Sammlung wiederentdeckt

Sonderluftpost-Wertzeichen erzählen Geschichte

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Vor den mit Briefmarkenalben zum Thema „DDR“ gefüllten Schränken in seinem Arbeitszimmer nahm Karl-Friedrich Fick (l.) erfreut das Album mit den letzten Briefmarken-Privatganzsachen der DDR, die als letzte Sonderluftpost der DDR befördert wurden, von Wolfgang Zellhorst entgegen.

Diepholz - „Keine vier Tage vor der Einheit Deutschlands, am Samstag, 30. September 1990, starteten um 13 Uhr auf dem Armeeflugplatz in Kamenz/Sachsen um 13 Uhr eine L-410 und eine AN-2 der Transportfliegerausbildungsstaffel 45 der NVA zur letzten Sonderluftpostbeförderung in der Geschichte der DDR-Philatelie. Erstmalig in diesem Staat wurde eine Sonderluftpostbeförderung mit zwei verschiedenen Flugzeugen gleichzeitig durchgeführt.“ Dies ist der Anfang einer Expertise zu einer jetzt in Diepholz aufgetauchten Sammlung von Briefen und Postkarten mit einer einzigartigen Geschichte.

Die Ereignisse um die Vereinigung Deutschlands ließen keinen Flug zu einem anderen Flugplatz zu. So fanden beide Flüge nur als Rundflüge statt. Der Philatelisten-Verein Kamenz/Westlausitz gab zu diesem Ereignis die letzten „Privatganzsachen“ der DDR heraus – dabei die ersten mit 30-Pfennig-Postkarte „Goethe/Schiller“.

Ganzsachen sind laut Inter-Lexikon Wikipedia „im Voraus bezahlte philatelistische Belege mit Wertzeicheneindruck, zum Beispiel Postkarten, Umschläge, Streifbänder, Kartenbriefe.“

„Schätzchen“ in unscheinbarem Karton

Der Diepholzer Wolfgang Zellhorst öffnete vor kurzem einen Umzugskarton, der seit über 15 Jahren ungeöffnet in der Ecke gestanden hatte. Also waren darin nur Dinge, die er die ganze Zeit nicht vermisst oder gebraucht hatte. Er hätte diesen Karton also auch ungeöffnet auf den Müll werfen können. Bei Durchstöbern entdeckte er dann ein „Schätzchen“, das bei ihm interessante Erinnerungen weckte,

Im Jahr 1991 war er als Hauptmann und Vorsitzender der Standortkameradschaft Diepholz des Deutschen Bundeswehr-Verbandes (DBwV) auf einer Veranstaltung dieses Verbandes in Dresden gewesen. Anlass war ein im Frühjahr 1991 vom DBwV veranstaltetes Treffen zwischen DBwV-Bundeswehr--Angehörigen und ehemaligen Angehörigen der Nationalen Volksarmee (NVA) auf einem – mangels Hotel- Kapazitäten – auf der Elbe in Dresden ankernden Hotelschiff.

Philatelisten in Uniform

Neben dem Kennenlernen von Dresden und seiner Umgebung – die Frauenkirche war damals noch ein riesiger Trümmerhaufen – für die „Wessis“, war das Ziel der Begegnung das Näherkommen zwischen Alt-Bundeswehrsoldaten und den neuen Kameraden, die kurz zuvor die Uniform wechseln mussten und versuchten, sich in der Bundeswehr zu orientieren.

Während des kameradschaftlichen Teils dieser Begegnung zeigten einige der ehemaligen NVA-Soldaten aus dem (sorbischen) Kamenz die philatelistischen Sonderluftpost-Sachen. Diese hatten sie aus Anlass der Wiedervereinigung Deutschlands und der damit verbundenen Zusammenführung von NVA und Bundeswehr zusammen mit dem Philatelisten-Verein Kamenz/Westlausitz als letzte Luftpost der DDR initiiert und realisiert.

Album geriet in Vergessenheit

Wolfgang Zellhorst kaufte ein Exemplar der Sammlung in der Hoffnung, dass diese vielleicht später mal etwas Besonderes werden könnte – und als Erinnerung an diesen, für ihn sehr interessanten Besuch in Dresden.

Dann geriet das Album, in das er die Sammlung eingefügt hatte, in Vergessenheit.

Als er vor Kurzem als Berichterstatter unserer Zeitung über die Veranstaltung zum 50. Bestehen des Diepholzer Briefmarken- und Münztauschzirkels im Haus Herrenweide war, hatte er das wiedergefundene Album mitgenommen.

Zu seiner Überraschung traf er dort seinen alten Bekannten und Freund Karl-Friedrich Fick wieder, von dem er nicht wusste, dass er Briefmarkensammler mit dem Schwerpunkt „DDR“ ist.

300 Alben mehrere Komplettsammlungen

Der Diepholzer war an dem Album und dessen Geschichte sehr interessiert. Beide waren sich sehr schnell einig, dass die jahrzehntealten „Philatelistischen Schätzchen“ in der Sammlung von Karl-Friedrich Fick am besten aufgehoben wären. Jetzt übergab Zellhorst das Album und staunte über die umfangreiche Sammlung.

Karl-Friedrich Fick ist Briefmarkensammler seit 1994. Er hat sich auf die Sammelgebiete Bundesrepublik Deutschland und DDR spezialisiert. Von beiden Gebieten hat der Diepholzer in etwa 300 Alben mehrere Komplettsammlungen – sowohl postfrisch als auch gestempelt. In weiteren 100 Alben hat Fick Dubletten.

Zunächst erweiterte er sein philatelistisches Wissen autodidaktisch und trat dann 2015 dem Briefmarken- und Münztauschzirkel Diepholz bei.

Karl-Friedrich Ficks Ziel ist es, seine Sammlung zu spezialisieren. Er hat daher seine Neuerwerbung zum Bereich „Luftpostausgaben DDR“ hinzugefügt.

wz

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