Prozess um Fahrt in Schülergruppe

Unfall aus Geltungsdrang

Diepholz - Von Gerhard Peinz. Vor dem Jugendschöffengericht Diepholz muss sich ein 18-jähriger Angeklagter wegen Verdachts der Körperverletzung, Unfallflucht und Fahrens ohne Führerschein verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, am 19. September 2014, gegen 8 Uhr mit einem VW Golf an einer Bushaltestelle am Schulzentrum in Diepholz in eine Gruppe von Jugendlichen gefahren zu sein.

Dabei erlitt eine 17-jährige Schülerin aus Diepholz schwere Verletzungen und sechs weitere Schüler mittlere bis schwere Frakturen und Schockzustände. Ein Hubschrauber brachte die 17-Jährige mit einem Schädel-Hirn-Trauma und mehreren Knochenbrüchen in eine Bremer Klinik. Dort wurde sie nach einer Notoperation bis Anfang Oktober in ein künstliches Koma versetzt.

Das Verlesen der Krankenakte durch den Vorsitzenden des Jugendschöffengerichtes, Richter Matthias Wawrzinek, nahm breiten Raum ein. Dazu kam die Schilderung der 17-Jährigen, die vom Richter einfühlsam befragt wurde. Nach einem langen Leidensweg befindet sie sich auf dem Weg der Besserung. Sie beantwortete tapfer und gefasst alle Fragen.

Obwohl noch eine Operation erforderlich ist, hat sie offensichtlich ihren Lebensmut nicht verloren, denn sie strebt eine Ausbildung zur Physiotherapeutin an. „Aber ich bin noch nicht wieder ganz gesund“, so die 17-Jährige, die als Nebenklägerin den weiteren Verlauf des Prozesses verfolgte.

Der 18-jährige Angeklagte, der zur Tatzeit in Diepholz wohnte, ist inzwischen mit seiner Familie weggezogen. Man habe die Stadt verlassen, weil es nach dem Unfall in einer aufgeheizten Stimmung zu Bedrohungen gekommen sei.

Der Teenager äußerte sich umfassend zur Sache: „Ich habe keinen Führerschein, ich wollte an dem Morgen aber mit dem Auto meines Vaters, der noch geschlafen hat, fahren. Den Autoschlüssel habe ich heimlich aus einer Vitrine an mich genommen und bin losgefahren. Ich wollte cool sein, deswegen bin ich zum Schulzentrum gefahren und habe auf dem Parkplatz eine Runde gedreht. Einem habe ich noch zugewinkt. Danach bin ich noch einmal eine Runde gefahren, dabei habe ich das Gas mit dem Bremspedal verwechselt, bin über einen Bordstein gefahren und habe die Gewalt über das Auto verloren.“

Er habe zwar eine Gruppe Schüler gesehen, aber keine Erinnerung mehr daran, in diese hineingefahren zu sein. Danach habe er kurz angehalten und aus Angst die Unfallstelle fluchtartig verlassen.

Fast übereinstimmend bestätigten sechs Schüler, die zu der betroffenen Gruppe gehören, die Angaben des Angeklagten bezüglich des Unfallherganges. Sie ergänzten aber, dass er die Runden mit hoher Geschwindigkeit, aufheulendem Motor und quietschenden Reifen absolviert hatte. Eine junge Frau konnte ihre Tränen nicht zurückhalten.

Ein Sachverständigengutachten zum Auto wurde vorgelesen. Danach betrug die Geschwindigkeit zum Zeitpunkt des Aufpralls 45 Kilometer pro Stunde.

Der Angeklagte ist schon wegen Körperverletzung, Bedrohung und sexueller Nötigung in Erscheinung getreten. Zuletzt wurde er zu einer einjährigen Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. Jugendgerichtshelfer Reinhold Jakob ergänzte, dass es psychische Auffälligkeiten durch posttraumatische Belastungsstörungen gegeben hätte.

Rubriklistenbild: © Mediengruppe Kreiszeitung

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