Besuch nur noch eingeschränkt möglich

Schlossturm: Probleme mit Brandschutz

Der Diepholzer Schlossturm nach der Sanierung: Aus Brandschutzgründen dürfen nun nur noch wenige Besucher gleichzeitig darin sein. - Foto: Jansen

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Die Freude über die aufwändige und gelungene Sanierung des Diepholzer Schlossturms, der morgen zum „Diepholzer Grafensonntag“ um 11 Uhr eingeweiht wird, ist beim Heimatverein Diepholz getrübt. Anlässlich der Arbeiten am Wahrzeichen der Stadt kam auch der Brandschutz auf den Tisch. Das neue Konzept lässt die bislang nahezu uneingeschränkte Besucherzahl nicht mehr zu. Das hat auch Auswirkungen auf die Pläne des Heimatvereins, ein neu gestaltetes Museum im Turm einzurichten.

Laut dem Gutachten eines Brandsachverständigen ist es nur zulässig, dass sich zwei Personen gleichzeitig im Turm aufhalten, da es an Notausgängen und anderen Brandschutzeinrichtungen in dem denkmalgeschützten Gebäude fehlt.

Für den morgigen „Grafensonntag“ gibt es auf Betreiben des Heimatvereins eine Ausnahmeregelung: Da die Freiwillige Feuerwehr Diepholz ihre Drehleiter als Rettungsweg aufbaut, ist es erlaubt, dass sich zehn Besucher plus ein Vertreter des Heimatvereins gleichzeitig im Turm aufhalten, um sich das Ergebnis der Sanierungsarbeiten anzuschauen und über die Stadt zu blicken. Der Aufenthalt soll maximal eine halbe Stunde dauern, bevor die nächste Gruppe hereingelassen wird. Von 12 bis 18.30 Uhr bietet der Heimatverein diese Gelegenheit, geht dabei von Warteschlangen aus und bietet eine Warteliste an.

Glücklich ist der Verein über das neue Brandschutzkonzept nicht. Würde es nicht verändert oder werden bauliche Lösungen gefunden, wäre der Betrieb des geplanten Museums im Turm nicht möglich. Die Feuerwehr könnte ja nicht an jedem Öffnungstag bereitstehen. „Es gibt bauliche Lösungsmöglichkeiten“, sagt Heimatvereins-Vorsitzender Richard W. Bitter, „aber die kosten Geld.“

Die Frage ist, wer die Kosten übernimmt. Das Land Niedersachsen, dessen Amtsgericht im Schloss ist, hat die Sanierungkosten übernommen. Brandschutz-Investitionen gehören bislang nicht dazu. Hier müsste möglicherweise die Stadt Diepholz einspringen. „Es laufen intensive Gespräche mit allen Beteiligten“, berichtete Bitter.

Die bisherige Nutzung durch den Heimatverein Diepholz beruhte auf dem „Schlossturm-Vertrag“ zwischen Land Niedersachsen und Stadt Diepholz aus dem Jahr 1983. In diesen 33 Jahren hat sich allgemein das Sicherheitsdenken in Deutschland verändert, so dass das Land nun einen Fachmann mit einem neuen Brandschutzkonzept beauftragt hat. Ein Ergebnis war die starke Besucher-Einschränkung.

Richard W. Bitter betont, dass der Heimatverein die Turmbesucher auch bislang nicht in Gefahr gebracht hat. Es gab Feuerlöscher auf jeder Etage, Notruftelefone und ein Rauchverbot. Doch das reicht heute nicht mehr.

Gleichwohl freuen sich Heimatverein und Bürger über den mit viel Engagement aller Beteiligten sanierten Schlossturm als ein Beispiel mittelalterlicher Baukunst – und darüber, dass die hässlich hölzerne Schutzeinrichtung gegen vom Turm herabfallende Teile im Eingangsbereich endlich abgebaut werden konnte.

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