Strammstehen mit Zopf

Der Alltag in der Kaserne: Frauen aus der Bundeswehr berichten

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Auch Büroarbeit gehört dazu: Jennifer R. (vorne) und Nina M. im Personalbüro des Fliegerhorstes Diepholz.

Zwölf Prozent aller Soldaten sind weiblich. Viele berichten über Sexismus, nicht aber diese. Sie sind sich einig: Frauen in der Bundeswehr sind mittlerweile zur Normalität geworden. Hier berichten sie über ihren Alltag in der Kaserne, ihre Werdegänge und Familie. 

Diepholz/Nienburg - Nina M. ist 31 Jahre alt und ursprünglich gelernte Hotelfachfrau. Jetzt ist sie bei der Bundeswehr. Ausschlaggebend für ihren Karrierewechsel waren die Eindrücke der Jugoslawienkriege. „Ich wurde immer wieder an die Bilder der Soldaten erinnert, die ich als Kind im Kroatienurlaub gesehen habe“, erzählt Nina. „Ich wollte den Menschen helfen.“ 2008 hat sie mit der Grundausbildung begonnen – heute ist sie Oberleutnant. Ihr Arbeitsplatz ist das Personalbüro der Diepholzer Kaserne.

Nina ist eine der wenigen Frauen beim Militär, derzeit stellen sie nur zwölf Prozent aller Soldaten. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen strebt eine höhere Quote an und möchte, hieß es kürzlich in einem Medienbericht, erforschen, weshalb so wenige Frauen eine Karriere bei der Bundeswehr anstreben.

Das Internet bietet reichlich Artikel, in denen Frauen der Bundeswehr über Sexismus berichten und körperliche Unterlegenheit gegenüber ihren männlichen Kameraden als unfair empfinden. Lassen sich Frauen von diesen und anderen Faktoren verunsichern, eine Karriere bei der Bundeswehr anzustreben? Stehen Vorurteile und Macho-Gehabe auf der Tagesordnung? Fünf Frauen des Waffensystemunterstützungszentrums 2 vom Fliegerhorst Diepholz und des Bataillons Elektronische Kampfführung 912 (Eloka Bataillon 912) der Clausewitz-Kaserne Nienburg antworten. Unterm Strich sind sie sich einig: Frauen in der Bundeswehr sind mittlerweile zur Normalität geworden. Genauso wie Plattitüden unter Kameraden.

Werdegänge

Eine von Ninas Kameradinnen ist Jennifer R. Die 25-Jährige ist Offizier des Truppendienstes und hat Wirtschaftsingenieurwesen über die Bundeswehr studiert. Dienstgrad: Oberleutnant. „Mein Vater war zwölf Jahre Zeitsoldat“, erzählt sie. Seine Erzählungen haben ihr Interesse geweckt. Gespräche mit befreundeten Soldaten hätten anfängliche Zweifel an Tauglichkeit dann vollends beseitigt. „Dann versuche ich es eben doch“, beschloss sie. Unter einer Bedingung: Soldatin auf Zeit nur im Zusammenhang mit dem Studium. „Der Frauenanteil im Studiengang war auch schon sehr überschaubar“, erzählt Jennifer. Unter insgesamt 450 Studenten tummelten sich fünf Frauen.

Ihren heutigen Ehemann hat sie während der Studienzeit kennengelernt. „Er ist IT-Offizier bei der Marine“, erzählt Jennifer. Gemeinsam wohnen sie in Wilhelmshaven – zumindest am Wochenende. Familienplanung? Eher schwierig. Beide sind immer wieder auf Lehrgängen – aber natürlich nicht zur selben Zeit, sondern abwechselnd. „Es steht also noch in den Sternen, wie es weitergeht.“

Der Grund weshalb sich Nina und Jennifer für die Luftwaffe entschieden haben ist simpel: „Das klingt jetzt vielleicht blöd, aber das liegt an der Farbe der Uniform“, sagt Nina. „Daher war die Marine von vorn herein schon raus.“ So schnell gewinnt ein dunkelblauer Einreiher gegen einen schwarzen Zweireiher. Gesteckte Ziele sind bei beiden ähnlich. Die Möglichkeit aufzusteigen, bekommt Nina erst in drei Jahren. Bei der Beförderung zählt die Leistung, nicht das Geschlecht. Jennifer wird ihre Ausbildung im Oktober abschließen – dann ist sie Radar- und Datenverarbeitungselektronikoffizier.

