Stadt Diepholz entscheidet am Montag über Wahrnehmung des Vorkaufsrechts

Hotel Steuding: Parkplatz oder „Boardinghouse“?

Die beiden Investoren Dirk Kühling (links und Michael Kötter aus Vechta vor dem Hotel Steuding, das sie von Hellgrit Steuding gekauft haben. Möglicherweise wird der Kaufvertrag hinfällig, wenn die Stadt Diepholz von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch macht und die Immobilie selbst erwirbt.
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Die beiden Investoren Dirk Kühling (links und Michael Kötter aus Vechta vor dem Hotel Steuding, das sie von Hellgrit Steuding gekauft haben. Möglicherweise wird der Kaufvertrag hinfällig, wenn die Stadt Diepholz von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch macht und die Immobilie selbst erwirbt.

Und Reinhold Dufner - Von Eberhard Jansen. DIEPHOLZDie Mitglieder des Diepholzer Verwaltungsausschusses stehen angesichts der angespannten Haushaltslage vor einer schweren Entscheidung: Soll die Stadt von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen und den versteigerten Bahnhof, dessen Nebengebäude und auch das privat verkaufte Hotel Steuding am Bahnhof erwerben? Der Beschluss der Politiker steht für die Sitzung am Montag an. Nach Informationen unserer Zeitung möchte die Stadt zumindest das Hotel haben, nachdem die privaten Käufer sich nach der möglichen Unterbringung von Gastarbeitern der südoldenburgischen Geflügelwirtschaft und Flüchtlingen erkundigt hatten.

Nach dem Verkauf des Diepholzer Bahnhofs, der in Berlin für 230000 Euro versteigert wurde, hat auch das seit Monaten leer stehende Hotel Steuding gleich nebenan neue Besitzer bekommen. Das Objekt wurde von Dirk Kühling, Geschäftsführer der „Kühling - Die Immobilien Makler GmbH“, und dem Kaufmann Michael Kötter (beide Vechta) als Investorengemeinschaft erworben. Bisherige Besitzerin und Verkäuferin war Hellgrit Steuding.

Ein Hinweisschild in einem Fenster im oberen Geschoss des markanten Gebäudes aus dem Jahr 1906 verrät schon seit einiger Zeit, dass diese Immobilie vermietet werden soll. Und das sei, so Dirk Kühling, auch schon geschehen. Der Verkauf beziehungsweise die Versteigerung des benachbarten Bahnhofs spiele der Investition in die Karten. Es könne davon ausgegangen, dass auch hier kurzfristig investiert werde.

Der Hauptmieter beabsichtigt laut der beiden Investoren eine separate Untervermietung der Gewerbefläche im Erdgeschoss mit eigenem Eingang. Die Räume böten sich für eine Gastronomie ebenso an wie für eine Arztpraxis beziehungsweise Bürofläche.

Ungeachtet der Möglichkeit, dass ihr Kaufvertrag durch das Vorkaufsrecht der Stadt Diepholz ab Montag hinfällig werden könnte, stellten Dirk Kühling und Michel Kötter unserer Zeitung ihr Konzept vor.

Demnach soll das Obergeschoss in Anlehnung an den bis dato geführten Hotelbetrieb als „Boardinghouse“ genutzt werden. Die Zimmer sollen schon ab 12,50 Euro pro Tag zum Beispiel Monteuren angeboten werden.

Also kein Konzept mit Unterbringung von Gastarbeitern und Flüchtlingen? „Wir hatten für das Objekt verschiedene Konzepte. Es ist für uns eine Immobilie mit verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten. Nachdem von der Stadt – insbesondere Bürgermeister und Amtsleiter – ganz klar dargestellt wurde, dass dieses (die Unterbringung von Flüchtlingen und Gastarbeitern, die Redaktion) seitens der Stadt nicht gewünscht ist, haben wir signalisiert, dass wir so dann die Idee verwerfen. Das Konzept des „Boardinghouse“ wurde ebenso vorgestellt und wird somit favorisiert“, erklärte die Investorengemeinschaft.

Bürgermeister Dr. Thomas Schulze wollte vor der politischen Beratung des Verwaltungsausschusses am Montag keine Stellungnahme zu dem Thema abgeben.

„Das ,Boardinghouse‘ soll in Zukunft für günstiges Wohnen auf Zeit in Diepholz stehen,“ so Michael Kötter. „Unser Konzept stellt eine flexible und preisgünstige Hotelalternative in Diepholz dar. Das Einzige, was dem Hotel fehlt, ist ein umfangreicher Service. Verzichtet wird bewusst auf Lobby, extravaganten Service und Spa. Eingecheckt wird über einen Buchungsautomaten.“

In einem Gespräch sei Bürgermeister Dr. Thomas Schulze und Bauamtsleiter Dr. Akbar Nassery das Konzept vorgestellt worden. Dabei wurde den beiden Investoren deutlich gemacht, dass die Stadt Diepholz nach wie vor das Vorkaufsrecht für das ehemalige Hotel Steuding habe.

Wenn die Stadt von dem Vorkaufsrecht Gebrauch macht, wird sie wahrscheinlich das Hotel-Gebäude abreißen und das Gelände zu einem Parkplatz machen, verlautete aus Politiker-Kreisen.

„Den langfristig geschlossenen Mietvertrag müsste die Stadt jedoch erst einmal übernehmen“, gibt sich Investor Michael Kötter kämpferisch und hofft auf eine Lösung, die beide Seiten zufrieden stellt. Dass die Stadt Diepholz erst Interesse an dem Objekt gezeigt habe, nachdem es verkauft worden war, könne er nicht nachvollziehen. Erste Investitionen hätten die vermeintlichen Käufer schließlich bereits getätigt.

Dem öffentlich zugänglichen Exposé über das Hotel Steuding ist unter anderem zu entnehmen, dass Gastronomie und Betreiber-Wohnung 530 Quadratmeter groß sind und sich die Grundstücksfläche auf etwa 1400 Quadratmeter beläuft.

Unabhängig vom Hotel Steuding berät die Stadt am Montag auch, ob sie das Vorkaufsrecht für den Bahnhof wahrnehmen soll. Dabei muss sie beachten, dass der Bahnhof von der Deutschen Bahn nicht entwidmet ist. Der neue Eigentümer muss also die Nutzung mit der Bahn abstimmen – es ist eben noch ein Bahnhof. Ein Geschäftsmann aus dem südlichen Landkreis Diepholz soll das Gebäude ersteigert haben.

Das ebenfalls in Berlin versteigerte bisherige BahnVerwaltungsgebäude daneben haben zwei Diepholzer gekauft.

Ob sie es behalten können, entscheidet sich voraussichtlich auch am Montag in der nichtöffentlichen Sitzung des Verwaltungsausschusses der Stadt Diepholz.

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