Übernachtungsstelle für Wohnungslose

Stammgast im Diepholzer „RastHaus“

Renee aus Mecklenburg lebt mehr als 20 Jahren auf der Straße und ist Stammgast im „RastHaus“.
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Renee aus Mecklenburg lebt mehr als 20 Jahren auf der Straße und ist Stammgast im „RastHaus“.

Diepholz – Renee hat Erfahrung auf der Straße. Seit mehr als 20 Jahren ist er ohne Wohnung. Von kurzen Ausnahmen abgesehen, reist der 50-jährige Mecklenburger seitdem kreuz und quer durch Deutschland. Oft ist er auch in Diepholz. Hier nutzt er die Übernachtungsstelle „RastHaus“, eine Einrichtung des Caritasverbandes für durchreisende Wohnungslose an der Hinterstraße 10.

„Ich komme seit mehr als zehn Jahren hierher“, sagt Renee, der seinen Nachnamen nicht nennen mag. Die Beraterinnen von der ambulanten Wohnungslosenhilfe der Caritas im Haus gegenüber kennen ihn gut.

Renee teilt das Schicksal vieler Menschen, die auf der Straße gelandet sind. 1997 verlor er seine Arbeit bei einer Werft in Wismar. Kurz darauf auch seine Wohnung. „Dann war auch die Frau weg“, erzählt der 50-Jährige. In der Diepholzer Übernachtungsstelle hat er erstmal das Bad ausgiebig genutzt. Seine persönlichen Sachen trägt er auf seinen Wegen in einem Rucksack mit sich, der etwa 20 Kilo wiegt. Renee geht zu Fuß, nutzt aber oft die Bahn. Das Geld für die Fahrkarten spart er sich vom Tagessatz ab, den durchreisende Wohnungslose bekommen. Dieser Satz beträgt derzeit 14,87 Euro. Das Geld erhalten durchreisende Wohnungslose über die Jobcenter.

In der renovierten Übernachtungsstelle für Durchreisenden „RastHaus“: Karin Haskamp und Martina Deters von der ambulanten Wohnungslosenhilfe der Caritas in Diepholz.

Was wünscht sich Renee? „Eine Wohnung“, ist seine eindeutige Antwort. Wo in Deutschland ist ihm egal – bis auf eine Ausnahme: Bayern. „Da verstehe ich die Leute nicht“, lächelt er.

Verständnis findet Renee bei den hauptamtlichen Beratern der Caritas und den ehrenamtlichen Helfern der Übernachtungsstelle.

Diese hat nun wieder für durchreisende Wohnungslose geöffnet. Die Räume sind frisch renoviert. „Wir haben die Sommerpause im August genutzt, um die beiden Schlafräume, die Bäder und die Küche mit dem Aufenthaltsraum aufzufrischen, die Wände zu streichen, neue Plissees anzubringen und vieles mehr“, erklärt Karin Haskamp von der ambulanten Wohnungslosenhilfe der Caritas in Diepholz, wo Wohnungslose Beratung und Unterstützung bei Behördengängen finden sowie gegebenenfalls mit Kleidung, Schlafsäcken und einem Rucksack versorgt werden

Fünf Schlafplätze

Das „RastHaus“ in Diepholz ist seit Anfang 2021 in Trägerschaft des Caritasverbandes. Hier können derzeit aufgrund der Corona-Auflagen maximal drei Wohnungslose in zwei Schlafräumen bis zu einer Woche untergebracht werden. Die Übernachtungsmöglichkeit, die eigentlich fünf Schlafplätze hat, sei während der Pandemie und im Hinblick auf den bevorstehenden Winter besonders wichtig, so der Caritasverband, der die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Diepholz betont. Karin Haskamp: „Das Angebot wird gut angenommen. Wir haben von Januar bis Ende Juli 228 Übernachtungen im ,RastHaus’ gezählt.“ Unter den Nutzern sei nur eine Frau gewesen.

Die Übernachtungsstelle ist auf die Mitarbeit von Ehrenamtlichen angewiesen, die die Räume für Wohnungslose aufschließen. Dazu werden noch zuverlässige Freiwillige gesucht, die Zeit und Interesse haben, sich zu engagieren. Darüber hinaus benötigt das „RastHaus“ finanzielle Unterstützung, so der Caritasverband. Für die gesamte Unterhaltung und Instandhaltung entstehen laufend Kosten.

Insgesamt fünf Betten gibt es in der Übernachtungsstelle für Durchreisende an der Hinterstraße 10.

Seit 25 Jahren

Die Übernachtungsstelle an der Hinterstraße 10 gibt es seit 25 Jahren. Ende 1996 wurde sie mit gebrauchten Möbeln eingerichtet. Doch das Haus war abbruchreif und auf Dauer nicht geeignet. Nachdem der Kirchenkreis Grafschaft Diepholz die Übernachtungsstelle übernommen hatte, ließ er das Gebäude abreißen und erstellte 1999 das jetzige Fachwerkhaus, in dem auch die Jugendberufshilfe „RazzFazz“ ist. Die Übernachtungsstelle wurde anfangs von der Diakonie Freistatt betrieben, später wurde das Diakonische Werk des Kirchenkreises Grafschaft Diepholz Betreiber, Anfang 2021 dann der Caritasverband. Das „RastHaus“ wird derzeit vom Landkreis Diepholz, der Stadt Diepholz und dem Caritasverband für die Landkreise Diepholz und Nienburg links der Weser finanziert.

Interessierte, die Zeit und/oder Geld spenden möchten, können sich wenden an: Caritasverband für die Landkreise Diepholz und Nienburg links der Weser, Karin Haskamp, Hinterstraße 15, Diepholz, Tel. 05441/9299215, Mail: khaskamp@caritas-os.de. Weitere Informationen: www.caritas-os.de/rasthaus.

Wo hätte Renee übernachtet, wenn es das „RastHaus“ nicht geben würde oder es voll belegt gewesen wäre? „An Supermärkten oder Banken“, sagt der 50-Jährige. Oder auch an einem Friedhof: „Dort ist es immer ruhig. Da machen auch keine Jugendlichen Lärm.“

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