Umfrage im Landkreis

SPD zur Groko: „Schlechtestes Ergebnis, das es geben konnte“

Landkreis - Vermutlich haben am Sonntag zahllose Sozialdemokraten mit Spannung den Ausgang des Bundesparteitags erwartet. Nun ist das Ergebnis da – doch sind sie zufrieden?

Jonathan Kolschen, der als Vorsitzender der Jusos im Landkreis Diepholz die Haltung des Bundesvorsitzenden Kevin Kühnert zur Groko teilt, sagt: „Das ist das schlechteste Ergebnis, das es hätte geben können. Besser wäre ein klares Ja oder Nein gewesen. Nun steht ein mehrwöchiger Prozess bevor, Diskussionen und eine Abstimmung, die wohl wieder knapp ausfallen wird. Ich fürchte, dass es die Einheit der SPD gefährden könnte.“

Er glaubt, dass Kühnert mit seiner Haltung die Mehrheit der Basis repräsentiert – auch wenn es die schweigende Mehrheit ist. Vertreter der DL 21 (Demokratische Linke) teilten die Ansicht der Jusos ebenfalls. Kolschen fürchtet, dass die Arbeit seiner Partei in einer weiteren Groko untergehen könnte. 

„In den vergangenen vier Jahren haben wir auch viel Gutes erreicht. Das Problem ist, dass es uns nicht gelungen ist, diese Ergebnisse als unsere Arbeit zu verkaufen. Vieles wurde der CDU zugeschrieben, und ich sehe nicht, dass sich das ändern wird – aber ich hoffe es.“ Der Ausgang der Abstimmung habe Martin Schulz vielleicht gestärkt, aber das Hin und Her im Vorfeld sein Ansehen in der Partei beschädigt.

Cohrs entsetzt über das Ergebnis

Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, Susanne Cohrs, war nach eigenen Angaben entsetzt über das Ergebnis. „Das tat mir in meiner sozialdemokratischen Seele weh“, erzählt sie. Sie wisse von vielen im Unterbezirk, die sich gegen eine Groko ausgesprochen haben. In der eigenen Partei seien Fehler begangen worden, so Cohrs. Der Auftritt von Martin Schulz direkt nach den Wahlen sei „schön“ gewesen, doch taktisch unüberlegt. Er hätte sich bedeckter halten müssen, glaubt Cohrs. 

In den Sondierungspapieren müsse noch einiges nachgebessert werden. Etwa die Zweiklassenmedizin könne so nicht weiter fortgeführt werden. Cohrs teilt Kolschens Befürchtung, dass in einer erneuten Groko die Arbeit der SPD nicht gesehen wird. Man müsse darauf achten, „dass nicht Mutti wieder alles als ihr Gedankengut verkauft“. Es bereite ihr Sorgen, dass Horst Seehofer Nachbesserungen ablehne. Das sei eine denkbar schlechte Ausgangslage für Diskussionen auf Augenhöhe.

Estermann: AfD werde unterschätzt

Ähnlich sieht das der Vorstandsvorsitzende des SPD-Unterbezirks Diepholz, Ingo Estermann. „Die Stimmung war schon im Vorfeld geteilt. Es hätte mich gewundert, wenn das jetzt anders ausgegangen wäre“, erklärt der Sozialdemokrat. Er hielt den Parteitag für falsch. 

Man hätte erst fertig verhandeln und dann ein komplettes Ergebnis vorlegen sollen, meint er und ist sich nicht sicher, ob es zu einer Groko komme. Er betont, dass es dabei keinesfalls um Angst vor Verantwortung gehe, sondern in erster Linie darum, dass die AfD nicht die größte Oppositionspartei wird. Die Alternative für Deutschland werde unterschätzt. Darin ist er mit Cohrs einig.

Estermann ist genau wie Kolschen der Ansicht, dass Schulz’ Glaubwürdigkeit gelitten hat. Nach wie vor plädiert er für eine Minderheitsregierung. Sollte es zu einer Groko kommen, müssten die Gesundheitsversorgung überarbeitet, der Nachzug von Familienangehörigen humaner und die Chancengleichheit in Angriff genommen werden. Es müssten Lösungen her, von denen nicht nur die Reichen profitierten.

sil/juk

Rubriklistenbild: © dpa

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