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Drohnen: Mit Tempo 160 über den Sportplatz

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Von: Sigi Schritt

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Das ist eine der vielen Renndrohnen, die in Wettbewerben im Einsatz sind.
Das ist eine der vielen Renndrohnen, die in Wettbewerben im Einsatz sind. © Martin Hefkaluk

Drohnen-Piloten fiebern der Norddeutschen Meisterschaft in Aschen entgegen

Landkreis Diepholz – Sie sind bunt, sehen aus wie Spielzeuge. Doch das sind diese Drohnen nicht. Im Gegenteil. Es sind Sportgeräte, die mit einer Wahnsinnsgeschwindigkeit unterwegs sind. Es handelt sich um fliegende Rennmaschinen, die Drohnen-Piloten in Wettbewerben steuern. Es erfordert mitunter spektakuläre Manöver, um Hindernisse zu umfliegen oder durch sie hindurchzufliegen.

Renndrohnen-Piloten, ihre Himmelsflitzer und ein Parcours aus Hindernissen stehen am Samstag, 18. Juni, auf dem Gelände des TSV Aschen beim Drone Cup Nord im Mittelpunkt. Im Vorfeld dieser Norddeutschen Meisterschaft, die der TSV Aschen mitbegründet hat, berichten die Vereinsmitglieder Martin Hefkaluk (42) aus Twistringen und Johannes Wiemker (36) aus Diepholz, welche Faszination von diesem neuen Sport ausgeht.

Die Piloten tragen spezielle Brillen und sehen das Rennen aus der Drohnen-Perspektive – also so, als ob sie selbst im Cockpit sitzen und mitfliegen.
Die Piloten tragen spezielle Brillen und sehen das Rennen aus der Drohnen-Perspektive – also so, als ob sie selbst im Cockpit sitzen und mitfliegen. © Martin Hefkaluk

„Der Sport ist älter, als man es vermutet“, sagt Johannes Wiemker. „Die ersten Rennen gab es bereits vor sieben Jahren.“ Viele Enthusiasten kommen aus dem Modellbau, sagt er. Sie hätten Flugzeuge oder Helikopter gebaut und ferngesteuert fliegen lassen. Das habe ihnen aber nicht mehr gereicht. Da die Drohnentechnik mittlerweile immer besser und erschwinglicher geworden sei, strebten mehr Fans diesen Sport an. Wer sich darüber informieren möchte, sollte am Samstag nach Aschen kommen.

Was eine Renndrohne von einer handelsüblichen Drohne unterscheidet? „Eine Renndrohne ist kompakt gebaut und kann keine Fotos machen“, erklärt Martin Hefkaluk. Das Besondere bei seiner Sportdrohne ist: Sie sendet ein Videosignal aus. Dank der ruckelfreien Live-Bildübertragung in HD-Qualität können die Drohnen-Piloten über eine Brille den Flug verfolgen. „Es ist so, als sitzt man selbst im Cockpit, obwohl man in einem Stuhl sitzt und die Fernbedienung in seinen Händen hält“, so Hefkaluk. Diese Perspektive erleben also nicht nur die Piloten, sondern auch die Zuschauer. Wer eine Spezialbrille trägt, kann sich vorstellen, man fliegt wie bei „Top Gun“ in einem Cockpit mit.

„Es ist ein gutes Gefühl, wenn man durch den Parcours ballert“, beschreibt Martin Hefkaluk den Reiz. Die Aufgabe: Auf einer Hälfte des Fußballfeldes werden Tore und Hindernisse aufgestellt, die durch- oder umflogen werden müssen.

Die Piloten sitzen – die Fernsteuerung in der Hand – im Stuhl: Ist das eigentlich überhaupt ein Sport? Solche Fragen kennt Johannes Wiemker. „Genauso könnte man fragen, ob die Formel 1 ein Sport sei, nur weil die Piloten das Lenkrad ein bisschen bewegen.“

Mit den Renndrohnen würden Geschwindigkeiten bis zu 160 Kilometern pro Stunde erzielt. Was das für die Rennpiloten bedeutet? Es geht um Konzentration, Koordination und Reaktionsfähigkeit, sagt der 36-Jährige. Fotodrohnen würden sofort anhalten, wenn man den Geschwindigkeitsregler loslässt. „Bei uns setzen die Drohen Mikrobewegungen der Finger auf der Fernsteuerung unmittelbar in Lenkbewegungen um.“

Das Teilnehmerfeld, das sich aktiv mit Rennfliegerei beschäftigt, expandiere in Deutschland. Es seien schon ein paar Hundert. Eine genaue Zahl lässt sich nicht ermitteln, weil es keinen entsprechenden deutschlandweiten Verband gibt.

Wer sich im norddeutschen Raum und speziell im Landkreis Diepholz mit Drohnen-Rennfliegerei beschäftigt, komme am TSV Aschen nicht vorbei, so Johannes Wiemker. Die Vereinspiloten kommen aus dem gesamten Landkreis. Eine etwas weitere Anreise habe ein Drohnen-Pilot aus Hamburg.

Nach eigenen Angaben betreiben die FPV Lions Diepholz seit 2019 unter der Flagge des FSV Aschen die Sparte FPV-Drone-Raceing und zählen mit 20 Mitgliedern inzwischen zu den größten Vereinen in Deutschland.

Der Aschener Verein hatte sich kürzlich mit weiteren Vereinen aus Hannover, Wolfsburg und Hörstel (Nordrhein-Westfalen) zusammengeschlossen und den Drone Cup North gegründet. Diese Meisterschaft besteht aus sechs Einzelrennen, bei denen jeweils an einem Renntag bis zu 36 Piloten gegeneinander antreten.

Der Eintritt ist frei und das Pilotenlager für alle Besucher offen, betont Johannes Wiemker. Er freut sich über viele Besucher, die den Drohnen-Piloten über die Schulter schauen.

FPV-Racing

Die Erfindung der unbemannten Drohnen hat einen Sport hervorgebracht: Beim FPV-Racing (First Person View – auf deutsch etwa: aus der Ich-Perspektive) sehen die Piloten nur das, was die Kamera des Fluggeräts aufnimmt, und müssen in möglichst kurzer Zeit einen vorgegebenen Parcours abfliegen. Die ersten großen Wettbewerbe fanden 2015 statt.

Weitere Infos:

www.dronecupnorth.de

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