Rund 90 Prozent für Cord Bockhop

Cord Bockhop (Mitte) freut sich über seinen Sieg – genauso wie (v.l.) Hermann Schröder, Dieter Engelbart, Ulf Schmidt und Ingo Estermann. Foto: Ehlers
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Cord Bockhop (Mitte) freut sich über seinen Sieg – genauso wie (v.l.) Hermann Schröder, Dieter Engelbart, Ulf Schmidt und Ingo Estermann. 

Rund 90 Prozent der Wähler haben Landrat Cord Bockhop in seinem Amt bestätigt. In sechs der 15 Landkreis-Kommunen erhielt der 51-Jährige sogar mehr als 90 Prozent der Stimmen, konnte also einen Riesen-Erfolg verbuchen. Herausforderer Harald Wiese von der AfD musste sich mit 10,15 Prozent zufriedengeben.

Landkreis Diepholz – Es hakte in Syke: Erst um 22.40 Uhr standen die genauen Ergebnisse der Landratswahl fest, weil noch zwei von 268 Schnellmeldungen fehlten. Erst dann war exakt klar: Mit 89,85 Prozent ihrer Stimmen haben die Wähler im Landkreis Diepholz ihren Landrat Cord Bockhop in seinem Amt bestätigt – und ihn für weitere sieben Jahre zum Chef der rund 1 000 Mitarbeiter starken Kreisverwaltung gemacht.

Neun von zehn Wählern hatten ihm also ihre Stimme gegeben. „Ich bin überwältigt“, sagte Cord Bockhop gestern Abend. „Das ist ein tolles Ergebnis und ich freue mich riesig.“ Bockhop feierte mit rund 100 Gästen – Familienmitglieder, Freunde und politische Wegbegleiter – im Neubruchhauser Gasthaus Zur Post eine Wahlparty.

Mit am Tisch: die Fraktionsspitzen von CDU, SPD, Grünen und der Freien Wählergemeinschaft im Kreistag. Denn sie unterstützten den 51-jährigen Landrat, der bereits seit acht Jahren an der Spitze der Kreisverwaltung steht, bei seiner Wiederwahl. „Gefühlt auch die Mitglieder der FDP“, hatte der Landrat noch vor wenigen Tagen geschmunzelt.

Denn die Liberalen hatten ihren Mitgliedern die Wahl freigestellt. Vor acht Jahren hatten sie mit Inge Human noch eine eigene Landrats-Kandidatin ins Rennen geschickt. Die Kreisrätin hatte damals knapp 39 Prozent der Stimmen erhalten, Bockhop mehr als 61.

Sein stärkstes Ergebnis holte der Landrat gestern in Siedenburg mit 93,38 Prozent der Stimmen – und hatte in sechs der 15 Kommunen im Landkreis Diepholz mehr als 90 Prozent der Stimmen erhalten.

Harald Wiese, sein Herausforderer von der AfD, zeigte sich trotz der überwältigenden Mehrheit für Bockhop zufrieden: „Wir liegen im zweistelligen Bereich.“ Er wies darauf hin, dass mehr als 10 000 Menschen im Landkreis Diepholz ihm ihre Stimme gegeben hätten. „Ich sehe es als Erfolg, den Menschen eine Alternative geboten zu haben.“ Er bedauere, so der AfD-Kreistagsfraktionsvorsitzende, dass es nicht mehr Kandidaten bei der Wahl gegeben habe – und wünschte sich für die nächsten Wahlen mehr Bewerber.

Wiese hatte zweieinhalb Prozent mehr Stimmen erhalten als seine Partei bei der Europa-Wahl. Doch auch mit deren Ergebnis zeigte sich der Kandidat zufrieden: „Unsere Partei liegt deutlich vor der FDP.“ Heute beginne für ihn ein ganz normaler Arbeitstag, fügte der AfD-Politiker hinzu. „Dann geht’s daran, die Plakate wieder abzuhängen.“

Auch für Landrat Cord Bockhop beginnt heute ein ganz normaler Arbeitstag in der Kreisverwaltung. Er habe einen Termin mit seinen drei Kreisräten, der aber schon länger vereinbart sei, sagte er.

Schon gestern Abend hatte sich der Landrat grundsätzlich mit den Ergebnissen der Europawahl auseinandergesetzt. „Ich glaube, wir müssen ein bisschen Stimmung in die Demokratie bringen“, erklärte der Landrat. Bei den nächsten Wahlen sei es wichtig, nicht allein auf die Wahlbeteiligung zu schauen. Es komme ganz genauso darauf an, die Emotionen der Wähler anzusprechen.

Ganz besondere hatte gestern Abend Ulf Schmidt als Kreistragsfraktionsvorsitzender der Grünen. Denn seine Partei hatte im Landkreis Diepholz 21,48 Prozent der Stimmen geholt. „Das ist Wahnsinn!“, war die erste Reaktion von Ulf Schmidt, der auch stellvertretender Landrat ist. „Es scheint so zu sein, dass die Themen Klimawandel, sozialer Ausgleich und Weltoffenheit die Menschen bewegen“, fügte er hinzu. Dabei hatte Schmidt vor allem die junge Generation im Blick. Sie habe erkannt: „Wenn wir nicht Flagge zeigen, dann wird das, was bisher selbstverständlich war, verloren gehen.“

Kommentar

Ausnahmevotum für Top-Manager 

Der neue Landrat ist der alte: Cord Bockhop kann seine Arbeit uneingeschränkt fortsetzen – mit einem bei Wahl-Duellen absoluten Ausnahme-Votum von rund 90 Prozent der Stimmen im Rücken. Für seinen Konkurrenten Harald Wiese mögen 10,15 Prozent ein persönlicher Erfolg sein. Sie beweisen aber auch: Für neun von zehn Wählern ist ein AfD-Mann an der Landkreisspitze untragbar. Bürger, die unzufrieden mit dem amtierenden Landrat sind – weil er eben auch Bußgeldbescheide oder nicht erteilte Baugenehmigungen verantworten muss – haben ihren Protest anders ausgedrückt. Das lässt die Zahl der ungültigen Stimmen vermuten, die bei der Landratswahl 2,23 Prozent betrugen. Bei der Europawahl war es aber nur ein Bruchteil davon, nämlich 0,75 Prozent. Andere Wähler haben ihr Kreuz erst gar nicht gesetzt. Das beweist die Beteiligung an der Landratswahl, die mit 59,23 Prozent unter der zeitgleichen Europawahl lag. Dort betrug sie immerhin 62,24 Prozent. Trotzdem: Cord Bockhop kann heute mehr als zufrieden ins Kreishaus fahren. Der Top-Manager an der Landkreisspitze hat sein Ergebnis von vor acht Jahren noch einmal deutlich getoppt. Respekt.

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