Arbeiten am historischen Bohlenweg „Pr 6“ im Moor zwischen Diepholz und Lohne

Real und virtuell erlebbar

Ein 520 Meter langes Teilstück des um 50 vor Christus in der Eisenzeit gebauten Bohlenweges im Aschener /Heeder Moor westlich von Diepholz legen Archäologen derzeit zur Untersuchung frei. Ein Teil des verwendeten Holzes wird konserviert. Fotos: Jansen

Diepholz – Das Holz muss nass bleiben, sonst verfällt es schnell. Vor 2000 Jahren haben Menschen aus der Dümmerregion damit einen fast vier Kilometer langen Bohlenweg durch das heutige Aschener/Heeder Moor zwischen Diepholz und Lohne gebaut, um die natürliche Grenze zu Fuß oder mit Holzwagen überwinden zu können.

Ein 520 Meter langer Teil dieses Weges wird in den nächsten drei Jahren freigelegt und untersucht. Konserviert werden kann von den Bohlen, die aus unterschiedlichen Baumarten bestehen, nur etwas davon. Aus Kostengründen. Das Industriemuseums Lohne hilft dabei und verwendet eine Zuckerlösung zum Erhalt.

„Etwa 500 solcher Bohlenwege gibt es in Niedersachsen“, erläuterte die Ausgrabungsleiterin, Archäologin Dr. Marion Heumüller vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, am Montagnachmittag vor Ort Vertretern von Behörden, Institutionen und Medien.

„Pr 6“ nennen Fachleute den Bohlenweg in einem Torfabbaugebiet zwischen der Straße Lindloge und der Verlängerung des Ossenbecker Moorweges. Die Abkürzung bedeutet „Prejawa“. Hugo Prejawa war um 1890 Bauinspektor in Diepholz und hat Bohlenwege kartiert. „Pr 6“ gehört zu den längsten Bohlenwegen in Norddeutschland und ist Teil eines besonderen Projekts: Er soll öffentlich erlebbar gemacht werden. Real und virtuell.

Real entsteht bis 2021 in der Nähe eine „Moorloipe“ mit einem nachgebildeten historischen Bohlenweg. Über diese etwa ein Kilometer lange Loipe, die von der Straße Lindloge aus erreichbar ist, können Besucher eine Plattform erreichen, von der aus eine natürlich erhaltene Moorfläche einsehbar ist.

Virtuell erlebbar wird der Bohlenweg „Pr 6“ im Rahmen des von der EU geförderten Projekts „Naturerlebnis am prähistorischen Bohlenweg im Aschener/Heeder Moor“ durch eine moderne Art der Dokumentation. Die in Vechta ansässige Grabungsfirma „denkmal3D“ erstellt 3D-Ansichten. Dadurch wird es anschließend möglich sein, den Weg zumindest virtuell wiederauferstehen zu lassen. Er muss ausgegraben werden, da er austrocknet und somit verfällt. Denn für das Abtorfen wurde der Wasserspiegel der Moorfläche schon vor Jahrzehnten abgesenkt und liegt nun tiefer als der Bohlenweg.

Um 50 vor Christus ist dieser entstanden. Durch eine archäologische Methode kann das Alter der verwendeten Bäume genau bestimmt werden. Daraus geht hervor, dass der Unterzug mit bearbeiteten Baumstämmen in Längsrichtung jünger ist als der quer verlaufende Oberbau, der aus der Zeit um 80 von Christus stammt. „Dieses Holz stammt vermutlich von einem anderen, älteren Bohlenweg, der aufgenommen und dessen Material neu verwendet wurde“, erklärte Dr. Marion Heumüller.

Am Rand des Bohlenweges machte das Archäologenteam einige Funde. So präsentierte Marion Heumüller eine historische Lederschnalle, die jetzt in einer Konservierungsflüssigkeit liegt. Im Torfboden war ein Teil eines seinerzeit offenbar defekten Holzwagens zu sehen, das erst wenige Stunden zuvor bei den Arbeiten aufgetaucht war.

Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege bietet an, dass Freiwillige ab 22. Juli eine Woche lang bei der Bohlenweg-Ausgrabung mitarbeiten und intensive Einblicke bekommen können. Wer Interesse hat, kann eine E-Mail an marion.heumueller@nld.niedersachsen.de schicken.

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