In der Beratungsstelle von Pro Asyl und MBE kostenlos / Zur Moorstraße 59 umgezogen

Schwarzmarkt für Hilfe bei Anträgen

Ins Haus Moorstraße 59 ist die Diepholzer Beratungsstelle von Pro Asyl im Landkreis Diepholz und MBE umgezogen. Foto: Jansen

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Ein neuer Schwarzmarkt hat sich entwickelt. 40 Euro nehmen manche Menschen in Diepholz wohnenden Bulgaren und Rumänen und anderen Nicht-Deutschen ab, wenn sie ihnen beim Ausfüllen von „Hartz-IV“-Anträgen helfen. Das berichtete Rahmi Tuncer von „Pro Asyl im Landkreis Diepholz“. Dabei können die ausländischen Mitbürger, die oft ohne ausreichende Sprachkenntnisse sind, die Hilfe beim Ausfüllen dieser und anderer Anträge kostenlos bekommen: In der Beratungsstelle, die „Pro Asyl im Landkreis Diepholz“ und die „Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE)“ in Diepholz betreiben.

Diese Beratungsstelle ist jetzt umgezogen: von der Moorstraße 54 in das Haus Moorstraße 59. Dort war gestern offizielle Eröffnung.

Der neue Eigentümer der alten Räume habe die Miete um nahezu 100 Prozent erhöht, hieß es bei der Einweihungsfeier zum Grund für den Umzug.

In der bisherigen Wohnung an der Moorstraße 59 lebten syrische Flüchtlinge. Nach deren Familienzusammenführung war die 65 Quadratmeter große Wohnung zu klein. Die Familie fand eine größere und die überwiegend vom Land Niedersachsen finanzierte Beratungsstelle neue Räume.

Für dieses neue Büro übernimmt die Stadt Diepholz die Hälfte der Mietkosten.

„Es ist eine wichtige Aufgabe, die Sie hier wahrnehmen“, sagte stellvertretender Bürgermeister Gerhard Albers (CDU) während eines Eröffnungs-Frühstücks, zu dem auch hauptamtliche Mitarbeiter und ehrenamtlich Tätige aus anderen sozialen Einrichtungen eingeladen waren.

Albers wünschte sich eine Zusammenarbeit mit dem Stadtteilhaus an der Moorstraße und freute sich über die Einladung an seine Ratsfraktion, dort eine Sitzung abzuhalten: „Wir müssen miteinander reden, um Verständnis aufzubringen.“

Für die MBE begrüßte Johanna Pflüger die Gäste, bevor Rahmi Tuncer ausführlich die Situation von Migranten und Flüchtlingen in Diepholz beleuchtete.

In Diepholz suchten auch Menschen aus den Nachbargemeinden Hilfe, da hier das Jobcenter für den Südkreis ist. Dieses ist für „Hartz IV“ (Grundsicherung laut Sozialgesetzbuch) und andere Leistungen zuständig.

„Der Bereich Moorstraße ist bunter geworden“, meinte Tuncer – und blickte auf die vielen dort zugezogenen Menschen aus den EU-Ländern Rumänien und Bulgarien, „darunter auch eine Volksgruppe, die wir als Roma bezeichnen.“ Mitarbeiter von Pro Asyl im Landkreis Diepholz fahren auch – falls notwendig – mit Migranten zu den Botschaften ihrer Heimatländer, um dort Pässe zu beschaffen.

In Diepholz arbeite die Beratungsstelle gegen religiöse Fundamentalisten.

Es sei ein verstärkter Alltags-Rassismus zu spüren, sagte Tuncer und machte die AfD dafür verantwortlich, dass Frauen mit Kopftuch oder anderen Migranten auf der Straße angesprochen und beschimpft würden.

Er kündigte an, dass die Beratungsstelle in Diepholz eine Runden Tisch insbesondere für die zugereisten Rumänen und Bulgaren einrichten werde.

Dabei werde über Rechte und Pflichten informierte, die diese als Mieter und in anderen Lebensbereichen haben.

Rahmi Tuncer berichtete auch, dass Teilnehmer von Deutschkursen nach vielen Unterrichtsstunden noch nicht ihren Namen und ihr Geburtsdatum schreiben könnten. Er forderte alle Migranten auf, als Grundlage für die Integration Deutsch zu lernen: „Ohne wenn und aber!“

Die Beratungsstelle an der Moorstraße hat das Motto, mit dem Rahmi Tuncer seine Ausführungen schloss: „Für ein gleichberechtigtes und friedliches Zusammenleben in Diepholz“.

407 Bulgaren und 749 Rumänen in Diepholz

In der Stadt Diepholz leben derzeit 407 Bulgaren und 749 Rumänen (Stand 12. November 2019). Diese Zahlen nannte der stellvertretende Bürgermeister Gerhard Albers (CDU) gestern am Rande der Eröffnung der neuen Beratungsstelle von Pro Asyl und MBE (Migrations-Beratung für erwachsenen Zuwanderer) an der Moorstraße 59 in Diepholz. Die beiden Organisationen kümmern sich dort nicht nur um Flüchtlinge, sondern auch um zugezogene Bürger von Ländern der Europäischen Union. Insbesondere Rumänen und Bulgaren wohnen im Quartier Moorstraße. Sie kommen legal nach Deutschland und arbeiten meist in der südoldenburgischen Fleischindustrie.

Kontakt

In der Beratungsstelle an der Moorstraße 59 in Diepholz ist die offene Sprechstunde von Johanna Pflüger, Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE), jeden Mittwoch von 10 bis 12 Uhr und jeden Donnerstag von 14 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung. Die Diplom-Soziarbeiterin ist unter Tel. 05441/9752121 oder 01578/0338034 sowie per E-Mail an johanna-pflüger@welthaus-barnstorf.de zu erreichen.

Diplom-Sozialwissenschaftler Rahmi Tuncer von Pro Asyl im Landkreis Diepholz bietet in der offenen Sprechstunde jeden Mittwoch von 11 bis 12 Uhr Rat und Hilfe an. Er ist zu erreichen unter Tel. 05441/9752122 oder 0152/02955320 sowie per E-Mail an rahmi-tuncer@welthaus-barnstorf.de.

Jeden Freitag von 14 bis 17 Uhr ist in der Diepholzer Beratungsstelle das „Café International“, für das Yehia Hussein Ansprechpartner ist.

MBE und Pro Asyl im Landkreis Diepholz sind Abteilungen des Vereins zur Förderung ganzheitlicher Bildung (Barnstorf).

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