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Diepholzer Kläranlage reinigt jeden Tag 2800 Kubikmeter Abwasser

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Von: Eberhard Jansen

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Das Klärwerk Diepholz mit den unterschiedlichen Becken vom Faulturm aus gesehen.
Das Klärwerk Diepholz mit den unterschiedlichen Becken vom Faulturm aus gesehen. © Jansen

Diepholz – Was Menschen in Diepholz in Toiletten hinterlassen oder in sonstige Abflüsse kippen, kommt an der Strothestraße wieder ans Tageslicht. Dort ist – versteckt hinter hohem Grün – die Kläranlage der Stadt. 2 800 Kubikmeter Abwasser werden dort täglich so aufbereitet, dass sie schadlos in die Landriede und damit in die Hunte geleitet werden können. Jetzt im Sommer wird das gereinigte Abwasser zum Teil genutzt: Mitarbeiter des Bauhofes gießen damit Bäume, Blumen und andere Pflanzen im Stadtgebiet.

Vier Mitarbeiter kümmern sich darum, dass die Anlage 24 Stunden läuft – auch an Wochenenden. Chef des Diepholzer Klärwerks ist Uwe Heuer. Als Auszubildender hat er vor 35 Jahren angefangen und 1997 die Leitung übernommen. Er kennt durch Unwissenheit oder Unvernunft der Bürger verursachte Probleme: „Feuchttücher und Wattestäbchen gehören nicht in die Toilette.“ Durch sie werden Pumpen und Rechen im Klärwerk verstopft oder blockiert. „Früher waren es meist Damenstrumpfhosen“, erklärt der 54-Jährige. Doch diese Kleidungsstücke tauchen in den vergangenen Jahren weniger aus den Abflüssen auf.

In der Schaltzentrale des Klärwerks Diepholz: Leiter Uwe Heuer (links) und Fachdienstleiter Sebastian Dornieden
In der Schaltzentrale des Klärwerks Diepholz: Leiter Uwe Heuer (links) und Fachdienstleiter Sebastian Dornieden ©  Jansen

Die Chance ist gering, Gegenstände wiederzubekommen, die in die Toilette gefallen sind. Auf dem Weg in die Kläranlage passieren sie im Kanalnetz mehrere Pumpwerke. Ab und zu werde nach verlorenen Zahnprothesen gefragt, lächelt Heuer. Ein Gebiss gefunden habe er aber noch nicht.

Das wäre auch wie die berühmte Stecknadel im Heuhaufen, denn in der ersten Klärstufe sammeln sich alle festen Stoffe und Fremdkörper wie Tücher. Diese Stoffe werden getrennt entsorgt. In der nächsten Stufe setzt sich Sand ab.

Danach kommt das Abwasser ins Belebungsbecken. Dort wird Luft in das Wasser gepumpt. Die Stadt Diepholz hat diese Belüftung jetzt erneuert, sodass bei diesem Vorgang etwa 20 Prozent Energie eingespart werden.

Die Luft im Wasser brauchen die speziellen Bakterien, die Schadstoffe „auffressen“ und das Abwasser so biologisch reinigen.

Dabei entsteht Klärschlamm. Dieser landet in einem zwölf Meter hohen Faulturm, wo weitere biologische Abbauprozesse stattfinden, damit der Schlamm später entsorgt werden kann. Das dabei entstehende Faulgas (Methan) wird genutzt, um ein Blockheizkraftwerk zu betreiben, das Wärme und Strom erzeugt. Die Abluft wird über einen Biofilter gereinigt.

Insgesamt dauert es eine Woche, bis Abwasser gereinigt ist und in den Fluss geleitet werden kann. Dabei darf das geklärte Wasser bestimmte Werte nicht überschreiten. Das werde – auch unangekündigt – vom Landkreis Diepholz überprüft, so Uwe Heuer.

Etwa eine Million Kubikmeter Wasser werden jährlich in Diepholz geklärt. Finanziert wird das über Gebühren: Pro verbrauchtem Kubikmeter Frischwasser zahlen die Bürger etwa 2,20 Euro Abwassergebühr (es sei denn, man kann durch einen Zähler nachweisen, dass ein Teil des Verbrauchs zur Gartenbewässerung dient). Mit dieser Summe ist Diepholz sehr günstig. In Drebber beispielsweise beträgt die Abwassergebühr etwa 3,60 Euro pro Kubikmeter.

Das Diepholzer Klärwerk wurde 1958 gebaut und in den 1970er Jahren erweitert. 1995 investierte die Stadt mehrere Millionen in die Anlage, um sie zukunftsfähig zu machen. Damals entstanden der Faulturm, das Blockheizkraftwerk und das Betriebsgebäude.

„Das Klärwerk ist für 35 000 Einwohner ausgelegt“, erklärt Sebastian Dornieden, der als Fachdienstleiter im Rathaus für den Klärwerkbetrieb verantwortlich ist. Diepholz könnte also noch wachsen, ohne dass die Kärwerk-Kapazität erhöht werden müsste.

Derzeit wird das Abwasser von 22 000 Einwohnern verarbeitet, obwohl Diepholz nur etwa 17 500 Einwohner hat. „Das Abwasser der Firmen wird in Einwohner umgerechnet“, erklärt Uwe Heuer. Größter Einleiter ist der Fliegerhorst.

Was die Kläranlage nicht aus dem Abwasser herauslösen kann, sind Mikroplastik und Rückstände von Medikamenten, die über Urin in die Toilette gelangen. Dazu wäre eine vierte Reinigungsstufe notwendig, die derzeit praktisch kein Klärwerk in Deutschland hat.

Klärwerkleiter Uwe Heuer rät übrigens dringend davon ab, regelmäßig Essensreste in der Toilette zu entsorgen. Das könne Ratten anlocken, die in der Kanalisation leben und die sich auf die Suche nach dem Ursprung der Nahrung machen.

Die Stadt Diepholz hat – wie andere Kommunen auch – zwei Kanalsysteme: eines für Abwasser und eines für Regenwasser. Das Regenwasser, das in die Gullys der Straßen fließt, landet ungeklärt in den Flüssen. Es ist also nicht ratsam, darin verunreinigtes Wasser zu entsorgen. Dieses gehört in Toilette oder andere Hausabflüsse.

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