Leben retten aus der Luft

Sabine und Christoph Schöttler gründen Verein für Rehkitzrettung in Diepholz

Ein Rehkitz, das das Team des Vereins „Rehkitzrettung Diepholz“ bei seiner Arbeit entdeckte.
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Ein Rehkitz, das das Team des Vereins „Rehkitzrettung Diepholz“ bei seiner Arbeit entdeckte.

Diepholz – Ein traumatisches Erlebnis war der Auslöser für Sabine Schöttler und ihren Mann Christoph, einen gemeinnützigen Verein zur Rettung von Rehkitzen in Diepholz zu gründen. Jetzt wollen sie auf das Thema und ihren Verein aufmerksam machen, damit mehr Tierleben gerettet werden.

Die 59-jährige Jägerin fand eines Abends ein schwerverletztes Rehkitz, das ein Landwirt bei Mäharbeiten offenbar übersehen hatte. „So etwas will man nicht sehen. Auch für Jäger ist das ein schlimmer Anblick, wenn ein solch kleines Tier von seinen Schmerzen erlöst werden muss“, sagt Sabine Schöttler.

Ihr Mann Christoph erklärt, dass die Jäger die Felder früher mit Hunden absuchten, um Wildtiere vor dem Abmähen zu verscheuchen. „Heute sind die Felder dafür schlichtweg zu groß. Auch die Maschinen haben in ihrer Größe und Geschwindigkeit zugelegt. Deshalb werden die Felder jetzt mittels speziell ausgerüsteter Drohnen mit Wärmebildkameras abgeflogen und die Tiere anschließend gesichert“, berichtet der zweite Vereinsvorsitzende.

Landwirte seien in der rechtlichen Pflicht, ihre Felder und Weiden vor dem Mähen abzusuchen. Dabei wollen die Vereinsmitglieder ihnen helfen.

In den frühen Morgenstunden starte das Team um Sabine Schöttler – jeweils auf Anfrage von Jägern und Landwirten – das Abfliegen der Felder. „Es darf noch nicht zu warm sein, sonst kann man auf den Bildern der Wärmebildkamera keinen Unterschied zu den Tieren erkennen“, erklärt Christoph Schöttler.

Mit einem Korb und Stangen sichert Sabine Schöttler ein gefundenes Rehkitz in der Weide.

Sobald die Helfer ein Rehkitz entdecken, lotst der Drohnenflieger die Helfer per Funkgerät an die Stelle. Anschließend wird das Jungtier mit einem Korb abgedeckt oder mit Handschuhen und Gras aus der Weide getragen und dort fixiert.

„In den ersten 14 Tagen nach der Geburt haben die Jungtiere noch keinen Fluchtinstinkt und auch keinen Eigengeruch, deshalb laufen sie nicht weg und sind schwer zu finden, sondern bleiben einfach im Gras liegen, wenn wir uns nähern“, weiß die 59-Jährige.

Damit die Drohne des aktuell sieben Mitglieder zählenden Vereins fliegen darf, müsse meistens eine Ausnahmegenehmigung und Freigabe beim Flugplatz in Diepholz eingeholt werden.

Damit die Vereinsmitglieder zukünftig größere Flächen in geringerer Zeit absuchen können, wollen die Vorsitzenden eine Drohne für über 6 000 Euro kaufen.

60 Prozent der Kosten gefördert

Gefördert werde diese Maßnahme vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, das rund 60 Prozent der Kosten übernimmt. „Trotzdem sind wir als gemeinnütziger Verein auf Spenden angewiesen“, berichtet Sabine Schöttler.

Gemeinsam mit ihrem Mann musste sie die Ausrüstung, die unter anderem verschiedene Körbe, ein Auto und die Drohne umfasst, bislang privat finanzieren.

Auch weitere Helfer suchen die beiden Vereinsgründer. „Doch wir wollen den Verein erst einmal klein halten und sehen, wie es sich entwickelt“, sagt die Diepholzerin.

Interessenten müssen spontan sein

Von Mitte Mai bis Mitte Juni sollten Interessierte spontan einsetzbar sein. Von vier bis elf Uhr in der Früh seien die Arbeitszeiten bei einem Einsatz.

Besondere Vorkenntnisse seien nicht erforderlich, doch es sei empfehlenswert, dass Interessierte gern an der frischen Luft und in der Natur sind.

„Jedes Tierleben zählt, deshalb engagieren wir uns für die Rettung der Rehkitze hier in Diepholz und in der Umgebung“, so Sabine Schöttler.

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