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Abriss - ein Zeitzeuge in Diepholz verschwindet

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Von: Eberhard Jansen

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Die Abrissarbeiten haben begonnen: Das Bauernhaus Am Scheurenkamp 1 - eines der ältesten Gebäude in Diepholz - verschwindet.
Die Abrissarbeiten haben begonnen: Das Bauernhaus Am Scheurenkamp 1 - eines der ältesten Gebäude in Diepholz - verschwindet. © Jansen

Es ist eines der ältesten Häuser in Diepholz, nach etwa 20 Jahren Leerstand ist nun aber die Zeit für den Abriss gekommen. „Am Scheurenkamp“ beseitigen die Bagger ein historisches Gebäude. Aus Sicherheitsgründen, sagt die Firma, die das Gelände neu bebauen will. Womit? Noch ist das eine Frage ohne Antwort.

Diepholz – Eines der ältesten Gebäude in Diepholz wird in diesen Tagen abgerissen: Das Bauernhaus Am Scheurenkamp 1 stand seit etwa 20 Jahren leer und verfiel zusehends. Eine Sanierung war kaum mehr sinnvoll.

Eigentümer des Gebäudes und des großen Grundstücks drumherum, das bis zur Dr.-Klatte-Straße reicht, ist seit drei Jahren die WS ImmoInvest GmbH. Deren Gesellschafter sind die beiden Rehdener Geschäftsleute Ulrich Walter und Friedrich Schilling. Sie wollen das Grundstück neu bebauen. Konkrete Pläne sind noch nicht bekannt. Möglicherweise muss der aus den 1970er Jahren stammende Bebauungsplan der Stadt Diepholz für das Gelände noch heutigen Erfordernissen angepasst werden.

„Das alte Bauernhaus wird nun aus Sicherheitsgründen abgerissen“, so Maren Walter, Sprecherin der WS ImmoInvest. Das alte Gebäude sei gegen unbefugte Besucher, die durch die alte Bausubstanz gefährdet werden könnten, nicht abzusichern gewesen.

Das Bauernhaus Am Scheurenkamp 1 in den 1950er Jahren. Links ist noch der alte Schweinestall zu sehen.
Das Bauernhaus Am Scheurenkamp 1 in den 1950er Jahren. Links ist noch der alte Schweinestall zu sehen. © Bening

Da das historische Haus, das ursprünglich die Adresse Kohlhöfen 12 hatte, im Laufe der Jahre mehrfach verändert worden war, steht es nicht unter Denkmalschutz. Der Abriss musste also nicht genehmigt werden.

Gesichert wird der Balken über dem Deelentor aus dem Jahr 1748. „An Gottes Sehgen ist alles gelehgen“ haben Friederich Bissendorp und seine Frau Christina (geborene Ockers) dort in der damals aktuellen Rechtschreibung hineinschreiben lassen. „Alte Balken aus dem Innenbereich werden bei der Sanierung eines ähnlich alten Hauses in Holdorf verwandt“, sagte Ingrid Bening, die vorherige Eigentümerin: „Die Hofstelle wurde 1597 das erste Mal erwähnt. Da war der Bürgermeister Cord Hylmerdinck/Hilmerding mit mehreren Dienstboten bei einem Abendmahl. Eine Tochter der Familie heiratete 1691 Friedrich Heinrich Bissendorp. Sein Vorfahre Hilmer Bissendorf wohnte in der Langen Straße 57. Auf den Sohn von Friedrich geht auch die Inschrift auf dem Torbalken zurück.“

Zu dem Hof gehörten umfangreiche Ländereien, die nach und nach verkauft wurden. Auf Teilen der früheren Hofflächen stehen beispielsweise heute die Jahnschule und das Hallenbad „Delfin“.

Bis 1901 stand auf dem Grundstück auch ein Doppel-Heuerlingshaus. Dieses brannte ab – wie mehrere Diepholzer Häuser in jenem Jahr zu Pfingsten, so der Diepholzer Stadtarchivar Kim-Oliver Lange. Ein Schweinestall wurde in den 1960er Jahren abgerissen. Der Lehmboden in der Deele stammt möglicherweise noch aus dem 18. Jahrhundert. Das Fachwerk des Hauses verschwand später hinter Putz – bis auf die zu den Kohlhöfen hin gelegene Giebelseite.

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