Sanierung des Diepholzer Schlossturmes beginnt / Arbeiten sollen zum Grafensonntag 2016 abgeschlossen sein

Zuerst gescheckten Nagekäfer bekämpfen

+
Mit Plan vor dem Schlossturm, der für 800000 Euro saniert wird: Vertreter des Staatlichen Baumanagements Weser-Leine, der Stadt Diepholz, des Amtsgerichts Diepholz beziehungsweise Landgerichts Verden als Hausherr des Schlosses und des Heimatvereins Diepholz.

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Der gescheckte Nagekäfer ist Schuld. Exemplare dieses Holzschädlings haben die Balkenkonstruktion im Turm des Diepholzer Schlosses zerfressen, die aus der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg (1618 bis 1648) stammt. Die Holzkonstruktion wird nun ebenso erneuert wie das äußere Mauerwerk und das Dach. Gestern startete offiziell die Sanierung des Diepholzer Wahrzeichens.

Zum „Grafensonntag“ im Oktober 2016 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. 800.000 Euro lässt sich das Land Niedersachsen als Eigentümer des Schlosses, in dem das Amtsgericht Diepholz untergebracht ist, die Sanierung des Turmes kosten. Das Amtsgericht nutzt den 43 Meter hohen Turm nicht. Der Heimatverein Diepholz hat dort eine heimatkundliche Ausstellung. Die Museumsstücke sind bereits vor einigen Wochen ausgelagert worden.

Gescheckte Nagekäfer hatten großen Appetit und haben große Schäden an der historischen Holzkonstruktion im Diepholzer Schlossturm verursacht.

Die Sanierungsbedürftigkeit des Turms war vor einigen Jahren festgestellt worden, als von der Fassade Brocken herunterfielen. Zum Schutz von Besuchern und Mitarbeitern des Amtsgerichtes wurde daraufhin eine Holzkonstruktion im Eingangsbereich gebaut. Doch nicht nur die Fassade muss renoviert werden. Bei genauen Untersuchungen entdeckte das zuständige Staatliche Baumanagement Weser-Leine (Nienburg) den Holzfraß durch gescheckte Nagekäfer. Diese fünf bis sieben Millimeter langen Tierchen mögen gern feuchtes Holz. Die von den Käfern angerichteten Schäden sind so groß, dass die Statik der Turm-Innenkonstruktion betroffen ist.

Daher wird zunächst der Nagekäfer bekämpft. Der Turm, dessen Bewuchs mit Efeu bereits entfernt worden ist, wird mit einer Folie zur Isolierung „eingepackt“. Dann wird der Innenraum über drei Wochen auf 55 Grad Celsius erwärmt. Das überleben die holzfressenden Käfer nicht. Auch verdampft dabei das vor einigen Jahren erfolglos aufgebrachte Holzschutzmittel von den Balken, von denen einige erhalten werden können.

Die neuen Balken müssen wegen ihrer Größe teilweise von oben mit einem Spezialkran in den Turm gehievt werden. Der Treppenaufgang ist für den Transport nach oben zu schmal.

Während der Sanierung wird der Turm eingerüstet.

„Auch der Fachwerkaufsatz des Turms ist angegriffen“, erläuterte gestern Peter Bröker, Leiter des Staatlichen Baumanagements Weser-Leine (Nienburg). Das Dach des Turmes werde ebenfalls erneuert. „Die Wetterfahne wird auch saniert“, betonte Bröker. Sie erscheint von unten relativ klein, ist aber einen Quadratmeter groß und wiegt 250 Kilogramm.

Bei all den Arbeiten wird das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz beachtet. Die Baukosten in Höhe von 800.000 Euro – inklusive 170.000 Euro Ingenieurleistungen – trägt das niedersächsische Finanzministerium aus dem Sondervermögen „Nachholung von Investitionen durch Infrastruktursanierung von Landesvermögen“.

Bürgermeister Dr. Thomas Schulze freute sich über die Sanierung des Schlossturmes, der für Diepholz eine „hohe Symbolkraft“ habe.

Erfreut zeigten sich auch der Leiter des Amtsgerichts Diepholz, Matthias Wawrzinek. Dr. Rüdiger Lengtat, Präsident des übergeordneten Landgerichts Verden, freute sich über die Investitionen des Landes im Diepholzer Schloss, zu denen nicht nur die Turmsanierung gehört: Im Zuge der Bauunterhaltung erneuert das Land auch das Dach der Gerichtsgebäude. Das diene auch der Standortsicherung, so Lengtat.

Saniert werden soll im nächsten Jahr auch der „Rittersaal“ im Eingangsbereich des Schlosses, den das Amtsgericht zurzeit noch als Archiv nutzt. Hier muss eine zentrale, für die Statik wichtige Säule befestigt werden. Diese trägt nicht mehr, da der Untergrund abgesackt ist. Es ist geplant, dass der „Rittersaal“ für Veranstaltungen zugänglich gemacht werden soll.

Vom Schlossturm gibt es übrigens nun nicht nur die üblichen Pläne: Vor Beginn der Sanierung wurde mit einem Laser-Scan die dreidimensionale Darstellung auf Computer-Bildschirmen ermöglicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Vorsicht: Hier lauern im Haushalt die meisten Keime

Vorsicht: Hier lauern im Haushalt die meisten Keime

Schnittvorlage: Tomaten einfach häuten

Schnittvorlage: Tomaten einfach häuten

Ortsbrandmeister Jonas Baum zeigt Rettungszentrum in Angelse

Ortsbrandmeister Jonas Baum zeigt Rettungszentrum in Angelse

Dauerregen lässt Pegel steigen

Dauerregen lässt Pegel steigen

Meistgelesene Artikel

Polizei Syke fahndet mit Fotos nach zwei Trickbetrügern

Polizei Syke fahndet mit Fotos nach zwei Trickbetrügern

Mächtiger Allrounder im Team - 300.000 Euro schwer

Mächtiger Allrounder im Team - 300.000 Euro schwer

B6 neu-Pläne: „Beruhigungspille für Anwohner“

B6 neu-Pläne: „Beruhigungspille für Anwohner“

Ortsbrandmeister: „Der Star ist das Rettungszentrum“

Ortsbrandmeister: „Der Star ist das Rettungszentrum“

Kommentare