Selbstständige Landwirte ohne eigenes Land

Ausstellung über das Häuslingswesen im Alten Rathaus in Diepholz eröffnet

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Mit 60 Bildtafeln und mehreren Exponaten informiert die Ausstellung im Alten Rathaus in Diepholz bis zum 12. November über das Häuslingswesen im Landkreis. Der Heimatverein Diepholz hat die Ausstellung in die Kreisstadt geholt. 

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Sie waren selbstständige Landwirte, besaßen aber kein Land – und auch kein Haus. Beides bekamen sie vom Bauern mit Grundeigentum gestellt, leisteten im Gegenzug Arbeit und lebten in ärmlichen Verhältnissen. Um die Häuslinge – im Osnabrücker und Oldenburger Raum aus Heuerlinge genannt – dreht sich eine Ausstellung, die gestern Nachmittag im Alten Rathaus in Diepholz eröffnet wurde.

Mit 60 Bildtafeln und mehreren Exponaten informiert sie über die Häuslinge, die es vom 17. Jahrhundert bis in die 1960er Jahre hinein gab – auch im Raum Diepholz. Der Heimatverein Diepholz hat die Ausstellung nach Diepholz geholt, wo sie drei Wochen lang bleibt.

Das Kreismuseum Syke, der Kreisheimatbund und eine Vielzahl von Heimatforschern hatten sich mit diesem Kapitel der Heimatgeschichte befasst. Ihr zusammengetragenes Wissen bildete die Basis für diese Ausstellung und das Buch „Das Häuslingswesen im Landkreis Diepholz vom 17. Jahrhundert bis in die 1960er Jahre.“

Autor ist Ralf Weber, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Kreismuseums. Er erläuterte gestern Nachmittag bei der Eröffnung die Informationstafeln und Handwerks-Exponate. Die Häuslinge konnten meist von der Landwirtschaft nicht leben, sondern mussten mit ihren Familien noch einem Nebenerwerb nachgehen – wie Zigarrendrehen und Schusterarbeiten.

Viele Häuslinghäuser verfielen 

Nach dem Verschwinden der Häuslinge in der „Wirtschaftswunder“-Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, in der die Landwirtschaft mechanisiert wurde und die wachsende Industrie Arbeitsplätze bot, verfielen viele leer stehenden Häuslingshäuser auf den Höfen. Manche wurde in den 1960 und 70er Jahren bei Feuerwehrübungen „warm abgerissen“, andere später zu modernen Wohnhäusern umgebaut.

Richard W. Bitter, Vorsitzender des Heimatvereins Diepholz, begrüßte die Gäste zur Ausstellungseröffnung – darunter Ratsmitglieder und Vertreter der Heimatvereine Aschen und Wagenfeld. Er wies auf den Schwerpunkt „Wohnen früher“ des Heimatvereins Diepholz in den nächsten Monaten hin und auf den Vortragsabend über heimische Bauernhäuser am Freitag, 3. November, im neuen Rathaus.

Ein Grußwort sprach stellvertretender Bürgermeister Gerhard Albers.

Kreismuseums-Leiter Dr. Ralf Vogeding erklärte in seiner Ansprache, dass es zu heimischen Häuslingen auch eine Datenbank des Kreismuseums in Syke gebe.

Die Ausstellung im Alten Rathaus mit dem Untertitel: „Was Du siehst, wenn Du die Augen zumachst, gehört Dir!“ ist bis Sonntag, 12. November, zu sehen.

Sie ist jeweils mittwochs bis samstags von 10 bis 12 Uhr und 15 bis 17 Uhr geöffnet. An den Sonntagen öffnet die Ausstellung nachmittags von 15 bis 17 Uhr.

Der Eintritt ist frei.

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