahlten.

Mit dem Generationenwechsel in dem Unternehmen änderte sich auch die Grundeinstellung: Der Eigentümer investierte in seine Gebäude, unterstützte soziale Projekte. So stellt er unter anderem für das Projekt „Akzeptanz“ des Diakonischen Werkes und für das Gewaltpräventionsprojekt „Boxen“ des Agenda 21-Fördervereins Wohnungen mietfrei zur Verfügung. Viel zu dem besseren Klima in der Moorstraße trug und trägt auch der ehrenamtlich geführte Stadtteilladen als Anlaufstelle bei,

„Es ist viel besser geworden“, sieht Tanja Ercan Erfolge in der Moorstraße. Das liegt nach ihrer Einschätzung auch an der Bevölkerungsgruppe, die zurzeit einen Großteil der Bewohner stell: Jesidische Flüchtlinge, die vorwiegend aus Syrien kommen. „Mit denen gibt es gar keine Probleme“, hat Tanja Ercan ihre Erfahrungen gemacht, wenn sie nachmittags die Aufsicht im Stadtteilladen führt und dort viele der Kinder betreut. Der Stadtteilladen ist auch für Erwachsene ein Begegnungszentrum. Dieses soll mit dem Neubau an selber Stelle ab August, den die Stadt beschlossen hat, noch besser werden.

Ein in den letzten Jahren besseres Image der Moorstraße sieht auch Annett Dräger, Leiterin der nahen Mühlenkampschule: „Viele der Eltern von dort zeigen sich sehr bemüht und viele Kinder bekommen auch gute Bildungsempfehlungen.“

Der Makel „Moorstraße“ – eine Adresse, die zeitweise nicht nur bei Arbeitgebern sehr negativ besetzt war – verblasst offenbar.

Die Hausfrau und Mutter Tanja Ercan sieht ihre erwachsenen Söhnen als ein gutes Beispiel: „Sie haben beide ihren Beruf. Auch aus Leuten, die aus der Moorstraße kommen, kann etwas werden“, lacht sie.

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