Schock zum Erhalt des Lebens

DRK arbeitet an einem Defibrillatoren-Kataster

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Landkreis - Von Detlef Voges. Sie sehen aus wie Handtaschen, verwahren aber weder Lippenstift noch Kamm, sondern Akku und Kondensator: automatische externe Defibrillatoren, kurz AED. Im Volksmund heißen die Powerdinger auch Schockgeber, weil sie bei Herzrhythmusstörungen mit Elektroschocks zum Einsatz kommen. Schocks, die Leben retten können.

Das DRK (Deutsches Rotes Kreuz) im Landkreis hat sie, Kommunen, Vereine und Unternehmen auch – nur weiß niemand genau, wo sich alle Standorte befinden. Diesen Leerraum möchte der Kreisverband mit Informationen auffüllen. „Das Ziel ist ein umfassendes Defibrillatoren-Kataster im Landkreis Diepholz“, sagt Patricia Staebner-Aumann, Ausbildungsbeauftragte beim DRK.

Das bedient sich dabei der modernen Kommunikationsmittel wie Smartphone oder Tablet. Darauf gibt es Zusatzprogramme, sogenannte Apps. Die sagen beispielsweise nicht nur etwas aus über das Wetter oder den Pollenflug, sondern auch über AED-Stationen. „Hier in Syke gibt es nur zwei“, erklärt Staebner-Aumann mit Blick auf ihr Smartphone. Sie sei aber sicher, so die Ausbildungsbeauftragte, dass die Hachestadt viel mehr öffentliche AED-Stationen vorhalte. Die Betreiber hätten sich nur noch nicht angemeldet.

„Das sollen sie für die Bestandsaufnahme aber bitte tun, damit wir einen komplexen Überblick bekommen und ein Netz aufbauen können“, betont die DRK-Mitarbeiterin und fügt hinzu: „Damit können wir Leben retten.“

Für das DRK heißt das: Künftig sind alle DRK-Einrichtungen wie Seniorenheime, Kindertagesstätten und Tagespflegestationen über die AED-App zu erkennen. Das erhofft sich Staebner-Aumann auch kreisweit bei Kommunen, Vereinen, Banken, Unternehmen und so weiter. Wer einen AED-Standort kennt, kann eine Mail mit der genauen Adresse des Betreibers unter erstehilfe@drk-diepholz.de verschicken. Wer selbst ein Gerät betreibt, kann sich unter www.defikataster.de eintragen. Dann wird der Standort angezeigt, sollte jemand die App bedienen, weil er einen Defi benötigt.

„Laiendefibrillator“

Das DRK möchte aber auch das Feld für jene beackern, die keinen Zugriff auf eine App haben. Staebner-Aumann kann sich vorstellen, dass AED-Standorte auf Karten oder Plakaten platziert werden. Wenn es schon keine Handtasche ist, wie funktioniert das AED eigentlich? Es ist ein sehr effizientes Gerät. Umgangsspachlich heißt es auch „Laiendefibrillator“, weil es durch seine einfache handhabbare Funktionsweise besonders für Laienhelfer geeignet ist. Das DRK bietet über die erste Hilfe aber auch Schulungen an.

Es ist übrigens – wie so oft – nicht wie in den Filmen, wo der Strom pulst und der Körper zuckt. Beim AED entscheidet das Gerät, ob es schockt und wie heftig. Und es spricht mit dem Bediener. „Wir haben 20 Sprachprogramme, auch Paschtun“, sagt die DRK-Mitarbeiterin. Zudem Programme für Erwachsene und Kinder.

Bei dem vom DRK bevorzugten AED-Modell fordert die geheimnisvolle Stimme dazu auf, zwei Elektroden auf die deutlich gekennzeichneten Stellen des frei gelegten Oberkörpers zu kleben. Danach erstellt das Gerät eine Analyse des Herzzustands und entscheidet selbst über die Therapie, über Schock oder Nicht-Schock. „Das AED ersetzt nicht die klassische Herzdruckmassage per Hand. Beides muss aufeinander abgestimmt sein“, sagt Staebner-Aumann. Das Defi-Kataster im Landkreis erhöhe die Lebens-Chancen für Betroffene. Davon ist die DRK-Ausbildungsbeauftragte überzeugt. Bei einem großen erkennbaren Stationsnetz sei das AED schnell über den Standort handhabbar, schneller einsatzfähig wahrscheinlich als ein Rettungsdienst.

Bei Herzproblemen ginge es auch und besonders um Zeit, sagt Staebner-Aumann.

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