Doch trotz Hitze droht kein Engpass

Rekord-Abgabewerte im Wasserwerk Sankt Hülfe

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Nachts wird es wieder aufgefüllt: Ein Blick in eine der beiden unterirdischen Reinwasserkammern, die jeweils 2000 Kubikmeter fassen, im Wasserwerk Sankt Hülfe.

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Aus großen Rohren strömt frisch gereinigtes Grundwasser in die beiden unterirdischen Becken des Wasserwerks Sankt Hülfe, die durch ihre Säulen wie eine Grotte wirken und jeweils 2000 Kubikmeter fassen.

Diese Reinwasserkammern dienen als Puffer, als Lager für das Trinkwasser, von dem die Verbraucher in Diepholz, Drebber und Wetschen bei der Hitze so viel wie noch nie aus ihren Wasserhähnen fließen lassen: Die derzeitigen Abgabewerte sind die höchsten in der Geschichte der Stadtwerke Huntetal.

Aktuell liegen die Spitzenwerte bei 1100 Kubikmeter pro Stunde. Ein großer Teil des verbrauchten Wassers dürfte in Gärten landen – aber auch in Duschen. In normalen Zeiten werden laut Stadtwerke durchschnittlich 630 pro Stunde durch die Leitungen abgegeben. Versorgungsprobleme sehen die Stadtwerke aber bislang nicht.

Der heimische Versorger betreibt zwei Wasserwerke – neben dem in Sankt Hülfe auch das in Wagenfeld. Von Letzterem aus werden Barnstorf und Drentwede sowie Teile der Samtgemeinde Rehden und die Gemeinde Wagenfeld versorgt. Jedes der beiden Wasserwerke hat fünf 30 bis 60 Meter tiefe Brunnen, aus denen das Grundwasser gepumpt wird. Dieses muss zunächst laut Trinkwasserverordnung von den natürlich vorkommenden Bestandteilen Eisen und Mangan durch Filterung über Quarzsand und Quarzkies (Siliziumoxid) befreit werden. Zur Einstellung des pH-Wertes wird Kalziumkarbonat (Kalkstein) verwendet.

Das Trinkwasser im Versorgungsgebiet der Stadtwerke kommt dabei ohne Chlorung aus. Die moderne Wasseraufbereitung sorgt laut Stadtwerke für höchste Qualität, die regelmäßig von einem Wasserlabor überprüft wird. Es wird mit fünf Bar Druck in die Leitungen gepumpt.

Elektrische Pumpen erzeugen einen Druck von fünf Bar, mit dem das Trinkwasser aus dem Wasserwerk Sankt Hülfe zu den Verbrauchern in Diepholz, Drebber und Wetschen gelangt. Stadtwerke-Geschäftsführer Waldemar Opalla, Wassermeister Frank Gläser und Abteilungsleiter Jakob Wiebe (von links) erläuterten die Technik.

Ein Wasser-Engpass droht derzeit nicht. Doch die beiden Wasserwerke laufen am Limit. Noch können die unteririschen Becken jede Nacht voll befüllt werden, sodass das Wasser daraus bis zum Abend für die Kunden ausreicht, denn auch während des Tages läuft ständig Reinwasser nach.

„Das ist dieses Jahr eine besondere Herausforderung“, fasst Stadtwerke-Geschäftsführer Waldemar Opalla die Situation zusammen. „Mit einer solchen Trockenperiode wie jetzt wird bislang alle 30 Jahre gerechnet“, erklärt Jakob Wiebe, Abteilungsleiter Gas, Wasser, Wärme bei den Stadtwerken Huntetal.

Im neuen Gebäude mit Mess- und Regelungstechnik: Mit vier Ausgangsleitungen wird das Wasser vom Wasserwerk Sankt Hülfe aus in das Versorgungsgebiet verteilt.

Doch in den vergangenen beiden Jahren registrierten die Stadtwerke schon längere Trockenperioden und den damit einhergehenden höheren Wasserverbrauch. Vor diesem Hintergrund installierte der Versorger zwei neue leistungsfähige Pumpen, die dazu dienen, dass sich die beiden Wasserwerke in Sankt Hülfe und Wagenfeld für den Fall möglicher lokaler Engpässe gegenseitig unterstützen können.

