Betriebe suchen noch Azubis

Speeddating bei Berufsmesse in Diepholz

Diepholz - Von Katharina Schmidt. Ob es Liebe auf den ersten Blick gibt, ist umstritten – schon eine kurze Begegnung kann aber zweifelsohne ein vielversprechender Anfang sein. So ist das nicht nur bei privaten Partnerschaften, sondern auch zwischen Arbeitgebern und Bewerbern.

Daher bietet die Arbeitsagentur auf der Diepholzer Berufsmesse am Samstag, 20. Mai, ein Azubi-Speeddating an. Für die teilnehmenden Betriebe ist die Suche nach der oder dem „Richtigen“ teils zermürbend.

Elf Unternehmen halten in zehnminütigen Kennenlern-Gesprächen nach Jugendlichen Ausschau, die noch in diesem Jahr eine Ausbildung beginnen möchten. Das Ganze geschieht von 9.30 bis 12.30 Uhr im Berufsbildungszentrum (BBZ) Dr. Jürgen Ulderup an der Schlesierstraße 13 in Diepholz.

Das vereinzelte Stellen noch frei sind, hat laut Vertretern der Firmen vor allem mit der Qualität vieler Bewerber zu tun. Ihre vernichtenden Wertungen: „unterdurchschnittlich“, „bescheiden“ – oder wie es Wilfried Finke von der Barnstorfer Maschinenfabrik Lubing ausdrückt: „Die Qualität war nicht so, wie wir es erwartet haben“. Dabei habe Lubing eine Menge Bewerbungen erhalten. Oft scheitere es an der Motivation junger Menschen. Bei manchen Zeugnissen sei die Zahl der unentschuldigten Fehltage so hoch, dass man die Bewerbung gleich zur Seite legen könne, erzählt er. Laut Sebastian Lampe von der Firma Niemeier Beton kommen manche Bewerber selbst zum vereinbarten Gesprächstermin nicht.

Aber wieso lässt die Motivation scheinbar nach? „Die zweijährigen Ausbildungsberufe genießen keinen guten Ruf“, vermutet Angela Holle. Sie ist Personalerin bei der BASF Polyurethanes in Lemförde und kennt die Probleme mit Bewerbungen. Viele der noch zu vergebenden Ausbildungen erstrecken sich ihr zufolge über 24 Monate – Schüler und Eltern würden aber längere Ausbildungen vorziehen.

Außerdem hat Holle den Eindruck, dass Jugendliche die Entscheidung der Berufswahl nach hinten verschieben. Viele würden eher auf die Fachoberschule wechseln, anstatt sich auf eine Lehrstelle zu bewerben. „Oft wird es als Last empfunden, dass man eine Entscheidung treffen muss“, sagt sie. In ihren Augen sind die große Auswahl an Möglichkeiten und die vielen Informationen ein Privileg: „Man darf sich entscheiden.“

Das Speeddating ist für jeden offen. Es kann zum Beispiel „für diejenigen gut sein, deren Zeugnis kleine Macken hat“, sagt Harald Henseler, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Nienburg-Verden. Wenn es menschlich passt, könnten Firmen über Schwächen hinwegsehen.

Die Erfahrung von Unternehmensvertretern, die bereits 2016 beim Speeddating dabei waren, zeigt: Es kommen oft nette Gespräche zustande und in Einzelfällen – nach weiteren Bewerbungsschritten – sogar Ausbildungsverträge. Selbst wenn es nicht sofort die große „Liebe“ ist – vielleicht kann das „Dating“ zumindest die Neugier wecken. Sowohl bei Schülern als auch bei Firmen.

11 Arbeitgeber, 14 Berufe

Bei Azubi-Speeddating dabei sind die Arbeitgeber Niemeier Beton, Reifen Günther, Hotel Roshop, Diakonissen-Mutterhaus Altvandsburg, Kastens Landtechnik, BASF Polyurethanes, Lubing Maschinenfabrik, Gepro Geflügelprotein Vertriebsgemeinschaft, Kaufhaus Ranck, Stadtwerke Huntetal und die Deutsche Post. Sie bieten folgende Ausbildungsberufe an: Berufskraftfahrer/in, Mechaniker/in für Reifen- und Vulkanisationstechnik, Fachlagerist/in, Koch/Köchin, Hotelfachmann/-frau, Restaurantfachmann/-frau, Hauswirtschafter/in, Kaufmann/-frau für Büromanagement, Produktionsfachkraft Chemie, Maschinen- und Anlagenführer/in, Fachkraft für Metalltechnik, Kaufmann/-frau im Einzelhandel, Fachwirt/in Vertrieb im Einzelhandel sowie Fachkraft Kurier-, Express- und Postdienstleistungen.

Rubriklistenbild: © dpa

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