Aufwändiges Ausbildungsprojekt für syrische Flüchtlinge auf dem Fliegerhorst

Soldaten vermitteln Handwerk-Kenntnisse

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Gemeinsam bauen Soldaten der 6. Staffel des Objektschutzregiments der Luftwaffe auf dem Diepholzer Fliegerhorst mit syrischen Flüchtlingen „multifunktionale Holzkonstruktionen“ im Rahmen des aufwändigen Ausbildungsprogramms.

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Die 6. Staffel des Objektschutzregiments der Luftwaffe macht mit beim Ausbildungsprogramm für syrische Flüchtlinge – ein für die Bundeswehr sehr aufwändiger und kostenintensiver Auftrag.

Abdulrazzag Nasser setzt den Akkuschrauber an. Der 22-jährige Syrer schraubt damit einen Balken fest. Auf dem Fliegerhorst Diepholz baut er zusammen mit anderen Flüchtlingen massive Holzunterstände und lernt dabei Grundzüge der Zimmerei und anderer Bau-Berufsfelder.

Wissen soll überall auf der Welt hilfreich sein

Das Ausbildungsprogramm startete Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen 2016 in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit beziehungsweise den örtlichen Jobcentern. Es verfolgt zwei Ziele: Die Flüchtlinge sollen handwerkliche Fertigkeiten bekommen, die sie beim Wiederaufbau ihres durch den Bürgerkrieg zerstörten Landes einsetzen können, die aber auch ihre Chancen auf dem deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt erhöhen. Ganz nebenbei verbessert die Zusammenarbeit mit deutsche Soldaten noch ihre Sprachkenntnisse.

140 Flüchtlinge nahmen im ersten Jahr an drei Standorten an dem Projekt teil. Die Gesamtkosten für die Bundeswehr beliefen sich laut Oberstleutnant Axel Zwiffelhoffer vom „Kommando Luftwaffe“ (Köln) auf etwa zwei Millionen Euro.

Ausbildungsorte in Deutschland: Diepholz, Berlin und Bogen (Bayern)

Wie hoch die Gesamtkosten für die zweite Auflage des Projekts in diesem Jahr sind, ist noch nicht bekannt. Sie dürften nicht ganz so hoch wie im vergangenen Jahr liegen, da einige spezielle Geräte zur Ausbildung schon angeschafft worden sind. Dieses Jahr vermittelt die Bundeswehr den Syrern an den drei Standorten Diepholz, Berlin und Bogen (Bayern) Grundkenntnisse in unterschiedlichen Berufszweigen – neben Handwerk und Bau auch im Pflegebereich.

Auf dem Diepholzer Fliegerhorst läuft derzeit für den Bereich „Nordwest“ das Projektmodul „Bau“. Ausbilder sind Soldaten. Diese „Luftwaffenpioniere“ haben vor ihrem Eintritt in die Bundeswehr einen handwerklichen Zivilberuf gelernt und vermitteln den Flüchtlingen nun Grundzüge von Zimmerei, Dachdeckerei, Straßenbau und Pflasterung sowie Beton- und Stahlbetonbau. „Die Soldaten freuen sich, das in ihren Zivilberuf Erlernte weitergeben zu können“, beschreibt Staffelchef Oberstleutnant Ralf Himmelreich die Stimmung. Auch die Flüchtlinge seien sehr motiviert und engagiert.

Feldjäger kümmern sich um den Transport der Beteiligten

Die jeweiligen Jobcenter hatten aus 60 Bewerbern knapp 30 für das Projekt im Nordwesten mit den Modulen Bau, Handwerk und Technik ausgesucht. Das Projekt „Ausbildungsverbund Nordwest“ begann am 20. März in Diepholz und endet am 9. Juni nach dem Modul Technik bei der Wehrtechnischen Dienststelle 91 in Meppen. Das Modul „Handwerk (18. April bis 12. Mai), bei dem Container zu Sanitäranlagen beziehungsweise einer mobilen Teeküche ausgebaut werden, betreibt das Bundeswehrdienstleistungszentrum Oldenburg auf dem Diepholzer Fliegerhorst.

Die Teilnehmer kommen aus der ganzen Weser-Ems Region – von Nordenham bis Osnabrück. 14 Flüchtlinge, die am weitesten entfernt leben, wohnen derzeit in einem Hotel in Vechta. Die im näheren Umkreis von Diepholz lebenden Syrer werden täglich von Fahrern der Bundeswehr abgeholt und abends wieder zu ihren Unterkünften beziehungsweise Wohnungen gebracht. Feldjäger kontrollieren die Flüchtlinge beim Zugang auf den Fliegerhorst.

Je vier Ausbilder und ein Sprachvermittler kümmern sich um sieben Flüchtlinge

Die 28 Teilnehmer sind in Gruppen zu je sieben aufgeteilt. Für jede Gruppe stehen vier Soldaten als Ausbilder bereit – dazu noch je ein extern engagierter Sprachvermittler. Die Verpflegung fahren Soldaten des Objektschutzregiments aus der Truppenküche in eine Unterkunft auf dem umzäunten Übungsbereich der „Luftwaffenpioniere“, den die Flüchtlinge während ihrer Ausbildung tagsüber nicht verlassne dürfen.

Die am Projekt beteiligten Soldaten haben zuvor ein „interkulturelles Seminar“ absolviert. „In dem Projekt wurden schon viele Vorurteile abgebaut“, berichtet Staffelchef Oberstleutnant Himmelreich – auf beiden Seiten. Die Flüchtlinge hätten aus ihrer Heimat ein ganz anderes Bild von Soldaten gehabt als sie jetzt bei der Bundeswehr erleben.

Die am Projekt teilnehmenden Syrer im Alter von „Mitte 20 bis Mitte 50“ haben sehr unterschiedliche Vorbildungen „Von gar nichts bis Zahnarzt und Schriftsteller“, so Staffelchef Himmelreich.

Was gebaut wird, wird von der Bundeswehr später auch genutzt

„Eine handwerkliche Ausbildung wie in Deutschland gibt es in Syrien nicht“, erklärte Oberstleutnant Carsten Wilfert, stellvertretender Kommandeur des II. Objektschutzbataillons der Luftwaffe und Projektverantwortlicher. Dort lernen im Handwerk die Söhne vom Vater.

Hilfreich bei der Arbeitsplatzsuche in Deutschland seien die Zertifikate, die die Flüchtlinge am Ende des Projektes bekommen, betont Marc Klapprott vom Jobcenter Diepholz. Dadurch kann ihnen auch Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit bescheinigt werden.

Bis auf die Übungs-Pflasterungen wird alles, was Flüchtlinge und Soldaten in dem gemeinsamen, von der Bundeswehr ausgearbeiteten Ausbildungsprojekt bauen, später genutzt: Die zehn Holzbauten werden beispielsweise Raucherhütten oder Fahrrad-Unterstellmöglichketen in Bundeswehreinrichtungen. Eine dieser Holzkonstruktionen soll die Stadt Diepholz bekommen. Sie soll am Teich hinter dem Rathaus aufgestellt werden.

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