Wo Schallplatten gebügelt werden

Ministerpräsident Stephan Weil besucht „Pallas“-Werk in Diepholz

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Seniorchef Rolf Neumann (r.) sagte dem Ministerpräsidenten, er solle sich ruhig umschauen, „aber keine Konkurrenz machen!“.

Diepholz - Von Sven Reckmann. Ob er die Zusage für diesen Firmenbesuch in Diepholz im heimischen Keller gegeben hat, ist nicht bekannt. Fest steht: Seit Stephan Weil vor einiger Zeit beim Aufräumen dort seine alte Schallplattenanlage wiedergefunden und reaktiviert hat, läuft sie schon mal gern „zum Bügeln“.

Diese Anekdote erzählte der Niedersächsische Ministerpräsident natürlich gern gestern zum Auftakt seines Firmenbesuches beim Diepholzer Schallplatten-Hersteller Pallas. „Aber Sie bügeln nicht die Platten?“, scherzte Pallas-Geschäftsführer Holger Neumann in Richtung des Gastes aus Hannover.

Platten-„Bügeln“ – oder vielmehr Pressen – dafür ist schließlich das Unternehmen mit seinen rund 120 Mitarbeitern in Diepholz Spezialist. Und zwar einer der letzten weltweit.

Da die Schallplatte gerade einen weltweites Comeback feiert, laufen die Geschäfte bei Pallas gut. Die Pressen sind restlos ausgelastet, „drei Schichten, fünf Tage die Woche“, berichtet Neumann nicht ohne Stolz. Wer einen neuen Auftrag herantrage, der müsse sich derzeit auf Lieferzeiten von 16 bis 18 Wochen gefasst machen. Und das gelte auch für „die Großen“ der Branche, die sich hinten anstellen müssten.

Lediglich fünf Anbieter gebe es in Europa noch, die den Bedarf weltweit abdecken.

Neumann berichtete den Besuchern, wie man in Diepholz die Maschinen gegen den Trend in den 80ern nicht verschrottet habe, als die Zukunft nur noch der CD galt.

Anruf von Dr. Motte

Als die erste Loveparade in Berlin startete, habe er einen Anruf von Loveparade-Organisator und -Ikone Dr. Motte bekommen, der sich nach Schallplatten erkundigte, das sei ein erstes Zeichen gewesen, dass es weiter einen Markt geben kann. Gerade Independence-Label hätten letztlich sehr großen Anteil daran gehabt, dass die Schallplatte überlebt hat.

Auch Seniorchef Rolf Neumann, der im Herbst 90 Jahre alt wird und noch immer regelmäßig im Betrieb nach dem rechten schaut, ließ es sich nicht nehmen, Weil zu begrüßen. „Schauen Sie sich ruhig um“, rief er dem Ministerpräsidenten zu, „aber keine Konkurrenz machen!“ Nachdem Dominic Neumann, Sohn von Holger Neumann, nun ebenfalls in die Firmenführung einstieg, wird die Pallas nun insgesamt in vierter Generation von den Neumanns geführt.

Stephan Weil besucht die Pallas Group

Weil, der auf Einladung des SPD-Ortsvereins Diepholz in der Kreisstadt Station machte, wurde begleitet vom örtlichen SPD-Vorsitzenden Ingo Estermann, Bundestagskandidaten Tevfik Özkan und der Landtagskandidatin Wiebke Wall sowie Mitgliedern der heimischen Sozialdemokraten.

25.000 Platten pro Tag

Der Weg der Besucher führte zunächst zur Plattenproduktion, etwa 25.000 Stück werden hier jeden Tag gepresst, verpackt und auf den Weg zu den Musikfreunden gebracht. Hochbetrieb auch in der CD/DVD-Produktion, die nach dem Großfeuer am 1. April 2013 wieder mit neuen Maschinen aufgebaut worden ist. 

Alle drei Sekunden verlässt ein Silberling die Produktion. Jener Brand an jenem Ostermontag – auch er war natürlich Thema bei den Gesprächen, denn er gehört unweigerlich zur Firmengeschichte. Der Schock über den Millionenschaden wich schnell dem Kampfgeist, heute ist an gleicher Stelle ein neues Gebäude errichtet. Die Band „Metallica“ hat sich hier sogar eigene Press-Kapazitäten sichern lassen.

Auch von Schlosserei und Versand machten sich die Besucher ein Bild, bevor Weil für ein Gespräch mit unserer Zeitung bereitstand.

„Ein El Dorado für einen Schallplattenfreund wie mich“, schrieb der Ministerpräsident der Firma ins (Gäste)buch. „Alles Gute für die Pallas!“

Interview mit dem Ministerpräsidenten

Im Anschluss an den Besuch führte die Kreiszeitung ein Interview mit Stephan Weil, das Sie bei uns lesen können.

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