Essen im Seniorenhauses Anna Margareta

Schöner Abend mit kurdischen Nachbarn

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Gemeinsam Spaß: Die Seniorinnen Ilse Martzok (links) und Elfriede Hallo mit der Kurdin Shaha Sharo.

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Ilse Martzok ist 97, fit – und immer noch für Neues offen. Auch beim Essen. Seit Donnerstagabend weiß sie, was Kurden Leckeres kochen. Gemeinsam mit zwei weiteren Bewohnerinnen und drei Mitarbeiterinnen des Seniorenhauses Anna Margareta traf Ilse Martzok kurdische Flüchtlingsfrauen, die „orientalische Hausmannskost“ in die Beratungsstelle „Mittendrin statt nur dabei“ (früher „Akzeptanz“) an der Moorstraße mitgebracht hatten. Ein fröhlicher Abend, bei der sich zwei Kulturen locker-menschlich näher kamen.

Viele kurdische Flüchtlings-Familien leben im Bereich Moorstraße und sind damit quasi Nachbarn des Diepholzer Seniorenhauses „Anna Margareta“. Im von Bewohnerin Helga Höft (80) geleiteten Literaturkreis hatten sich Senioren dort mit orientalischen Kulturen beschäftigt. Pflegedienstleiterin Reinhild Schulz-Kittelmann nahm die Idee auf, ließ im Heim kleine Speisen nach orientalischen Rezepten zum Probieren servieren. Das kam gut an. In der Folge lud das Seniorenhaus im vergangenen Jahr kurdische Nachbarn zum Kennenlernen ein. Der erste Schritt der persönlichen Annäherung gelang seinerzeit und wurde jetzt mit der Gegeneinladung durch die Kurden zum Essen in der nahen Beratungsstelle fortgesetzt.

Kulturelle Unterschiede waren damals deutlich geworden. „Was ist das für eine Einrichtung?“, hätten die kurdischen Nachbarn gefragt, berichtete Reinhild Schulz-Kittelmann: „In deren Kultur gibt es keine Seniorenheime, die alten Menschen bleiben in den Familien.“

Gemütliche Runde bei leckerem kurdischem Essen: Bewohner und Mitarbeiter des Seniorenhauses Anna Margareta erlebten einen Abend mit ihren kurdischen Nachbarn in der Beratungsstelle „Mittendrin statt nur dabei“ an der Moorstraße in Diepholz. 

Das Verständnis für die Nachbarn, die aus Syrien, dem Irak oder der Türkei nach Deutschland geflüchtet waren, sei aufseiten der Senioren groß gewesen. „Viele Bewohner haben selbst Flucht erlebt“, weiß Schulz-Kittelmann.

Am Donnerstagabend hatten nun die Seniorenhaus-Bewohnerinnen Ilse Martzok (97), Elfriede Hallo (91) und Helga Höft (80) an der großen Tafel Platz genommen, die in der Beratungsstelle des Diakonischen Werkes aufgebaut worden war. Andere interessierte Bewohner hatten den Weg in der Dunkelheit gescheut. Als Begleitung waren neben Reinhild Schulz-Kittelmann die Betreuerin Katja Överhaus und Sigrid Glockzin vom Heimbeirat dabei. Mitarbeiter der Beratungsstelle freuten sich über die Gäste ebenso wie die Frauen aus den kurdischen Familien, die zu Hause gekocht hatten. Gebackene Auberginen, gefüllte Kartoffeln, „Kibbel“ – frittierte Rollen mit Kartoffeln, Hackfleisch und Couscous – standen neben verschiedenen Reis-Variationen auf dem Tisch. „Mir hat alles geschmeckt“, war das Fazit der 97-jährigen Ilse Martzok. Helga Höft schwärmte von den pikant gefüllten Weinblättern. Alle Gerichte waren so, wie sie die kurdischen Familien zu Hause mögen.

Gespräche nach der Mahlzeit

Nach dem Essen kamen sich Senioren und ihre Gastgeber bei lockeren Gesprächen näher. Elfriede Hallo hatte am Tisch ihren Spaß mit Shaha Sharo. Die Kurdin war mit ihrer Familie, zu der acht Kinder gehören, vor sechs Jahren aus Syrien nach Deutschland geflüchtet. Sie spricht Deutsch. Doch wenn es kompliziert wurde, half Tochter Ahim beim Übersetzen. Die 20-Jährige hat in den sechs Jahren die deutsche Sprache perfekt gelernt und den Realschulabschluss gemacht. Jetzt absolviert sie eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau in einem Diepholzer Spielwarengeschäft. Trotz ihres großen Engagements, sich zu integrieren, blickt sie einer ungewissen Zukunft entgegen: „Ich habe keinen Pass, bin staatenlos.“ Gern würde sie auf Dauer in Deutschland bleiben – wie auch ihre Geschwister. Die älteren Schwestern sind verheiratet, jüngere Geschwister in Ausbildung.

Ihr Bruder, der beim Essen kurz hereinschaute, lernt den Beruf des Anlagenmechanikers für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

Gut zwei Stunden dauerte die gemütliche Nachbarschaftsrunde in der Beratungsstelle „Mittendrin statt nur dabei.“ Kirchenkreissozialarbeiter Rüdiger Fäth freute sich nicht nur über den gelungenen Abend, sondern auch darüber, dass die evangelische Landeskirche die Einrichtung des Diakonischen Werkes an der Moorstraße 9 für „Best Practice“ (vorbildliche Methoden) ausgezeichnet hat.

Aber um solche formalen Erfolge ging es an diesem Abend nicht. Hier standen persönliche Begegnungen im Mittelpunkt. Und die sollen im Sommer fortgesetzt werden: Mit den kurdischen Nachbarn auf der Terrasse des Seniorenhauses.

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