Sie betreiben Radaraufklärung: Alina K. (v.l.), Anja W. und Susann Z. stehen vor ihrem Arbeitsplatz – dem Transportpanzer Fuchs – in der Clausewitz-Kaserne Nienburg. 

Panzer statt Schule

Oberfeldwebel Alina Z. vom Eloka Bataillon 912 möchte Berufssoldatin werden, die zwei Hauptfeldwebel Anja W. und Susann Z. sind es bereits. Alle drei haben vor ihrer Zeit bei der Bundeswehr eine zivile Ausbildung gemacht. Während Anja eigentlich zur Marine wollte, hat Susann sich nie dort gesehen. Beide sitzen sie nun gemeinsam im Transportpanzer Fuchs und betreiben Radaraufklärung. Anja ist gelernte Erzieherin und Susann hat eine Ausbildung zur Fachinformatikerin gemacht.

Alina ist ausgebildete Fremdsprachenassistentin – eine Fertigkeit, die einen soliden Baustein für eine Karriere bei der Bundeswehr bildet. Bevor sie sich für den Arbeitgeber entschieden hat, hat sie neun Monate freiwilligen Wehrdienst geleistet. „Man muss sich eben sicher sein“, erklärt Alina. Seit 2014 ist sie in der ersten Kompanie des Eloka Bataillons 912 und befasst sich mit Informationsauswertungen. Sie ist blond und hat blaue Augen. „Ich war aber noch nie so der Püppchen-Typ“, behauptet sie. Und was meinen die Kameraden? Muss sie Sprücheklopfer aushalten? „Nein“, sagt Alina. Und da sind sich alle fünf einig. Mit ernsthaften sexistischen Problemen sehen sie sich nicht konfrontiert. Keine der Befragten hat sich bislang aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt gefühlt. „Frauen haben einfach die gleichen Anforderungen wie Männer zu erbringen“, sagt Nina. Die Frauen verweisen auf die Vorschriften. Da ist kein Raum für Diskriminierung. Die Soldatinnen fühlen sich sogar sehr wohl in der Zusammenarbeit mit Männern. Macho-Sprüche? „Ja, aber dann gibt’s auch einen zurück“, sagt Anja. Sie selbst sehen die Frauenbrigade in der Nienburger Kaserne eher als diejenigen, die die Hosen an haben. Streitereien? Fehlanzeige. „Wenn ich mich mal mit jemandem in die Haare bekomme, dann eher mit den Frauen“, erzählt Jennifer.

Familie

Was hat sich durch den Frauen-Zuwachs in der Kaserne verändert? Frank Donat, Pressefeldwebel des Eloka Bataillons 912, berichtet lediglich von geschlechtergetrennten Stuben und Duschschildern. Eine Eltern-Kind-Stube gibt es in der Kaserne auch. Sie wird teilweise zum Arbeiten genutzt. Die Stube ist mit einem Telefon und PC ausgestattet, sodass das Kind im Krankheitsfall mit zur Arbeit genommen werden kann. „Insgesamt ist die Bundeswehr viel familienfreundlicher geworden“, erzählt Anja. Sie ist selbst Mutter und meint, dass Kind und Arbeit gut vereinbar sind. In der Kindertagesstätte Johannisbär in Langendamm gibt es für Kinder der Soldaten einige reservierte Plätze. So sei es ganz einfach: „Ich bringe mein Kind in die Kita, fahre weiter zur Arbeit und abends wieder heim“, so Anja. Auch bei Lehrgängen können die Kinder mitgenommen werden. Sie werden vor Ort in einer Kita betreut. Die Kosten werden übernommen.

Bleibt noch die Frage nach dem Gender-Wirbel. Die Sprache beim Militär ist mit Traditionen behaftet und rein männlich. Allerdings ist die Nennung von Soldatinnen und Soldaten in offiziellen Dokumenten schon ein alter Schuh. In Medienberichten ist nun die Rede von beugenden Dienstgraden. So würde nämlich aus „Hauptmann“ die Anrede „Hauptfrau“ oder gar „Hauptmännin“ werden. Den fünf Frauen in Nienburg und Diepholz ist es gar nicht so wichtig.

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