Auf dem Rückweg von Berlin abgestürzt

Short Stirling bohrt sich in Glades Weide

Auch die zahlreichen Scheinwerferstellungen griffen wie in Schorlingkamp mit leichter Bewaffnung in die Luftabwehrkämpfe ein: Hier Luftwaffensoldaten der Batterie in Süstedt bei der Ausbildung am Maschinengewehr. - Foto: Schweers

Landkreis Diepholz - Von Ulf Kaack. Jürgen Kuhlmann aus Okel hat in jahrelanger akribischer Detailarbeit Luftangriffe, Bombenabwürfe und vor allem Flugzeugabstürze im damaligen Landkreis Grafschaft Hoya recherchiert. Die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit stellen wir im Rahmen unserer Serie „Luftkrieg in der Region“ vor. Jetzt berichtet er über den außergewöhnlichen Abschuss eines RAF-Bombers vom Typ Short Stirling in Schorlingkamp westlich von Syke.

Erstmals wurde Berlin in der Nacht des 25. August 1940 durch britische Bomberverbände angegriffen. Es folgten bis Ende 1941 eine Reihe kleinere und mittlere Bombardements, die nach hohen Verlusten der Briten eingestellt wurden. Im gesamten Jahr 1942 gab es dagegen keine einzige Attacke aus der Luft auf die Reichshauptstadt. Die RAF konzentrierte sich auf andere deutsche Städte, beschädigte unter anderem Lübeck, Köln und Bremen schwer.

Doch die Ruhe am Himmel von Berlin täuschte, recherchierte Jürgen Kuhlmann: „Im ersten Quartal 1943 gab es eine Serie von massierten Bombenangriffen, bei denen rund 600 größere Brände und Schäden an 20.000 Häusern registriert wurden. Ganze Stadtteile lagen in Schutt und Asche, mehrere hundert Menschen kamen dabei um.“

Kanadier am Steuerknüppel

Der letzte Air Raid der Briten in dieser Reihe fand in der Nacht vom 29. auf den 30. März 1943 statt. Zu den angreifenden Bombern gehörte die Short Stirling Mk. III mit der Kennung HA-Q und der Seriennummer BK702. Sie gehörte zum Bomber Command No. 218 Squadron der RAF. Um 21.43 Uhr zog der 26 Jahre alte Pilot der kanadischen Luftwaffe, Flying Officer William George Hoar, den Steuerknüppel in Richtung seines Körpers, und die viermotorige Maschine stieg vom Rollfeld der Basis Downham Market nur wenige Meilen von der englischen Kanalküste entfernt in den nächtlichen Himmel. Auch der Bordschütze John Hugh Murdock war Angehöriger der RCAF, der kanadischen Luftwaffe. Die übrigen fünf Crewmitglieder waren britischer Herkunft.

Es war kurz nach Mitternacht, als die Short Stirling im Verband mit 328 weiteren RAF-Bombern ihre tödliche Fracht über der Reichshauptstadt abwarf. 6 350 Tonnen Brand- und Sprengbomben fielen durch den zweigeteilten Bombenschacht der Maschine. Unter anderem wurde bei diesem Angriff das Deutsche Opernhaus in Charlottenburg schwer beschädigt.

Um der Ortung durch die Funkmess-Stationen der deutschen Luftabwehr zu entgehen, flogen die britischen Verbände in niedriger Höhe auf westlichem Kurs zurück zu ihren Stützpunkten. So auch die HA-Q von Sergeant Hoar und seiner Crew.

Der heute 89-jährige Helmuth Hinrichs beobachtete, wie der Bomber in den Feuerbereich der Flakstellungen in Pestinghausen, Melchiorhausen und Dreye geriet: „Die Maschine kam so tief von Gessel her angeflogen, dass ich die Piloten hätte sehen können, wenn es denn nicht dunkel gewesen wäre. Sie wurde unter Feuer genommen und bohrte sich Sekunden später senkrecht in Bauer Glades Weide in der Moorheide.“

Wehrmachtssoldat beschießt Bomber

Getroffen wurde die Short Stirling jedoch nicht von einem Artilleriegeschoss der Flak. Ein Wehrmachtssoldat, der zu einer angeschlossenen Scheinwerferbatterie gehörte, beschoss den Bomber frontal mit seinem Maschinengewehr und traf dabei den kanadischen Piloten tödlich. Der sackte offensichtlich auf dem Steuerknüppel zusammen und brachte die Maschine steil zum Absturz. Keiner der Flieger überlebte.

„Natürlich lief ich nach dem Hellwerden zum Abschussort“, erinnert sich Hellmuth Hinrichs. „Doch der war bereits weiträumig abgesperrt. Nur das steil aufragende Hecksegment konnte ich aus der Ferne erkennen.“

Wehrmachtsangehörige aus Bremen bargen das Flugzeugwrack sowie die sieben toten Flieger. Die wurden zunächst in Vechta auf dem heutigen Waldfriedhof beigesetzt und nach Kriegsende auf den alliierten Militärfriedhof im oldenburgischen Sage umgebettet. Übrigens verlor die britische Luftwaffe in jener Nacht 20 weitere Maschinen aus diesem Bomberverband.

Lesen Sie auch: Luftfahrthistoriker lokalisiert Bomber-Absturz von 1943 in Schorlingkamp

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