Katasterämter müssen nachprüfen

Wenn Eigentümer ihren Pflichten nicht nachkommen: Schwarzbauten auf der Spur

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Aus der Luft lässt sich so einiges sehen. Kleinere Gartenhütten können auffallen, müssen sie aber nicht, wenn beispielsweise Bäume den Blick verdecken. Dann gehen die Mitarbeiter der Katasterämter auf Reisen und schaffen sich vor Ort einen Überblick.

Wer ein Gebäude errichtet, muss es vermessen lassen und dem Katasteramt melden. Weil manche Bauherren dieser gesetzlichen Verpflichtung nicht nachkommen, vergleichen Mitarbeiter der Katasterämter regelmäßig die Karteninhalte mit der realen baulichen Lebenswelt. Sie sind also Schatten-Gebäuden auf der Spur.

Landkreis Diepholz – Über manchen weht sogar ein Richtkranz, so stolz sind ihre Erbauer auf den neuen Carport oder das große Gartenhaus mit Partyraum auf ihrem Grundstück. Doch bei aller Freude über die neuen Bauwerke gerät immer wieder eine gesetzliche Verpflichtung ihrer Besitzer in den Hintergrund: Sie müssen die neuen Gebäude vermessen lassen, damit das Katasteramt sie in die aktuellen Liegenschaftskarten einfügen kann. Denn genau die müssen die Lebenswelt exakt abbilden – schließlich sind sie elementares Handwerkszeug, wenn Städte oder Gemeinden einen Bebauungsplan ausweisen wollen. Ganz zu schweigen davon, dass sich sowohl der Rettungsdienst als auch die Polizei und die Feuerwehr bei ihren Einsätzen auf diese Karten verlassen.

„Gebäudeveränderungen sind dem Katasteramt anzuzeigen“, betont Silke Franke. Sie ist Leiterin des Katasteramtes in Sulingen – eines von insgesamt sechs unter dem Dach der Regionaldirektion Sulingen-Verden im Landesamt für Geoinformation und Landvermessung Niedersachsen mit Sitz in Sulingen.

Gesetzlicher Auftrag der Behörde ist es, alle drei Jahre systematisch die Kartenwerke mit der Realität zu vergleichen – sowohl am Schreibtisch als auch hautnah bei Fahrten durch den Zuständigkeitsbereich.

Landesvermessung stellt Luftbilder zur Verfügung

Die Landesvermessung in Hannover stellt dafür Luftbilder zur Verfügung. Genau die werten Vermessungstechniker im Katasteramt aus – und können im Karten-Vergleich nicht registrierte Gebäude entlarven. Bereiche, die nicht eindeutig einsehbar sind, werden direkt vor Ort überprüft – von einem Mitarbeiter der Behörde, der in diesem Bereich Erfahrung hat.

„Es muss nicht jedes Gartenhaus vermessen werden.“ Silke Franke, Leiterin des Katasteramts in Sulingen

„Im Jahr 2018 wurden im Amtsbezirk der Regionaldirektion Sulingen-Verden durch die Katasterämter und öffentlich bestellten Vermessungsingenieure insgesamt 7 695 Gebäude vermessen und durch die Katasterämter in die Liegenschaftskarte eingetragen“, nennt Silke Franke eine konkrete Zahl für die sechs Katasterämter Sulingen, Nienburg, Syke, Verden, Fallingbostel und Soltau.

Unabhängig davon: Zu überprüfen ist ebenso die Landnutzung. Ist Fläche XY tatsächlich noch Dauergrünland – oder handelt es sich um einjähriges Weideland? Auch solche Fragen klärt das Katasteramt. „Wir nehmen uns immer gezielt eine Gemeinde vor“, beschreibt Silke Franke die ganz praktische Erfüllung der gesetzlichen Aufträge.

Freundlicher Brief an Grundstücksbesitzer

Zurück zu den unvermessenen Gebäuden. Was geschieht, wenn ihre Mitarbeiter eines entdecken? „Dann bekommt der Grundstücksbesitzer einen freundlichen Brief von uns“, erläutert die Katasteramt-Leiterin. Darin würde er daran erinnert, dass er besagtes Gebäude einmessen lassen müsse – entweder von Mitarbeitern des Katasteramts oder von öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren.

Die Kosten seien in beiden Fällen gleich, erläutert Silke Franke. Die Höhe richte sich nach der Größe und nach der Beständigkeit des Gebäudes. „Es muss auch nicht jedes Gartenhaus vermessen werden“, betont die Katasteramt-Leiterin. Insgesamt gebe es sechs verschiedene Staffeln. Welche zutreffe, das hänge vom Herstellungswert des Gebäudes ab. Aufgabe des Katasteramts sei allein die Vermessung, betont Silke Franke. Alles Weitere falle nicht in den Zuständigkeitsbereich dieser Behörde.

Zur Info: Landkreis entlarvt 68 Schwarzbauten

Nicht registriert – aber auch „schwarz“ gebaut? Wie oft ist das im Landkreis Diepholz der Fall, und wie handelt die Baubehörde? „Das Katasteramt ist für den Ist-Zustand verantwortlich – und wir für den Soll-Zustand“, erläutert auf Anfrage Joachim Homburg als stellvertretender Leiter des Landkreis-Fachdienstes Bauordnung und Städtebau. Und betont: „Zwischen dem Katasteramt und dem Landkreis gibt es keinen Kontakt.“ Will heißen: Unabhängig voneinander erfüllen diese Behörden ihren gesetzlichen Auftrag.

68 nicht genehmigte Bauten hat der Landkreis im Jahr 2018 entdeckt, berichtet Homburg. Bei konkreten Verdachtsmomenten schreitet der Landkreis umgehend ein. In der Regel kämen solche Hinweise von Nachbarn oder Anrainern, so berichtet der stellvertretende Fachdienstleiter. Rechtlich gesehen sind es Anträge auf baubehördliches Einschreiten. Oft geht es dabei um Garagen, Anbauten und Abstellräume. Es könnten aber auch nicht eingehaltene Abstandsvorschriften bei einer Gartenhütte sein, so Homburg. In den Verdachtsfällen prüft der Landkreis sorgfältig, ob eine Genehmigung vorliegt oder eine Nach-Genehmigung möglich ist – oder das betreffende Gebäude abgerissen werden muss.

Um solche Unannehmlichkeiten zu vermeiden, rät Joachim Homburg allen Bürgern im Vorfeld eines Bauprojektes zur fundierten Information: „Wir beraten unheimlich gerne“, so der stellvertretende Fachdienstleiter.

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