VHS qualifiziert Dozenten für Sprachunterricht/Teilnehmer gesucht

Flüchtlinge: Zahl verdoppelt

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Unvorstellbare Not: Ein Kind ruht sich während der Flucht aus Syrien auf einer alten Matratze aus.

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Sie kommen oft mit viel zu schwerem Gepäck, auch wenn sie persönlich kaum noch etwas besitzen: Traumatisiert durch die Flucht, ohne Sprachkenntnisse und ohne sichere Perspektive suchen immer mehr Menschen Asyl. Im Landkreis Diepholz werden es allein in diesem Jahr voraussichtlich 1200 Flüchtlinge sein.

Das beweisen die statistischen Zahlen, die Bernd Hardemann von der Ausländerbehörde des Landkreis Diepholz auf Anfrage nennt. Demnach kümmerte sich die Behörde 2013 um exakt 277 Asylbewerber. Bereits ein Jahr später musste sie mehr als doppelt soviele Menschen betreuen: 601 Asylbewerber.

Diese Zahl ist allein im ersten Halbjahr 2015 schon weit überschritten: Um 660 Flüchtlinge musste die Behörde sich bis Ende Juni kümmern. „Täglich kommen weitere“, sagt Bernd Hardemann – und rechnet damit, dass es am Ende des Jahres doppelt so viele wie im Vorjahr sind.

Die Absolventen des ersten Kurses mit Ewald Fiedler, Fachbereichsleitung bei der Volkshochschule.

Während die Städte und Gemeinden im Landkreis händeringend nach Wohnraum für die Flüchtlinge suchen, muss die Volkshochschule (VHS) des Landkreises Diepholz ganz andere Probleme meistern – sprich Dozenten finden, die Sprachkurse leiten. 300000 Euro hat der Landkreis dafür zur Verfügung gestellt. Als kreiseigener Bildungsbetrieb organisiert die VHS flächendeckend solche Sprachkurse. Kurze Wege für die Teilnehmer sind dabei ein wichtiges Kriterium. „Das ist ein Kraftakt“, erklärt Radosveta Hofmann als VHS-Fachbereichsleiterin für Integrationskurse. Dennoch sei es dem Landkreis gelungen, alle 25 Kurse mit qualifizierten Lehrkräften zu besetzen. Das sei einmalig in Niedersachsen – wie das Konzept überhaupt, dessen zweite Säule die Sozialbetreuung ist (Zuschuss des Landkreises: 200000 Euro). Dafür werden Asylbegleiter ausgebildet. „Damit sind wir Vorreiter in Niedersachsen“, sagt Radosveta Hofmann.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin sucht sie dringend Menschen, die sich zur Fachkraft für den Deutsch-Anfangsunterricht für Flüchtlinge ausbilden lassen möchten. Der erste Kurs ist gerade abgeschlossen. Vier Monate haben sich die Teilnehmer intensiv auf ihre neue Aufgabe vorbereitet. Angewandte Spracherwerbsprozesse, Kommunikationsfähigkeit, Phonetik sowie Sprech- und Lesefertigkeiten gehörten genauso zum Ausbildungsprogramm wie Grammatik und kommunikatives Handeln. Vorbereitet wurden die Dozenten auch auf den Umgang mit traumatisierten Menschen. „Eine Anrechnung der Lerninhalte der Weiterbildung auf ein Studium der Pädagogik befindet sich in der Bewertungsphase an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg“, hieß es. In den Sprachkursen unterrichten die Dozenten im Schnitt zehn bis zwölf Flüchtlinge. 200 Deutsch-Unterrichtsstunden erhalten die Teilnehmer dabei.

Bis zum Jahresende will die VHS nach Möglichkeit zehn weitere Kurse im gesamten Landkreis anbieten. Wer sich zur Fachkraft qualifizieren lassen möchte, meldet sich unter Telefon 05441/9764069. Insbesondere im Südkreis würden noch Teilnehmer gesucht. Der Qualifizierungskurs beginnt am 24. September.

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