Von der Stadt Diepholz in Auftrag gegebenes Gutachten sieht acht Kritikpunkte

Krankenhaus-Szenario „nicht nachvollziehbar“

+
Die Diepholzer Bürger kämpfen weiter um den Erhalt ihres Krankenhauses. Am Mittwoch um 17.30 Uhr soll eine Menschenkette um die Klinik gebildet werden.

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Das vom Landkreis Diepholz in Auftrag gegebene Gutachten zur wirtschaftlichen Situation und strategischen Ausrichtung der Alexianer Landkreis Diepholz GmbH – also zur Situation und Zukunft der Krankenhäuser in Diepholz, Sulingen und Bassum – hat offenbar Schwächen. Ein bewertendes Gutachten zu dem Gutachten, das die Stadt Diepholz am 23. Juni in Auftrag gegeben hatte und das seit gestern vorliegt, beschreibt acht Kritikpunkte.

So bezeichnet die Warth & Klein Grant Thornton AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (Düsseldorf), die das von der Lohfert & Lohfert AG im Auftrag des Landkreises erstellte Gutachten unter die Lupe nahm, das vom Landkreis favorisierte Szenario (unter anderem Abschaffung der Chirurgie in Diepholz und Verlegung der Urologie nach Bassum) auf Basis der in der Präsentation dargestellten Daten und Annahmen als „nicht nachvollziehbar“, da wichtige Quellen und Informationen nicht angegeben werden. Zudem sei die Verzahnung der Diepholzer Klinik mit örtlichen Kassenärzten im Lohfert&Lohfert-Gutachten nicht berücksichtigt worden.

Das originale Gutachten sei bisher nicht einsehbar. Somit bezieht sich die Bewertung durch die Düsseldorfer Wirtschaftsprüfer im Auftrag der Stadt auf die vom Landkreis veröffentlichte Präsentation.

„Die Entscheidung für ein Szenario ist im Wesentlichen unter Versorgungsgesichtspunkten vorgenommen worden, obgleich der Auftrag des Landkreises Diepholz eine ausdrückliche Berücksichtigung der beiden Aspekte Wirtschaftlichkeit und Versorgung vorsah“, heißt es in dem bewertenden Gutachten.

Eine Entscheidung, die wirtschaftliche Gesichtspunkte weitgehend ausklammert, könne keine verlässliche Basis für Investitionsentscheidungen beziehungsweise die Frage einer Weiterführung eines Klinikbetriebs sein, so die Düsseldorfer Wirtschaftprüfer weiter.

In dem Gutachten der Warth & Klein Grant Thornton AG, das unserer Zeitung vorliegt, heißt es zudem: „Die wirtschaftlichen Gesichtspunkte der Kliniken im Landkreis Diepholz und Strukturdaten des Umfeldes sind bei der Entscheidungsfindung weitgehend unberücksichtigt geblieben, wobei die Klinik Diepholz im Vergleich zu den anderen Kliniken des Landkreises im Gutachten im Hinblick auf Auslastung und Fallzahlen verhältnismäßig positiv abschneidet.“

Die Ursache der Ergebnisverschlechterung im Geschäftsjahr 2014 der drei Kliniken im Landkreis Diepholz könne nicht nachvollzogen werden. Die von der Stadt beauftragten Gutachter: „Es wird keine Planung der künftigen Erträge und Aufwendungen insbesondere unter Berücksichtigung möglicher Optimierungspotenziale zugrunde gelegt. Stattdessen erfolgt die Entscheidung anhand von Fahrtzeiten der Bürger und angenommenen Mindestkapazitäten zur Wirtschaftlichkeit von Kliniken, die bei etwa 150 Betten liegen sollen.“

Die Wettbewerbsanalyse der einzelnen Kliniken zu anderen Kliniken außerhalb des Landkreises würden ebenfalls nicht in die Wertung einbezogen, obgleich neben den Kliniken im Landkreis Vechta, die in Konkurrenz zur Klinik Diepholz stehen, eine mindestens ebensolche Konkurrenz des Klinikstandortes Bassum zu den Kliniken in Bremen, Delmenhorst und Wildeshausen bestehe.

Ein weiterer Kritikpunkt der Gutachter: „Die Attraktivität der Standorte vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Umfeldes, der Bevölkerungsentwicklung und der Altersstruktur bleiben unberücksichtigt.“ So weise die Kreisstadt Diepholz eine positive wirtschaftliche Entwicklung mit einer zunehmenden Anzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Arbeitnehmer aus.

Die Tatsache, dass die Klinik Diepholz in den Bereichen Urologie und Herzkatheter eine positive, über die Landkreisgrenzen hinausgehende Reputation genießt, zeige, dass der Klinikstandort für die Akquirierung hoch qualifizierter Mitarbeiter attraktiv ist.

Aufgrund der offenen Fragen empfehlen die Düsseldorfer Gutachter, die Entscheidung über die Krankenhausstruktur im Landkreis Diepholz noch nicht am 13. Juli 2015 zu treffen, sondern die offenen Punkte zuvor zu klären.

Das 13-seitige Gutachten nennt auch Zahlen zur Versorgungslage. Demnach gibt es im Landkreis Diepholz 22,5 Krankenhaus-Betten pro 10000 Einwohner, im Landkreis Vechta sind es 66,6 (Durchschnitt in Niedersachsen 51,2). Das sei bei Verhandlungen mit dem südoldenburger Nachbarlandkreis zu berücksichtigen.

Menschenkette

um die Klinik

Unterdessen ruft die Bürgerinitiative zum Erhalt der Klinik Diepholz zu einer weiteren Protestaktion auf: Eine Menschenkette soll sich am Mittwoch, 8. Juli, ab 17.30 Uhr rund um das Krankenhaus bilden.

„Wir appellieren an alle Mitarbeiter und Bürger“, heißt es in dem Aufruf der Bürgerinitiative zur Teilnahme an der Menschenkette. Die Aussage soll sein: „Wir lassen uns nicht umstrukturieren“.

Zudem teilte Jolanta Malan als Sprecherin der Bürgerinitiative „Gemeinsam für unser Krankenhaus“, die inzwischen mehr als 14000 Unterschriften für den Erhalt der Klinik Diepholz gesammelt hat, unserer Zeitung mit, dass auch heimische Firmen ihre Unterstützung zugesichert haben.

Mehr zum Thema:

Pflanzung neuer Bäume im St.-Jakobiwald Wittlohe

Pflanzung neuer Bäume im St.-Jakobiwald Wittlohe

Frühjahrskonzert in Diepholz

Frühjahrskonzert in Diepholz

Das sind die „Allradautos des Jahres 2017“

Das sind die „Allradautos des Jahres 2017“

Löws Ruckrede: "WM-Titel ist mein Ziel"

Löws Ruckrede: "WM-Titel ist mein Ziel"

Meistgelesene Artikel

Frühlingsmarkt lockt Besucher

Frühlingsmarkt lockt Besucher

24-Jähriger bei Unfall schwer verletzt

24-Jähriger bei Unfall schwer verletzt

Problem Brandschutz: Barrier Grundschule muss auf größten Raum verzichten

Problem Brandschutz: Barrier Grundschule muss auf größten Raum verzichten

„Best Place to Learn“: Lloyd Shoes setzt in der Ausbildung auf Teamarbeit

„Best Place to Learn“: Lloyd Shoes setzt in der Ausbildung auf Teamarbeit

Kommentare