Zusätzlich ist im Wasserwerk Wagenfeld für 2019 eine Erneuerung und Kapazitätserweiterung der Reinwasserkammer geplant. Auch ist dort ein weiterer Brunnen vorgesehen. Die Investition von etwa 1,2 Millionen Euro soll künftig Engpässe in der regionalen Wasserversorgung ausgleichen, die beispielsweise durch länger anhaltende Hitzeperioden entstehen können. Trotzdem appellieren die Stadtwerke, gewissenhaft mit dem Trinkwasser umzugehen, insbesondere solange extreme Trockenheit und Hitze anhalten.

In Notfällen können sich übrigens die benachbarten Wasserversorger der Region gegenseitig aushelfen. So gibt es vom Netz der Stadtwerke Huntetal aus sieben Notverbindungen, die im Normalbetrieb geschlossen sind.

Das Wasserwerk Sankt Hülfe wurde in den 1960er Jahren gebaut. Die Investitionen und Instandhaltungen der Stadtwerke Huntetal im Bereich der Wasserversorgung beliefen sich im Jahr 2017 nach eigenen Angaben auf etwa 1,7 Millionen Euro.

Hintergrund: Nitratbelastung

„Kunden können sich darauf verlassen, dass die Versorgung durch die Stadtwerke sichergestellt ist“, betont Waldemar Opalla, Geschäftsführer der Stadtwerke: „Auch die Trockenheit hindert uns nicht daran, unsere Kunden in der Region mit qualitativ sehr hochwertigem Wasser zu versorgen. 

Umfassender Grundwasserschutz hat dabei für uns erste Priorität. Denn je besser das Rohwasser ist, aus dem wir das Trinkwasser gewinnen, desto weniger aufwendig die Behandlung. Eine zunehmende Belastung des Grundwassers verursacht höhere Kosten bei der Trinkwasseraufbereitung, die letztlich wieder die Verbraucher tragen müssen.“

Dabei spielt Nitrat eine Rolle. Intensive Landwirtschaft, teils einhergehend mit einer Überdüngung der Felder, trägt zur Erhöhung des Nitratgehalts des Grundwassers bei. Die Stadtwerke Huntetal treffen deshalb laut einer Pressemitteilung regelmäßig Vereinbarungen mit den ansässigen Landwirten, um nachhaltigen Wasserschutz zu gewährleisten. Hierfür setzten sie in den vergangenen zehn Jahren etwa 700.000 Euro ein. Das Geld bekamen Landwirte als Ausgleich dafür, wenn sie ihre Flächen, die im Einzugsgebiet der Wasserwerke liegen, weniger intensiv bewirtschaften.

Die Nitratwerte liegen mit 1,59 Milligramm pro Liter (mg/l) im Wasserwerk Sankt Hülfe und 18,5 mg/l im Wasserwerk Wagenfeld laut Stadtwerke Huntetal weit unter dem vorgeschriebenen Grenzwert von 50 mg/l.

Der Härtebereich des Wassers ist im Bereich des Wasserwerkes Sankt Hülfe „mittel“ (10,4° deutsche Härte) und im Gebiet des Werkes Wagenfeld „weich“ (6,59° dH).

Zur Versorgungssicherheit gehört auch, mechanische Störungen wie Rohrbrüche oder -undichtigkeiten schnell zu erkennen. Deshalb haben die Stadtwerke im Wasserwerk Sankt Hülfe im vergangenen Jahr ein neues Gebäude für Mess- und Regelungstechnik geschaffen. Mit den vier Werksausgangsleitungen, von denen aus das Wasser in die Region verteilt wird (zwei Leitungen für Diepholz, jeweils eine Leitung für Wetschen und Drebber) und die jeweils einen eigenen Zähler haben, können die Stadtwerke die entnommenen Trinkwassermengen in der Region besser nachvollziehen. Vor allem aber können so Störungen schneller lokalisiert und behoben werden.

Die Wasserleitungen im Versorgungsgebiet des Wasserwerkes Sankt Hülfe haben eine Gesamtlänge von fast 1300 Kilometern. 

ej

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