Reinhold Lüers eröffnet erste private öffentliche Strom-Tankstelle in Diepholz

Anlaufstelle, wenn der Akku schlapp macht

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Reinhold Lüers, selbst Besitzer eines Elektroautos, hat an seinem Haus am Oderweg die erste private öffentliche Stromtankstelle in Diepholz eröffnet.

Diepholz - Von Wolfgang Zellhorst. Eines der am meisten gehörten Argumente gegen die Anschaffung eines rein elektrisch betriebenen Autos ist die geringe Reichweite. Das ist im Vergleich zu den herkömmlichen Autos mit Verbrennungsmotor sicherlich verständlich. Aber es gibt Halter von Elektroautos, die von der Zukunft und der Zweckmäßigkeit dieser Technik voll überzeugt sind – auch in Diep-holz.

Für sie ist es notwendig, dass es immer mehr Stromtankstellen für mit Elektromotoren angetriebene Autos gibt, die sich auf Überlandreise befinden. Aus diesem Grund hat Reinhold Lüers jun. an seinem Haus am Oderweg in Diepholz in Eigeninitiative eine 43-kw-Stromtankstelle anbringen lassen, die erste private öffentliche in der Kreisstadt. An der Tankstelle kann der Akku eines Elektroautos, wie beispielsweise seines Renault ZOE innerhalb von 30 Minuten wieder voll aufladen, um dann weitere 120 Kilometer mit dem Viersitzer in der Golfklasse zurückzulegen. Damit habe er zur Zeit die leistungsfähigste Stromtankstelle im 60-Kilometer-Umkreis, berichtet er. Lüers ist einer der noch sehr wenigen Halter von Elektro-Automobilen in Diepholz und Umgebung.

Natürlich sei ein Automobil mit seiner Reichweite nichts für Handlungsreisende, die 500 bis 800 Kilometer am Tag zurücklegen müssen, das sei aber eine Minderheit der deutschen Autofahrer.

Laut Statistik fährt der deutsche Durchschnitts-Autofahrer im Jahr laut ADAC 12200 Kilometer. Das heißt also 1000 Kilometer im Monat. Geht man davon aus, dass die meisten Autofahrer ihr Gefährt für die Fahrten zur Arbeit und zurück und die täglichen/wöchentlichen Einkaufsfahrten zum Supermarkt benutzt, dann sind das ca. 26 Tage im Monat, also etwa 39 Kilometer am Tag.

Statistisch dürfte ein Fahrzeug wie das von Lüers also auch für die täglichen Bedürfnisse eines Durchschnittssautofahrers auch auf dem flachen Land wie Diepholz ausreichen.

Auch die Leistung des ZOE – als Vergleichsmodell – könne sich sehen lassen. Aus seinem Motor holt er eine Spitzenleistung von 88 PS und hat zusätzlich zu den vollwertigen vier Sitzplätzen (offiziell Fünfsitzer) noch einen Kofferraum, der für einen Wocheneinkauf völlig ausreiche, erzählt Lüers. Auch die ca. 30 Prozent höheren Anschaffungskosten würden durch geringen Verbrauch, Steuerfreiheit und Umweltschonung kompensiert.

Reinhold Lüers führt an, dass für eine rationale Entscheidung für ein Elektroauto an erster Stelle die positive Entscheidung für ein „für mich alltagstaugliches Auto“ stehe. Und diese Entscheidung kann seiner Meinung nach nicht für ein maßlos übermotorisiertes Auto mit umweltschädlichen Emissionen fallen. Sein Auto schadet nicht der Umwelt durch Schadstoffemissionen, fährt – zumindest im Bereich der Stadtwerke Huntetal – mit Sicherheit mit Naturstrom, der für die Stadtwerke-Kunden auch noch vollkommen kostenlos ist.

Die Stadtwerke Huntetal seien im Übrigen, wie Lüers betont, eine der engagiertesten Vorreiter der Elektroauto-Szene in Deutschland (wir werden darüber in den kommenden Tagen noch berichten).

Die Stadtwerke Huntetal betreiben allein in der Stadt Diepholz drei Stromtankstellen mit fünf Anschlüssen für durchreisende Elektromobile. Dazu jetzt noch der Hochleistungs-Anschluss von Lüers und der der Ulrich Walter GmbH in der Dr. Jürgen Ulderup Straße.

„Durchreisend“ deshalb, weil ja jeder Inhaber eines Elektromobils zuhause seine eigene Stromtankstelle für sein Auto hat, wo er in der Regel über Nacht den Akku seines Autos wieder auflädt und deshalb keine externe Tankstelle benötigt.

Während beispielsweise der gesamte südoldenburgische Bereich in Bezug auf Stromtankstellen noch „stromfreie Diaspora“ ist, hat der fernreisende Elektro-Automobilist im Landkreis Diepholz schon eine gute Anzahl von Angeboten zum Aufladen.

Die Lage dieser Tankstellen und weitere ausführliche Informationen findet man auf der Internetseite der Elektromobil-Community (http://www.goingelectric.de).

Reinhold Lüers hat übrigens außer seinem Engagement für die Sache und der Zurverfügungstellung seines Platzes vor der Haustür keinen Cent für diese Tankstelle auszugeben brauchen, fügt er hinzu.

Die Finanzierung von weiteren Stromtankstellen erfolgt nämlich durch sogenanntes „Crowdfunding“, an dem sich jedermann beteiligen kann.

Wer eine Stelle für eine Stromtankstelle anbieten möchte, braucht nichts als einen normalen Stromanschluss und eine geeignete Stelle für eine solche Tankstelle. Die kann auch „weitab vom Schuss“ sein, denn die Internet-Ausstattung eines jeden Elektroautos findet per Navi auch die versteckten Tankstellen.

Hat man einen solchen Platz, dann bietet man der Elektromobilcommunity über Internet (goingelectric.de) an, dort eine Stromtankstelle zu errichten, erzählt Lüers.

Daraufhin laufen innerhalb kürzester Zeit Spendenzusagen für die Errichtung ein. Bei Reinhold Lüers waren dies in drei Tagen rund 1000 Euro, wie er berichtet.

Wer daran interessiert ist, die Elektromobilität zu fördern, ohne sich gleich ein Elektroauto zuzulegen, der kann sich bei Reinhold Lüers gern weitere Informationen holen.

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