Bewohner-Eigenanteil bald über 2000 Euro

Kosten für Diepholzer Seniorenheim steigen: Bis zu 458,12 Euro mehr im Monat

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Die Bewohner des Diepholzer Seniorenhauses Anna Margareta müssen ab 1. Februar einen höheren Eigenanteil zahlen.

Um bis zu 458,12 Euro könnte sich für die Bewohner des Diepholzer Seniorenhauses Anna Margareta der monatliche Eigenanteil in der vollstationären Pflege erhöhen. Damit würde dieser Anteil in den Pflegegraden zwei bis fünf ab 1. Februar 2051 Euro betragen.

  • Seniorenheim in Diepholz erhöht Kosten für die Pflege
  • Bisher war das Seniorenheim in Diepholz vergleichsweise günstig
  • Kosten-Steigerung habe nichts mit Neubau in Diepholz zu tun

Diepholz - Dies geht aus einem Brief hervor, den die Geschäftsführung den knapp 100 Senioren des Hauses an der Von-Hünefeld-Straße bei ihrer Weihnachtsfeier fristgerecht überreichen ließ, was dabei die Stimmung etwas getrübt haben soll. Die Steigerung der Kosten, die die Bewohner des Seniorenheims  in Diepholz selbst tragen müssen – der Anteil der Pflegeversicherung ist schon abgezogen – würde somit 25 Prozent betragen.

Der Geschäftsführer des Seniorenheims, Till Duchatsch, begründete die Erhöhung insbesondere mit gestiegenen Personalkosten für die Pflege, die 75 Prozent der Betriebskosten ausmachen.

Er betonte am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die Steigerung des Eigenanteils der Bewohner wahrscheinlich geringer als in dem Brief angekündigt ausfällt. Die genannte Summe ist die Maximalforderung, die das Seniorenheim gegenüber den Kostenträgern ausführlich – wie vorgeschrieben – begründet habe. Die Erfahrung zeige aber, dass die Kostenträger nicht die volle Höhe genehmigen, sondern Anteile auf mehrere Jahre verteilen. Der Verhandlungen würden im Laufe dieses Monats stattfinden.

Seniorenheim-Bewohner haben für Pflege oft nicht genug Geld

Würde der Maximalforderung entsprochen, läge der Eigenanteil im Seniorenhaus Anna Margareta, das von einer gemeinnützigen Gesellschaft unter dem Dach der Diakonie betrieben wird, immer noch unter dem, den Bewohner der Caritas-Seniorenhauses Sankt Josef in Diepholz zahlen müssen. Dort beträgt der Anteil für die Pflege im Seniorenheim 2191,70 Euro.

Im Jahr 2019 mussten Pflegebedürftige für die Heimunterbringung im Bundesdurchschnitt knapp 1900 Euro pro Monat selbst zahlen. Da nur wenige Menschen im Alter über eine Rente oder andere Einkünfte in dieser Höhe verfügen, müssen viele älteren Menschen bei Pflegebedürftigkeit und Unterbringung in einem Seniorenheim beim Sozialamt des Landkreises Unterstützung beantragen. Dieses übernimmt auch den Anteil an den erhöhten Kosten für die Pflege, wenn diese genehmigt sind. Erst kürzlich drohte einer 96-Jährigen der Auszug aus einem Seniorenheim, weil sie die Kosten für die Pflege nicht mehr aufbringen konnte.

„60 Prozent unserer Bewohner sind Selbstzahler“, so Seniorenheim-Leiter Till Duchatsch. Alle anderen bekommen schon einen Zuschuss vom Sozialamt. Manche Selbstzahler müssen einen solchen Zuschuss wegen der Erhöhung nun gegebenenfalls beantragen.

Seniorenheim in Diepholz bislang vergleichsweise günstig

Wenn die Kostenträger nach den Verhandlungen den neuen Eigenanteil genehmigt haben, haben Bewohner des Seniorenheims ein Sonderkündigungsrecht. Ob viele das in Anspruch nehmen, ist unwahrscheinlich, zumal sich umliegende Heime in den Kosten für die Pflege nur wenig unterscheiden und sie meist voll belegt sind.

Das Seniorenhaus Anna Margareta aus Diepholz lag bislang immer deutlich unter den Sätzen anderer tarifgebundener Heime in der Region. Eine Erhöhung um 17 Prozent hatte es vor einem Jahr gegeben.

Ein Hintergrund der Heimentgelt-Erhöhung ist der Fachkräftemangel: „Wir haben in den vergangenen Jahren den Anstieg der Personalkosten nur zum Teil weitergegeben“, so Geschäftsführer Till Duchatsch: „Die allgemeine Marktsituation und das gestiegenen Gehaltsniveau bei Neueinstellungen lassen dieses aber nicht mehr zu. Insofern kalkulieren wir mit tatsächlichen Personalkosten.“ Diese könnten die Kostenträger bei den Verhandlungen genau überprüfen. Um neue Mitarbeiter zu gewinnen, müsse das Seniorenheim mehr für die Pflege zahlen, so Duchatsch. Damit Ungerechtigkeiten vermieden werden, müsse auch bereits angestellten Kräften im Rahmen des Spielraums in den Lohngruppen mehr gezahlt werden. Eine Rolle spiele auch, dass das Seniorenhaus Anna Margareta, das im Gegensatz zum Seniorenzentrum Sankt Josef nicht nur Einzel-, sondern auch 16 Doppelzimmer hat, durch Umbauten seine Platzzahl von 99 auf 97 verringert. Das habe einen neunen Verteilungsschlüssel zur Folge.

Erhöhung in Seniorenheim hat nichts mit Neubau in Diepholz zu tun

Mit dem Neubau von zwei Wohngemeinschaften für Pflegebedürftige in Diepholz sowie einer Tagespflege, Wohnungen und mehrere Büroräume für die Diakonie-Sozialstation als ambulantem Pflegedienst an der Von-Hünefeld-Straße, den der Verein „Anna Margareta – Diakonischer Verein Grafschaft Diepholz“ für dieses Jahr plant, habe die Entgelterhöhung nichts zu tun, sagte Duchatsch.

Die Kostenträger genehmigen die neuen Heimentgelte nach Prüfung und Verhandlung stets für ein Jahr.

Auch für das Seniorenzentrum Rehden, das der „Anna Margareta – Diakonischer Verein Grafschaft Diepholz“ ebenfalls über eine gemeinnützige Gesellschaft betreibt, ist eine Erhöhung des Bewohner-Eigenanteils beantragt – in ähnlicher Höhe wie für das Diepholzer Haus Anna Margareta.

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