Täter bekommen keine Hilfe

Brötchentütenaktion startet wieder

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Die Gleichstellungsbeauftragten der Landkreise Diepholz und Nienburg starten am 25. November wieder die Brötchentütenak- tion. 

Landkreis - Immer wieder, wenn der Streit eskaliert, schlägt er zu. Hinterher tut es ihm leid, und sie verzeiht – bis zum nächsten Mal. Das kann so nicht weitergehen, zumal die Kinder es mitbekommen. Doch trennen will sie sich nicht. Sie liebt ihn und weiß, er hat nie gelernt, anders mit Konflikten umzugehen. Sie will einfach nur einen Weg aus der Gewalt finden.

Für Frauen, die in einer ähnlichen Situation stecken, gibt es im Landkreis Diepholz seit 2016 ein Angebot, auf das Doris Wieferich, Leiterin des Netzwerkes Häusliche Gewalt, angesichts des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen am 25. November, aufmerksam machen möchte. Zudem startet an diesem Tag auch wieder die Aktion: „Gewalt kommt nicht in die Tüte“, bei der 42.000 Brötchentüten mit dem Slogan über die Tresen der Bäckereien in den Landkreisen Diepholz und Nienburg gehen. Darauf gedruckt sind außerdem Kontaktstellen für Opfer häuslicher Gewalt, die so möglichst einfach und unauffällig Hilfe finden sollen.

Aber nicht nur die Opfer beschäftigen in diesem Jahr die Gleichstellungsbeauftragten der beiden Landkreise. Sie denken auch an die Täter, für die es überhaupt keine Beratungsangebote im Landkreis gebe. „Ein echtes Manko“, findet Christina Runge, Beauftragte für den Kreis Diepholz. Doris Wieferich stimmt ihr zu. Das neue Angebot des Netzwerkes versucht, etwas Abhilfe zu schaffen, indem es die Täter zumindest mit einbezieht. „Paarberatung bei Häuslicher Gewalt“ heißt das Pilotprojekt. Es ist eine Erweiterung zu den Beratungsangeboten des Netzwerkes.

Gespräch mit dem Mann suchen 

„Wenn die Frau sich bei uns meldet, mache ich ein Beratungsgespräch mit ihr, bei dem ich ihre Situation analysiere, um herauszufinden, ob das Angebot zu ihr passt“, sagt Wieferich. Danach informiert sie einen männlichen Kollegen von der Diakonie, der wiederum Kontakt zu dem betreffenden Mann aufnimmt, um mit ihm zu sprechen. Ist dieser einverstanden, kommt es zu einem Vierergespräch, bei dem die Berater versuchen, den Parteien dabei zu helfen, die Perspektive des jeweils anderen zu sehen und Impulse zu geben, wie Eskalationen vermieden werden können. „Die Frau könnte beispielsweise mit ruhiger Stimme sprechen und sich nicht vor die Tür stellen, wenn er den Raum verlassen will.“ Es gehe nicht darum, Beziehungen zu kitten oder Trennungen einzuleiten. „Die Sprachlosigkeit soll überwunden werden, damit eine fundierte Entscheidung getroffen und die Gewaltspirale durchbrochen wird.“

Es ist auch für Männer eine große Tragik und Dramatik, wenn sie schlagen, so Wieferich. Sie bräuchten niedrigschwellige Angebote, da es ihnen ohnehin schwer falle, Hilfe anzunehmen, da sie noch immer mit dem Rollenbild des harten, starken Mannes zu kämpfen hätten. 19 Anfragen hat Wieferich bisher gehabt. Aus vieren wurden Vierergespräche. Die Männer in letztgenannten seien fast alle Akademiker und aus der Ober- oder Mittelschicht gewesen. Wer sich für das Beratungsangebot interessiert, kann sich unter Ruf 05441/1373 oder per E-Mail an mail@frauenhaus-diepholz.de melden.

 juk

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