Nagetiere breiten sich immer mehr aus

Schäden durch Nutrias an Ufern der Hunte

Nutrias sind für den Unterhaltungsverband Hunte zum teuren Problem geworden.
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Nutrias sind für den Unterhaltungsverband Hunte zum teuren Problem geworden.

Diepholz – Kaum noch ein Ufer der Hunte oder anderer heimischer Gewässer, an dem keine Schäden sind: Nutrias machen dem Unterhaltungsverband Hunte Sorgen und bereiten ihm hohe Kosten. Die auch Biberratten genannten Nagetiere breiten sich immer weiter aus. Ihre großen Bauten machen Uferbereiche brüchig. Jäger sollen bei der Eindämmung der Population von Nutrias und der kleineren, nicht mit ihnen verwandten Bisamratten helfen.

Acht Euro zahlt der Unterhaltungsverband Hunte den Jägern pro Tier, das sie nachweislich erlegt oder gefangen haben. „Insgesamt haben wir im aktuellen Haushalt 15 000 Euro dafür bereitgestellt“, erklärt Ingo Ammerich, Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes. Das reicht für etwa 2 000 tote Nutrias.

Zur Gewässerpflege müssen unter anderem die Ufer regelmäßig gemäht werden. Dabei sacken die schweren Geräte oft in die großen Bauten der Nutrias ein.

Für die Reparatur der Ufer muss der Unterhaltungsverband jährlich 10 000 bis 15 000 Euro allein für Material aufwenden, so Ammerich. Hinzu kommen Geräte- und Arbeitsstunden. Die stattlichen Löcher in den Ufern füllen die Mitarbeiter des Unterhaltungsverbandes mit Schotter oder ähnlichem Material. Eine Verfüllung mit Erde könnte von dem Fließgewässer ausgewaschen werden, bevor sie durch eine neue Grasnarbe befestigt wird.

Nicht nur die Ufer der Hunte – hier in Diepholz am Wohngebiet Dustmühle – werden stark durch Nutrias und ihre Bauten beschädigt..

Nutrias sind keine heimischen Tiere. Sie stammen aus Südamerika. Als Pelztiere kamen sie um 1920 nach Europa. Aus Farmen ausgebrochene Exemplare breiteten sich hier immer mehr aus. Auch ließen Tierschützer die Tiere, die übrigens mit Meerschweinchen verwandt sind, aus Farmen frei. Nutrias stehen seit 2016 auf der EU-Liste der invasiven, gebietsfremden Tierarten. Nach dem Fall der Mauer erlebt Deutschland einen weiteren Zuwachs der bis zu zehn Kilo schweren Nager. Ein Zuwachs, der vermutlich auf im Osten gehaltenen Pelztieren basiert, die freigelassen wurden oder ausgebüxt sind. Ähnlich wie für die Wölfe gab es für Nutrias ab Anfang der 1990er Jahre das Hindernis der innerdeutschen Grenze mit ihren Befestigungen nicht mehr.

Unterhaltungsverband Hunte

Der Unterhaltungsverband Hunte hat in Rehden an der Nienburger Straße 44 seinen Sitz. Er ist für die Gewässer-Pflege im Bereich von oberhalb des Zuflusses des Altonaer Mühlbachs bei Wildeshausen bis unterhalb des Zuflusses des Bornbaches südlich des Dümmers zuständig. Wichtigste Aufgabe des Verbandes ist, dafür zu sorgen, dass Regenwasser aus dem Gebiet zur Hunte hin und über die Hunte schadlos abgeleitet werden kann. Das Unterhaltungsteam besteht aus 19 Mitarbeitern. Geschäftsführer ist Ingo Ammerich, Verbandsvorsteher Heinrich Buck. Der Unterhaltungsverband Hunte wurde am 26. Mai 1965 gegründet. Seine Grundlage ist das Niedersächsische Wassergesetz (NWG), womit landesweit 113 Unterhaltungsverbände neu gegründet wurden. Die Aufgabe dieser Unterhaltungsverbände besteht darin, die Gewässer II. Ordnung (Gewässer mit überörtlicher Bedeutung) zu unterhalten. Der Verband unterhält unter anderem 880 Kilometer f Gewässer II. Ordnung mit mit etwa 50 Kilometer ausgewiesenen Gewässer-Randstreifen, 390 Kilometer Gewässer III. Ordnung, 18 Kilometer Dümmerdeich, 13 Sohlabstürze, verschiedene Schleusen und Düker. (Quelle: www.uhv71.de)

Nutrias ernähren sich vorwiegend von Wasserpflanzen und Ackerfrüchten wie Rüben und Kartoffeln, aber auch von Süßwassermuscheln, Schnecken und Würmern. Die aktuelle Zahl der Nutrias in Deutschland ist nicht bekannt. Die Tiere, die meist in kleinen Kolonien leben, sind nahezu überall an Gewässern ohne oder mit geringer Fließgeschwindigkeit zu finden. Auch an der Hunte gibt es laut Ingo Ammerich keine Schwerpunktbereiche von Populationen und von ihnen verursachten Schäden. Der Unterhaltungsverband muss überall damit rechnen.

Umso mehr ärgert es Geschäftsführer Ammerich, dass die Tiere offenbar an einigen Stellen gefüttert werden. So habe der Unterhaltungsverband an der Lohne im Stadtgebiet von Diepholz Äpfel am Ufer entdeckt, die Anwohner wohl für die Nutrias dorthin gelegt hatten.

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