IHK sieht „nachhaltige Schwächung des eigentlichen Ortskerns von Diepholz“

Kritisches Gutachten zur Famila-Ansiedlung

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Das Gelände östlich des Diepholzer Bahnhofs, auf dem der Famila-Markt entstehen soll, gestern im „Winterkleid“. Im Planverfahren zur Ansiedlung ist jetzt ein kritisches Gutachten aufgetaucht.

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Nicht ganz so glatt, wie mancher erhofft hatte, läuft das Verfahren zur Ansiedlung des Famila-Marktes im Osten von Diepholz. Ein zweites Gutachten, das des großen Markt kritisch sieht und negative Auswirkungen auf den Einzelhandel in Diepholz befürchtet, tauchte jetzt auf. Es wurde bereits im Februar 2015 erstellt, war bislang aber nie Thema in öffentlichen Sitzungen der Ratsgremien.

Auftraggeber dieses Gutachtens war Ste phan Immega, Inhaber des Diepholzer E-Centers, das etwa so groß wie der geplante Famila-Markt ist. Das Büro Dr. Lademann & Partner (Hamburg) kommt in dem Gutachten unter anderem zu dem Schluss: „Nach den Ergebnissen der Wirkungsprognose wird es innerhalb von Diepholz zu einer Umsatz-Umverteilungsquote von 13 bis 14 Prozent kommen. Angesichts der intensiven Wettbewerbssituation sind Betriebsaufgaben daher nicht unwahrscheinlich. Dies gilt auch für den Combi-Markt in Diepholz, der für die Innenstadt eine wichtige Magnetfunktion übernimmt.“

Diepholz weise eine deutlich über dem Durchschnitt liegende „nahversorgungsrelevante Verkaufsflächendichte“ von rund 820 Quadratmeter je 1000 Einwohner auf (Bundesdurchschnitt: 500 Qudratmeter). Auch die „nahversorgungsrelevante Einzelhandelszentralität“ falle mit rund 131 Prozent vergleichsweise hoch aus. „Dies deutet bereits heute auf eine sehr intensive Wettbewerbssituation hin, die sich mit der Famila-Ansiedlung noch verschärfen würde“, so das Gutachten. Auch entspreche das Vorhaben trotz der geringen Entfernung „aufgrund der stadtstrukturell deutlich von der Innenstadt abgesetzten Lage am Rande der östlichen Kernstadt nicht vollumfänglich dem städtebaulichen Integrationsgebot“.

Im städtischen Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Umwelt war die seit Monaten diskutierte geplante Ansiedlung des 3500 großen Famila-Marktes jetzt wieder Thema. Dabei ging es noch nicht um Details, denn es stand nur die Änderung des Flächennutzungsplanes „Groweg“ auf der Tagesordnung – die Ausweisung eines Sondergebietes für „großflächigen Einzelhandel“. Erst wenn der Landkreis diese Flächennutzungsplanänderung genehmigt hat und somit der Rahmen feststeht, will die Stadt den Bebauungsplan aufstellen, der auf Famila zugeschnitten ist. Darin werden dann auch Sortimente aus der Innenstadt aufgelistet, die Famila nicht anbieten darf („Diepholzer Liste“).

Dann dürfte es noch heftige Diskussionen geben, denn es müssen auch die Einwände beispielsweise der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover abgewogen werden. „Wir raten städtebaulich von der Ansiedlung eines Verbrauchermarktes in der vorgesehenen Dimensionierung am Planstandort ab“, schreibt die IHK: „Aus Sicht des Städtebaus ist nach unserer Bewertung klar festzustellen, dass mit der Umsetzung der vorgelegten Planinhalte eine deutliche Verschiebung des Einzelhandelsschwerpunktes innerhalb des Stadtgebietes und eine nachhaltige Schwächung des eigentlichen Ortskerns von Diepholz verbunden sein werden.“

Merkwürdigkeiten traten jetzt schon auf. In der Auflistung der im Planverfahren eingegangenen Anregungen und Bedenken gibt die Stadt Diepholz an, dass ihr das (kritische) Gutachten von Dr. Lademann & Partner nicht vorliege. Stephan Immega hatte dieses allerdings am 22. April 2015 an Bürgermeister Dr. Thomas Schulze und Wirtschaftsförderer Bernd Öhlmann übergeben und wunderte sich nun sehr über die Aussage der Stadt. Das sei ein „redaktioneller Fehler“, erklärte gestern Bürgermeister Schulze unserer Zeitung. Das Gutachten werde selbstverständlich in die Beratungen zum Bebauungsplan mit einfließen.

CDU, SPD und FDP stimmten im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Umwelt für die Änderung des Flächennutzungplanes Groweg. Der Grünen-Vertreter war dagegen. (In der ersten Fassung dieses Berichtes stand, dass auch die SPD dagegen gestimmt habe. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.)

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