Schulen in Diepholz / Ausweitung in den Nordkreis

Pilot-Projekt: „Sprungbrett“ ins Berufsleben

Kein Kinderspiel: Die Berufswahl ist eine der wichtigsten Lebensentscheidungen, dafür brauchen Jungen und Mädchen Unterstützung. Messen – wie die Berufs-Informations-Börse BIB (Foto) – gibt es bereits. Das Projekt „Sprungbrett“, das persönliche Gespräche unter Einbeziehung von Eltern bietet, ist neu. Foto: Archiv/Jantje Ehlers
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Kein Kinderspiel: Die Berufswahl ist eine der wichtigsten Lebensentscheidungen, dafür brauchen Jungen und Mädchen Unterstützung. Messen – wie die Berufs-Informations-Börse BIB (Foto) – gibt es bereits. Das Projekt „Sprungbrett“, das persönliche Gespräche unter Einbeziehung von Eltern bietet, ist neu.

Die Berufswahl ist eine der wichtigsten Lebensentscheidungen. Aber nicht alle Jugendlichen erhalten in dieser Phase ausreichend Unterstützung für die passgenaue Wahl. Genau das will das Pilot-Projekt „Sprungbrett“ ändern. An drei Schulen in Diepholz ist es bereits installiert – mit der Option auf Ausweitung in den Nordkreis.

Diepholz – Was will ich werden? Für Jugendliche, die weder ausreichende berufliche Alternativen kennen noch ihre eigenen Stärken und Schwächen, ist das keine einfache Frage. Um so schwieriger ist sie für die Jungen und Mädchen, die von ihren Eltern keine ausreichende Unterstützung erhalten. Ihnen – und auch Jugendlichen mit Migrationshintergrund – diese Weichenstellung für ihr Leben zu erleichtern, ist Ziel des Pilot-Projekts „Sprungbrett“.

Im Jugendhilfeausschuss, der unter der Leitung von Michael Albers (SPD) im Diepholzer Kreishaus tagte, präsentierten Projektbeteiligte das Konzept und eine erste Bilanz von „Sprungbrett“, das zunächst auf drei Schulen in Diepholz beschränkt ist. Ziel ist es, diese personifizierte Berufswahl-Unterstützung auch im Nordkreis zu installieren.

Berater bieten vertrauliche Gespräche an

„Sprungbrett“ ist eine Kooperation der Bundesagentur für Arbeit in Diepholz, des Jobcenters sowie des Pro-Aktiv-Centers und wird gefördert mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds sowie des Landes. Mathias Pornhagen, beim Landkreis zuständig für die Jugendberufshilfe, erläuterte den Ausschuss-Mitgliedern als zuständiger Mitarbeiter des Landkreises, wie das „Sprungbrett“-Team arbeitet.

„Mach Deinen Sprung“ motiviert das Team, zu dem Rainer Lagemann und Susanne Weißhaupt gehören, in einem Faltblatt für die Jugendlichen. Die Berater bieten dafür regelmäßig kostenlose, freiwillige und vertrauliche Gespräche an.

An der Jahnschule Diepholz sind es Jungen und Mädchen in den Jahrgängen acht und neun (vier Klassen), die vom „Sprungbrett“ profitieren – außerdem vier neunte Klassen an der Realschule Diepholz sowie zwei Berufseinstiegsklassen am Berufsbildungszentrum Dr. Jürgen Ulderup. Insgesamt, so berichtet Mathias Pornhagen, sind es 220 Schüler.

Zum Konzept gehören Vorgespräche mit den Klassenlehrern und den Sozialpädagogen an den jeweiligen Schulen – mit dem Ziel, besondere Herausforderungen zu erörtern. Dazu gehört die Frage, ob es Schulverweigerer gibt.

Ausbildung oder weiterführende Schule?

Fragebögen sensibilisieren die Schüler für das Thema Berufswahl und geben dem Team konkrete Informationen über ihre Klienten – Vorbereitung für die Einzelgespräche mit den Jungen und Mädchen, die mit Einbindung der Eltern, der Schulsozialpädagogen oder der Klassenlehrer geführt werden können.

Nach diesen persönlichen Gesprächen bietet eine offene Sprechstunde den Schülern die Möglichkeit, persönliche Fragen zu ihrem ganz speziellen Berufswunsch zu klären oder notwendige Informationen einzuholen – einmal pro Monat.

Unabhängig davon gibt es ein Informationsangebot für Eltern und ebenso die Möglichkeit, bei Schülern mit besonderem Unterstützungsbedarf das Know-how des Pro-Aktiv-Centers zu nutzen.

Zum Schuljahresende soll mit allen Schülern ein Abschlussgespräch geführt und genau dokumentiert werden, wo sie anschließend bleiben: Starten sie mit einer Ausbildung direkt ins Berufsleben – oder besuchen sie eine weiterführende Schule?

Positives Feedback im Fokus

„Niemand soll verloren gehen“, beschreibt Mathias Pornhagen das erklärte Ziel. Er berichtet über positive Erfahrungen mit dem Projekt, das im vergangenen Jahr gestartet war. Die Kooperation mit den drei beteiligten Diepholzer Schulen funktioniere gut und die Bereitschaft der Schüler, dieses neue Berufsberatungsangebot anzunehmen, sei ebenfalls gut. Aber: Die Vorbereitung sowie das Zeitfenster der Schüler könnten noch verbessert werden, so Pornhagen mit Blick auf Klassenarbeiten oder Unterrichtsausfall. Verbesserungswürdig sei ebenso der Bekanntheitsgrad des neuen Projekts bei allen Lehrkräften an den drei Schulen.

Für Marlis Winkler, Geschäftsführerin der Diakonie in den Kirchenkreisen Syke-Hoya und Diepholz, ist „Sprungbrett“ ein spannendes Projekt. Denn die Diakonie begleitet über ihren Jugendmigrationsdienst junge Menschen mit ausländischen Wurzeln.

Wie lässt sich das „Sprungbrett“ auf andere Bereiche und andere Schulen ausweiten? Diese Frage, so Detlef Klusmeyer als Leiter des Landkreis-Fachdienstes Jugend, werde eine spezielle Lenkungsgruppe klären.

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