Rittergut Falkenhardt wachgeküsst / „Tag der offenen Tür“ lockte Tausende

Echte Bereicherung für die Region

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Der Ansturm vor allem am „Tag der offenen Tür“ glich schon einer kleinen Völkerwanderung.

Falkenhardt - Von Reinhold Dufner. „So etwas hat es hier noch nicht gegeben!“ war – angesichts des Besucher-Ansturms - Hans-Egon Fangmeier fast schon sprachlos. Und das will bei dem so umtriebigen Unternehmer aus Heede schon was heißen, denn um (Aus-)Reden ist er mit Charme und knallhartem Geschäftssinn nie verlegen. Er holte das Rittergut Falkenhardt aus dem Dornröschenschlaf – und wie!

Falkenhardt hat so um die 200 Einwohner. Am Wochenende stieg die Zahl auf mehr als 3000. Ursache für diese Bevölkerungs-Explosion waren das Oktoberfest und der „Tag der offenen Tür“ auf dem Gelände des Ritterguts.

So viele Menschen an zwei Tagen hat Falkenhardt noch nie gesehen. Und Autos auch nicht. Blech an Blech. Ganz Falkenhardt war zugeparkt. Und auch der Parkplatz hinter dem Rittergut war ruck-zuck dicht.

Zum Glück verlief rein verkehrstechnisch an und auf der stark befahrenen Bundesstraße 69 noch alles in halbwegs geordneten Bahnen. Einer der vielen Helfer war zur Verkehrsregelung abgestellt worden. Im Bereich „Parkmöglichkeiten“ sind bei künftigen Veranstaltungen – und die wird es mit Sicherheit geben – noch Nachbesserungen erforderlich.

Nach dem stimmungsvollen Auftakt am Sonnabend mit dem Oktoberfest, zu dem etwa 500 Besucher kamen, setzte die Besucher-Invasion am Sonntag schon in den Vormittagsstunden ein. Am frühen Nachmittag – zur Kaffeezeit – erreichte der Ansturm dann seinen Höhepunkt.

Bei einem Empfang mit rund 30 geladenen Gästen unter anderem von Stadt und Landkreis Diepholz in der ehemaligen Hefefabrik berichtete „Schlossherr“ Hans-Egon Fangmeier, dass nach dreieinhalb-jährigen Verhandlungen mit der Familie von Wagner („Wenn wir verkaufen, dann nur an unseren Freund Hans-Egon Fangmeier“) am 6. Juni 2014 der Kaufvertrag unterzeichnet worden sei. Die Übergabe des Ritterguts mit Ländereien sei am 1. Oktober 2014 erfolgt. „Dann musste auch gelöhnt werden.“ Es habe „wahnsinnig viel gekostet“. Seine ganze Altersversicherung sei dabei drauf gegangen. Auch die Sparkasse habe noch etwas mitgeholfen, merkte Fangmeier augenzwinkernd an.

Ihm – mit Diepholzer Lohnewasser getauft - und auch der Familie von Wagner sei es ganz wichtig gewesen, dass das Rittergut in Diepholzer Hand, und zwar nur in einer, bleibe.

Die Tinte sei zwar noch nicht ganz trocken, aber wir – gemeint waren er und Martin Stybalkowski als Gastronom – sind auf einem sehr guten Weg, blickte Hans-Egon Fangmeier voller Optimismus in die Zukunft.

Von diesem Projekt, in das der Unternehmer mit Rückendeckung seiner Frau Alina viel Herzblut investiert habe, werde nicht nur die Stadt, nicht nur der Landkreis, sondern die gesamte Region profitieren, prophezeite stellvertretender Bürgermeister Hans-Werner Schwarz in einem kurzen Grußwort. Fangmeier, ein tatkräftiger Mensch mit Bodenhaftung, habe sich ein Stück weit um die Stadt Diepholz verdient gemacht. „Wir wären traurig gewesen, wenn dieses Anwesen nach auswärts gegangen wäre.“

An dem bunten Treiben, was sich dann in den nächsten Stunden, verwöhnt von strahlendem Sonnenschein, auf dem Rittergut abspielte, hätte auch der Diepholzer Burgmann Harteke von Stemshorn seine helle Freude gehabt, der das Anwesen 1608 vom Herzog Ernst zu Braunschweig-Lüneburg erworben und hier einen Gutshof errichtet hatte. „Der schaut von oben zu,“ war sich Hans-Egon Fangmeier sicher. „Der alte Baron von Wagner natürlich auch.“

Genau 20 Aussteller präsentierten in der großen Gutsscheune und im Innenhof des Ritterguts ihre Produkte vorwiegend aus der Region. Es gab auch aber nicht nur Obst, Gemüse und Getränke, sondern auch selbst gefertigte Taschen, Textilien und Accessoires für Wohnung und Garten.

Hobby-Fotograf Horst Hötzel stellte einige seiner mehr als 500 Farbaufnahmen vom Rittergut Falkenhardt vor. Auch der Waldorfkindergarten Sankt Hülfe zeigte bei dem „Tag der offenen Tür“ Flagge. Die Verantwortlichen hatte auch an die kleinen Besucher gedacht. Sie versammelten sich rund um ein kleines Feuer, um Stockbrot zu backen.

Das Rittergut empfahl sich nach dieser grandiosen Vorstellung für weitere Events. „Das ist eine echte Bereicherung für Diepholz,“ war immer wieder zu hören.

„Hans-Egon Fangmeier und ich sind mit dem Verlauf des ersten öffentlichen Wochenendes auf dem Rittergut Falkenhardt sehr zufrieden,“ zog Martin Stybalkowski nach vielen schlaflosen Nächten und zwei ganz arbeitsreichen Tagen eine positive Bilanz. „Ohne meine vielen Helferinnen und Helfer wäre ich allerdings auch aufgeschmissen gewesen. Denen gilt mein besonderer Dank!“ Sprach’s – verriet aber nicht seine weiteren Pläne. Nur so viel: „Nichts überstürzen, nichts übertreiben! Wir werden behutsam vorgehen.“

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