Barterlass gewinnt an Bedeutung

Die Retter müssen rasiert sein

+
Atemschutzgeräteträger Ihno Fißer demonstriert, dass die Maske ganz dicht am Gesicht sitzen muss.

Landkreis  Diepholz - Von Katharina Schmidt. Mann trägt wieder Bart. Das ist nicht nur Thema in Modemagazinen, sondern auch bei der Feuerwehr. Denn durch den Trend zu mehr Gesichtsbehaarung gewinnt der sogenannte Barterlass wieder an Bedeutung. Dieser schreibt vor, dass Atemschutzgeräteträger bei Einsätzen rasiert sein müssen, damit ihre Maske dicht abschließt.

Laut Matthias Thom, Pressesprecher der Kreisfeuerwehr, hat der Vormarsch des Bartes auch im Landkreis Diepholz Diskussionen angestoßen. „In den Feuerwehren wird darüber gesprochen“, erzählt er auf Anfrage unserer Zeitung.

Es gebe zwei Lager. Auf der einen Seite diejenigen, die die Vorschrift mit Blick auf Sicherheit und Versicherung gutheißen. Auf der anderen Seite gebe es solche, die dem Erlass zwar folgen, aber an seiner Notwendigkeit zweifeln. Sie argumentieren Thom zufolge unter anderem damit, dass in anderen europäischen Ländern viele Atemschutzgeräteträger unrasiert seien.

Kameraden kontrollieren sich gegenseitig

In den Vorschriften für die hiesigen Feuerwehren gibt es kein Wenn und Aber: Wer Bart trägt, fällt als Träger von Atemschutzgeräten aus. Das gehört zum Grundstoff in der entsprechenden Ausbildung.

„Die Kameraden kontrollieren sich gegenseitig“, berichtet der Pressesprecher. Spätestens der Ortsbrandmeister und der Einsatzleiter würden sich im Zweifel zu Wort melden. Meistens sei es aber gar nicht nötig, die Kameraden an den Barterlass zu erinnern. „Sie schneiden sich ins eigene Fleisch, wenn sie sich nicht daran halten“, erklärt er. Und ergänzt: „Ich möchte nicht bei einem Einsatz unversichert sein.“ Genau das blüht im Zweifel einem Feuerwehrmitglied, das Vorschriften missachtet.

„Wir haben derzeit genug Atemschutzgeräteträger“, so Thom. „Aber so üppig ist es auch nicht. Wenn plötzlich alle einen Bart tragen, kriegen wir ein Problem.“ Die Bedeutung des Themas werde wachsen, vermutet er. „Die Fraktion, die Bart trägt, dürfte größer werden.“

Auch Ihno Fißer, Sprecher der Syker Feuerwehr, ist aufgefallen, dass insbesondere jüngere Männer vermehrt Bart tragen. Zu Problemen in den Reihen der Syker Einsatzkräfte kam es deswegen seines Wissens nach allerdings noch nie.

Sauerstoffflasche reicht für etwa 40 Minuten

Fißer ist selbst Atemschutzgeräteträger. Die Masken, die er und seine Kameraden im Einsatz tragen, arbeiten mit Überdruck. Laut dem Syker führt dies dazu, dass Sauerstoff bei einer undichten Stelle nach draußen strömt – und giftigen Gasen somit den Weg in die Maske versperrt.

Ein Leck hat Fißer zufolge trotzdem gefährliche Folgen. Eine herkömmliche Sauerstoffflasche reicht für etwa 40 Minuten. Doch wenn der Sauerstoff ungehindert nach draußen weicht, ist die Luft schneller aufgebraucht. Geht bei einem Atemschutzgeräteträger der lebenswichtige Vorrat zur Neige, muss der gesamte Trupp umkehren.

Bei Berufsfeuerwehren müssen manche Männer, deren Bart schnell wächst, ihr Gesicht mindestens vor jeder 24-Stunden-Schicht rasieren.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Israel tötet Dschihad-Militärchef - Beschuss aus Gaza

Israel tötet Dschihad-Militärchef - Beschuss aus Gaza

Australiens Feuerwehr warnt vor "katastrophaler Feuergefahr"

Australiens Feuerwehr warnt vor "katastrophaler Feuergefahr"

Flughafen Bremen: Die Ziele im Winterflugplan 2019/2020

Flughafen Bremen: Die Ziele im Winterflugplan 2019/2020

Mit Web-Apps unabhängiger arbeiten

Mit Web-Apps unabhängiger arbeiten

Meistgelesene Artikel

Kirchdorfer Herbstmarkt: Die Mischung gefällt

Kirchdorfer Herbstmarkt: Die Mischung gefällt

„Luftkrieg in der Region“ 1944/45: Alarm, Angst und Tote

„Luftkrieg in der Region“ 1944/45: Alarm, Angst und Tote

Faustschläge auf dem Kirchdorfer Markt

Faustschläge auf dem Kirchdorfer Markt

Wohngebiet am Syker Hallenbad soll Profit, Umweltschutz und bezahlbaren Wohnraum vereinen

Wohngebiet am Syker Hallenbad soll Profit, Umweltschutz und bezahlbaren Wohnraum vereinen

Kommentare