Bewährung bei Berufung

Vorwurf der fahrlässigen Tötung: Raser muss nicht ins Gefängnis

Diepholz - Von Wiebke Bruns. Nicht ins Gefängnis muss der Verursacher eines tödlichen Verkehrsunfalls, der sich am 6. Mai 2017 auf der B 51 zwischen Barnstorf und Drentwede ereignet hat.

Das Amtsgericht Diepholz hatte den 35 Jahre alten Angeklagten aus Twistringen im Juni 2018 wegen fahrlässiger Tötung und Gefährdung des Straßenverkehrs zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Am Freitag wurde die Strafe in einem Berufungsverfahren am Landgericht Verden auf zwei Jahre reduziert und zur Bewährung ausgesetzt.

Eine 80 Jahre alte Frau und ein 59 Jahre alter Mann wurden in ihrem kleinen Peugeot von dem knapp 2,6 Tonnen schweren Mercedes GL 420 CDI des Angeklagten regelrecht von der Straße „geschossen“, wie es der Vorsitzende Richter Daniel Hauschildt formulierte. 

Der Kleinwagen wurde in ein Waldstück geschleudert. Beide Opfer erlagen noch vor Ort ihren schweren Verletzungen. Der Angeklagte blieb unverletzt. Sein zwölfjähriger Sohn, der den Unfall auf dem Beifahrersitz miterleben musste, soll körperlich leicht verletzt worden sein. Er sei, genauso wie der Angeklagte, bis heute wegen des Unfalls in therapeutischer Behandlung.

„Wir haben zwei Menschen, die gestorben sind, weil der Angeklagte erheblich zu schnell gefahren ist“, hieß es in der Urteilsbegründung. Mit mindestens 175 Stundenkilometern war der Twistringer nach den Berechnungen eines Sachverständigen unterwegs. Mehrere Fahrzeuge soll er mit seinem 306 PS-starken Koloss überholt haben. 

Vierfacher Vater rücksichtslos zu schnell

Beim Einscheren im Zuge eines Überholvorgangs war der Angeklagte, der das Auto erst rund zwei Monate zuvor gekauft haben will, auf den Kleinwagen aufgefahren. „Bei 100 Stundenkilometern wäre der Unfall vermeidbar gewesen“, so der Sachverständige.

Der vierfache Vater sei rücksichtslos und aus einem nichtigen Grund viel zu schnell gefahren, hieß es. Er wollte nur pünktlich zu Hause sein.

Zwar hat der Twistringer keine Vorstrafen, war aber zuvor schon mit Geschwindigkeitsüberschreitungen aufgefallen. Ein Fahrverbot von einem Monat habe er nicht als Warnung begriffen, kritisierte die Kammer.

Zugutegehalten wurde dem Unfallverursacher sein Geständnis und seine vom Gericht als glaubhaft empfundene Reue. Unterm Strich fanden die Richter eine Strafaussetzung zur Bewährung vertretbar. Man sei überzeugt, „dass es der Angeklagte zu keinen Straftaten mehr kommen lassen wird“, so der Vorsitzende. 

Die Fahrerlaubnis wird dem 35-Jährigen entzogen und sein Führerschein eingezogen. Vor Ablauf von zwei Jahren ab Rechtskraft des Urteils darf ihm keine neue Fahrerlaubnis erteilt werden. Außerdem muss der Angeklagte 2 000 Euro an die Stiftung Opferhilfe zahlen.

Rubriklistenbild: © dpa

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