Die Landkreise Diepholz und Verden realisieren gemeinsam digitale Alarmierung

Sicherheits-Partnerschaft: Notfallhilfe über Grenzen

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Ein Blick in die Einsatz- und Rettungsleitstelle in Diepholz: (v.l.) Leiter Torsten Meyer mit Klaus Speckmann.

Diepholz/Verden - Von Anke Seidel. Der Ausnahmezustand ist Alltag in der Einsatz- und Rettungsleitstelle, weil die Grenze zwischen Leben und Tod allgegenwärtig ist: Für jeden Notfall organisieren die Disponenten so schnell wie möglich Hilfe. Immer öfter ist das notwendig, weil die Einsatzzahlen stark steigen (wir berichteten) – wie in anderen Landkreisen auch. Deshalb haben die Landkreise Diepholz und Verden eine Sicherheits-Partnerschaft besiegelt. Ihre Leitstellen können sich künftig gegenseitig helfen – mit nur einem Klick.

„Wir führen die digitale Alarmierung gemeinsam ein“, bestätigt Klaus Speckmann als Leiter des Landkreis-Fachdienstes Sicherheit und Ordnung auf Anfrage. Im kommenden Jahr soll das neue System ans Netz gehen. Analoge und digitale Alarmierung laufen dann so lange parallel, bis alle weißen Flecken buchstäblich ausradiert sind.

Es ist eine Sicherheits-Partnerschaft für den absoluten Notfall: Sind alle Disponenten in einer Leitstelle bereits mit einem Notruf beschäftigt und meldet ein Bürger plötzlich einen neuen Notfall, können die Kollegen der Partner-Leitstelle umgehend eingreifen und helfen: Alle Karten und alle Alarmierungspläne sind in beiden Leitstellen hinterlegt.

Dass Aufgaben und Personalbedarf in der Einsatz- und Rettungsleitstelle wachsen, beweist der Stellenplan des Landkreises Diepholz: Insgesamt fünf weitere Disponenten-Stellen sind dort festgeschrieben. „Zwei neue Kräfte haben Anfang des Monats begonnen“, berichtet Speckmann über Zuwachs.

Lebensrettend bei technischem Totalausfall

Die Sicherheits-Partnerschaft mit dem Landkreis Verden ist nicht nur beim Notruf-Überlauf eine entscheidende Hilfe. Sie kann bei einem technischen Totalausfall lebensrettend sein – zum Beispiel dann, wenn ein Bagger versehentlich elementare Leitungen durchtrennen sollte, nennt der Fachdienstleiter ein Beispiel. Genau das war in der Kreisverwaltung vor Jahren schon vorgekommen, die Leitstelle war damals nicht betroffen.

Bei einem Totalausfall könnte die Leitstelle Verden mit der digitalen Alarmierung im Nu das Notfallmanagement für den Landkreis Diepholz übernehmen – und umgekehrt. „Das Einsatzgeschehen läuft im Hintergrund parallel mit“, beschreibt Speckmann das neue System. Mit einem Klick können es sich die Disponenten auf den Bildschirm holen.

Doch dafür muss eine passgenaue Ausstattung geschaffen werden. „Der Landkreis Verden hat beschlossen, die gleiche Hardware anzuschaffen“, beschreibt Speckmann einen elementaren Schritt. Die Software sei in beiden Leitstellen bereits identisch.

Vor allem aber müssen für die Freiwilligen Feuerwehren, Rettungsdienste und andere Hilfsorganisationen digitale Meldeempfänger angeschafft werden – im Landkreis Diepholz mehr als 2 000, im Landkreis Verden etwa 1 500 solcher Geräte. Kosten pro Stück: zwischen 200 und 300 Euro, die für die Feuerwehren die jeweiligen Kommunen übernehmen.

Bis zu 30 neue Meldeempfänger im Landkreis Diepholz

Die Kreisfeuerwehren Diepholz und Verden seien zurzeit dabei, ihre Alarm- und Ausrückordnungen zu harmonisieren, berichtet der Fachdienstleiter über einen weiteren Schritt.

Unabdingbar für die Nutzung der neuen Meldeempfänger: digitale Alarmumsetzer, kurz DAU. Bis zu 30 solcher Geräte müssen im Landkreis Diepholz installiert werden, damit im Netz der Hilfe keine Masche fällt. Sie sollen an Feuerwehr-Gerätehäusern angebracht werden. Im Landkreis Verden sind aktuellen Berechnungen zufolge bis zu 20 solcher Alarmumsetzer notwendig.

Einstimmige Beschlüsse in den Kreisgremien beweisen, dass die Politiker in der digitalen Alarmierung einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit in der Zukunft sehen – zumal die Leitstellen neue Aufgaben übernehmen müssen. Wie wie E-Call – ein System, das in Neufahrzeugen bei einem Unfall automatisch einen Notruf absetzt.

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