Ein beeindruckter Ministerpräsident

Stephan Weil informiert sich in Diepholz über Zentralklinik-Pläne

Die geplante Zentralklinik war das Thema beim Besuch von Ministerpräsident Stephan Weil (Mitte, vorne) im Diepholzer Krankenhaus. Uwe Lorenz (r.), Geschäftsführer der Kliniken im Landkreis Diepholz, und SPD-Unterbezirksvorsitzender Ingo Estermann (l.) hatten die neusten Infos.
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Die geplante Zentralklinik war das Thema beim Besuch von Ministerpräsident Stephan Weil (Mitte, vorne) im Diepholzer Krankenhaus. Uwe Lorenz (r.), Geschäftsführer der Kliniken im Landkreis Diepholz, und SPD-Unterbezirksvorsitzender Ingo Estermann (l.) hatten die neusten Infos.

Ministerpräsident Stephan Weil kann es kaum glauben. Immer wieder fragt er nach. „Und das ist auch für die Mitarbeiter und den Betriebsrat ok?“ Einhellige Zustimmung. „Wirklich Kompliment! Das ist außergewöhnlich!“ Er habe Landkreise erlebt, in denen die Planung einer Zentralklinik einen „halben Bürgerkrieg“ ausgelöst habe. „Das haben wir hier so gar nicht“, entgegnet Uwe Lorenz, Geschäftsführer der Kliniken im Landkreis Diepholz.

Update vom 24. September

„Herr Weil wurde glatt belogen, dass es keinen Widerstand gibt“, schreibt Alexander Maus in einer E-Mail an die Redaktion. Er ist der Kopf hinter der Online-Petition gegen den Bau der Zentralklinik in Twistringen-Borwede. Der Bericht am Donnerstag über den Besuch des Ministerpräsidenten Stephan Weil im Krankenhaus Diepholz hat ihn geärgert. Klinik-Geschäftsführer Uwe Lorenz hatte dem Ministerpräsidenten berichtet, es gebe keinerlei Kritik an den Klinik-Plänen.

„Es kann mir keiner erzählen, dass er die Petition noch nicht mitbekommen hat“, so Maus am Telefon. Am Dienstag hatte die Petition ihr Ziel (1 900 Unterschriften) erreicht. Donnerstagmittag waren es bereits 2 054. „Das ist schon ein klares Signal“, so Maus, der über die Unterzeichner sagt: „Die haben alle Sorgen, die haben Angst.“

Weil war bezüglich der Zentralklinik-Pläne von einem „kleinen Bürgerkrieg“ ausgegangen. Klinik-Chef Lorenz widersprach dem. Maus jedoch sagt, er finde die Metapher eigentlich ganz passend.

Ursprünglicher Text vom 23. September

Diepholz - Dass die geplante Zentralklinik in Twistringen-Borwede das dominierende Thema beim Besuch des Ministerpräsidenten am Mittwochnachmittag im Diepholzer Krankenhaus sein dürfte, war zu erwarten. Die kurze Vorstellung des aktuellen Planungsstands traf bei dem SPD-Politiker auf offene Ohren. Vieles davon war für ihn neu.

Vorab gab Lorenz einen kurzen Überblick über die Ist-Situation. Eine Landkarte mit vielen Symbolen. In der Mitte ein leerer Fleck: der Landkreis Diepholz mit seinen nicht vorhandenen Geburtenstationen. „Das ist einer der Punkte, der uns sehr drückt“, so Lorenz. Dann der Lichtblick: Ab 2027, wenn die neue Zentralklinik eröffnen soll, können Frauen auch hierzulande wieder entbinden. 363 Betten seien in Zukunft geplant – und sogar eine kleine Neurologie-Station sei im Gespräch. Ministerpräsident Stephan Weil zeigt sich beeindruckt.

Stephan Weil kann Sorgen im Landkreis Diepholz nachvollziehen

Und die Pläne seien wirklich für alle in Ordnung gewesen? Lorenz: „Es ist wirklich erstaunlich ruhig verlaufen.“ Auch für die Bürger? Kurzes Zögern bei den Verantwortlichen. SPD-Unterbezirksvorsitzender Ingo Estermann ergreift das Wort: Es gebe „ganz klar Unsicherheit“ bei einigen Menschen. Sie würden sich Gedanken um die Versorgungssicherheit machen. Es gebe auch eine Petition im Internet gegen die Zentralklinik. Verständnis bei Stephan Weil. Er könne die Sorgen nachvollziehen. Der Diepholzer Stadtratsvorsitzende der SPD, Manfred Albers, findet klare Worte: „Da hat der Landkreis Diepholz bislang zu wenig Antworten gegeben.“ Einheitliches Nicken.

Zurück zu den Klinikplänen. Weil fragt in die Runde, was die neue Zentralklinik denn koste? Antwort: Etwas über 180 Millionen Euro. Irritiertes Nachfragen. Lorenz mit einem leichten Lächeln: Das Grundstück war nicht sonderlich teuer. „Nächstes Jahr wollen wir da auch inhaltlich einsteigen“, schiebt er hinterher. Voraussetzung sei jedoch die Bewilligung von Fördermitteln. Weil beruhigt: „Ich habe aus Hannover überhaupt keine Störsignale.“

Kritik der Gesundheitsministerin richte sich gegen Großkonzern-Kliniken

Wirklich gar keine? Vor einigen Tagen gab es noch eine Meldung: Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann spricht sich gegen Zentralkliniken aus. Wie passt das zu den Plänen im Landkreis Diepholz? Ministerpräsident Weil wird ob der Aussage seiner Parteigenossin ein wenig stiller. Das sei etwas komplett anderes. Es sei um Großkliniken von Großkonzernen gegangen und um die Situation, wenn es nur noch zehn Krankenhäuser in ganz Niedersachsen gebe. Hier im Landkreis sei der Zentralklinik-Plan hingegen eine „sinnvolle Neuordnung“.

Gesundheitsministerin gegen Zentralkliniken

Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) hat der Forderung nach einer Konzentration der Krankenhauslandschaft in Niedersachsen eine Absage erteilt. Gerade in der Corona-Krise habe sich der Vorteil und die Notwendigkeit eines flächendeckenden Krankenhausnetzes gezeigt, sagte Reimann vor knapp zwei Wochen in Hannover. Zwar höre sie den Ruf von Ökonomen und Krankenkassen nach einer Zentralisierung und Spezialisierung der Kliniken, aber: „Der Ruf nach Zentralisierung stößt in einem Flächenland wie dem unseren an Grenzen.“  dpa

Letztes Thema, bevor der Ministerpräsident wieder ins Auto steigt: Corona. „Wir haben gedacht, dass wir das nicht schaffen“, so Lorenz mit Rückblick auf die Woche vor Ostern. Vor allem in Bassum seien die Intensivstationen vollgelaufen. „Wir haben uns ganz ernsthaft auf das Schlimmste vorbereitet.“ Verständnisvolles Nicken. Auch in Hannover sei man ähnlich alarmiert gewesen. Doch dann wieder ein Lichtblick von Lorenz: Die neue Zentralklinik, sie soll in Zukunft besser für solche Fälle gewappnet sein. Zufriedenes Gesicht bei Stephan Weil.

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