Schätze unter Moorboden

Ausgrabung des Bohlenwegs wird teurer als zunächst geplant

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Der Bohlenweg „Pr VI“ führt von der heutigen Lindloge in Richtung Kroge.

Diepholz - Straßenbau vor 2000 Jahren sah so aus: Gab es wie durch das Moor zwischen Diepholz und Vechta solch natürliche Grenze, bauten die Menschen hölzerne Bohlenwege. Neue Informationen zu dem prähistorischen Weg im Aschener Moor gab es jetzt bei der Mitgliederversammlung des Naturparks Dümmer. Denn dessen geplante Ausgrabung wird nun offenbar teurer als erwartet.

Der Diepholzer Bohlenweg mit Namen „Pr VI“ wurde im letzten Jahr auf rund 300 Meter Länge geschätzt. Jetzt verlängerte sich die Strecke nach Aussage der Landesarchäologin Dr. Marion Heumüller, Referentin für Moor- und Feuchtbodenarchäologie des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege auf 520 Meter. Die NBank (niedersächsische Landes- und Investitionsbank) bezuschusst das Projekt des Naturparks Dümmer zur Ausgrabung mit EU- und Landesmitteln im Programm „Landschaftswerte“, bei dem es um die Förderung des Natur- und Kulturerbes geht (wir berichteten).

Die Kosten für die Ausgrabung des Bohlenweges sind von ursprünglich 600 Euro pro ausgegrabenem Meter auf inzwischen 1 040 Euro pro Meter gestiegen. Ein geänderter Förderbescheid liege derzeit noch nicht vor. Vielmehr rechne der Naturpark Dümmer momentan mit einer Finanzierungslücke von 120 000 Euro, die ein Fragezeichen an das Projekt stellt, ob es nach Erhalt eines Nachtrags-Förderbescheides weiter wie geplant umgesetzt werden kann, aber der Antragsteller Naturpark Dümmer zeigte sich optimistisch, da die Signale dies zeigten.

Ursprüngliches Ziel ist es, einen Teil des prähistorischen Weges mit Seltenheitswert in den nächsten Jahren auszugraben und erlebbar zu machen.

Der Weg liegt in dem Torfabbaugebiet zwischen der Straße Lindloge und der Verlängerung des Ossenbecker Moorweges. Zu dem Projekt gehören eine Dokumentation und die Konservierung von Teilen des Bohlenweges, um diese an anderen Orten – beispielsweise im Dümmer-Museum in Lembruch oder im Europäischen Fachzentrum Moor und Klima „Moorwelten“ in Ströhen auszustellen.

Die Projektlaufzeit ist von Juni 2017 bis Juli 2021 datiert, beschreibt das Projekt als Erkundung Bohlenweg, Einbindung der Erkenntnisse in Bildungsangebote des Naturparks in Kooperation mit Informationszentren und Naturerlebnis im Moor. Der Antrag ist verortet im Förderprogramm „Landschaftswerte“.

Nachgebildeter Bohlenweg am Moorlehrpfad. - Foto: sbb

Welchen Schatz die Region dort birgt, erläutert Station zwei unter dem Titel „Geheimnisvoll“ im unlängst neu eröffneten Moorerlebnispfad in Diepholz: Während das Projekt Ausgrabung und erlebbar machen sich auf das Original bezieht, sieht man links neben der Infotafel zwei am Moorerlebnispfad die „Fälschung“, ein Stück nachgebauten Bohlenweg. Zur Verdeutlichung der Bauweise. Bei der Eröffnung verriet Landrat Cord Bockhop noch: „Wenn ich das sehe, denke ich immer daran, warum ich erst Architekt statt Jurist werden wollte“. Rechts neben der Infotafel liegen (hoffentlich noch) Bruchstücke von Holzbohlen des Bohlenweges „Pr VI“. Sind über 2000 Jahre alt.

Die Diepholzer Informationstafel beschreibt bildlich und nachvollziehbar: „Lange Zeit glaubten die Menschen, dass Moore von Geistern und Göttern bewohnt seien. Sie opferten Schmuck, Waffen und sogar Menschen. Die Moor-Funde gehören damit zu den lebendigsten, unmittelbarsten und seltensten Zeugnissen der Vergangenheit“, ist dort zu lesen.

Für Archäologen ist ohnehin der Lebensraum Moor eine wahre Schatzkammer. Hugo Prejawa aus Diepholz berichtete 1896 über neun hölzerne Moorwege im zwei Kilometer schmalen Moorengpass zwischen Aschen und Brägel bei Lohne. Außerdem gehört der Bohlenweg „Pr VI“ zu den letzten noch in Teilen erhaltenen Bohlenwege durch ein Moor in Niedersachsen. Zu hoffen wäre ein positiver Nachtrags-Förderbescheid; bis dahin kann man die „Fälschung“ am Erlebnispfad kennenlernen. - sbb

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